Teil 10

#Waschtag oder Der Gott, der magische Möhren wachsen lässt

© Jens Mende, 2026
Kapitel:

1

Neuerdings schlief das kleine Eichhörnchen sehr schlecht. Oft wurde es von schlimmen Träumen geplagt. Immer wieder war es auf der Flucht vor dem Marder, der es in wilder Jagd quer durch den Wald verfolgte. Und immer, wenn die Lage aussichtslos erschien und der Räuber seine Schnauze weit aufriss und seine spitzen Zähne in das Eichhörnchen schlagen wollte, wachte Kati mit wild pochendem Herzen auf. Noch immer hatte sie den üblen Geruch des Angreifers in der Nase und wurde ihn auch nach Stunden das Wachseins nicht los. Sie fürchtete sich davor, wieder einzuschlafen und im nächsten Traum wieder vom Marder bedroht zu werden und fliehen zu müssen.

So kuschelte sie sich an Brumm, der neben ihr im absoluten Tiefschlaf lag und selbst von einem Kometeneinschlag nicht zu wecken gewesen wäre. Manchmal brummelte er im Schlaf vor sich hin, dann musste Kati leise kichern. Es waren nur wenige verständliche Worte, aber was sie hörte, erheiterte sie sehr: "Honig... Lachs, hm, lecker..."
Selbst im Schlaf schien der Bär keine Pause vom Essen zu machen.

Irgendwann schlief das kleine Eichhörnchen dann doch wieder ein, aber wenn sie am Morgen aufwachte, fühlte sie sich wie zerschlagen und meinte noch immer den ekelhaften Geruch des Räubers wahrzunehmen.
Wenn sie Brumm beim Frühstück von ihren Alpträumen erzählte, schüttelte er nur ungläubig seinen wuscheligen Kopf.
"Was du nur immer träumst", sagte er verwundert und biss beherzt in sein Lachsbrötchen. Und damit war das Thema für ihn beendet. Der Bär kannte keine Alpträume. Meist traf er seine liebe Tante Bärnadette im Traum oder saß angelnd am Fluss oder erfand nützliche Dinge, die ihm hohes Ansehen bei seinen Freunden einbrachte. Leider sah er im Traum nie, was er da erfunden hatte und so sehr er sich auch anstrengte, irgendetwas versperrte immer die Sicht auf seine Erfindung - er hätte sie sich gern bis zum Aufwachen gemerkt, um sie dann nachzubauen, aber leider, leider...

Kurz gesagt: So sonnig, wie der Alltag des Bären, so waren auch seine Nächte: Fröhlich und unbeschwert. Und wenn der Bär doch hin und wieder in der Nacht aufwachte, dann lag es entweder an seiner vollen Blase oder an seinem leeren Magen. Und für beides hatte der Bär eine Lösung. Anschließend rollte er sich wieder ein und schlief weiter.

Beneidenswert, dachte Kati. Um auf andere Gedanken zu kommen, beschloss sie, für ihre Freundin Isabel eine Überraschungsparty zu organisieren. Das Igelmädchen hatte bald Geburtstag und Kati hatte viel vorzubereiten. Tagelang hüpfte sie aufgeregt durch den Wald, sprach flüsternd und mit Verschwörermiene mit einigen Waldbewohnern und freute sich immer mehr auf den großen Tag.

Und dann war es endlich soweit.
So eine schöne Überraschung, dachte Isabel Igel gerührt und voller Dankbarkeit. Kati hatte wirklich ganze Arbeit geleistet! Und das alles mir zu Ehren, dachte Isabel und wischte sich eine Träne der Rührung aus den Augen.

Nun saßen die Freunde um Brumms großen Küchentisch und erhoben die Gläser auf Isabels Gesundheit und erfreuten sich am Beieinandersein.
"Macht man ja auch viel zu selten", erklärte Hansi Hase, schon ein wenig vom Alkohol gezeichnet und ließ sich von Brumm noch einmal Heidelbeerlikör nachschenken. Die Stimmung in der Runde wurde immer gelöster, aber plötzlich beschlich Kati ein ungutes Gefühl. Seit einigen Minuten glaubte sie wieder den ekelhaften Geruch des Marders wahrzunehmen. Panisch sah sie sich um, doch sie konnte den Räuber nirgends entdecken. Er wird sich doch nicht in Brumms Höhle eingeschlichen haben, dachte sie mit Schrecken. Oder...

Und nun schoss Kati ein ungeheuerlicher Gedanke durch den Kopf. Sollte sie diese schöne Feier nur träumen und gleich müsste sie wieder vor dem bösen Räuber fliehen? Was, wenn sie nicht rechtzeitig aufwachte und er sie diesmal erwischte?!

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2

Doch auch der Fuchs machte plötzlich ein unglückliches Gesicht. Angestrengt versuchte er die Quelle des unangenehmen Geruchs zu ergründen, der ihm mehr und mehr die Freude an Isabels Geburtstagsfeier verdarb.
Offensiv beschnüffelte er nun Schafi, der neben ihm saß und plötzlich verwundert inne hielt. Das Schaf war gerade im Begriff, von seiner neuesten Sauerampferstellen-Entdeckung unweit seines Stalls zu erzählen, als ihm Freds ungewöhnliches Verhalten auffiel.

"Was ist?! Warum beschnüffelst du mich so?"
"Boah, Schafi!", sagte der Fuchs angewidert und verdrehte die Augen. "Du stinkst drei Meilen gegen den Wind. Man könnte dich problemlos aus dem Weltall riechen!"
Sofort verstummte die gesellige Runde.
Erschrocken sah das Schaf den Fuchs an: "Warum sagst du so 'was?"
"Weil es stimmt", erwiderte der Fuchs aufrichtig und mit einer Spur des Bedauerns in der Stimme.
"Aber das verletzt mich!", begehrte Schafi auf. "Ich kann nichts dafür, dass mein Fell so woll-luminös ist und ich im Sommer deshalb sehr stark transpiriere." Dann wandte er sich beleidigt vom Fuchs ab und schwieg.

Immer noch herrschte Stille am Tisch. Die Gäste sahen erst zum Fuchs, dann zu Schafi. Und nun roch es Kati auch und stellte mit Erleichterung fest, dass nicht der imaginäre Marder aus ihren Träume die Ursache des üblen Geruchs am Tisch war. Mit aller Diplomatie, zu der das Eichhörnchen fähig war, sagte es sehr sanft zum Schaf: "Du müffelst wirklich ganz streng!" "Jetzt fang du nicht auch noch an!", begehrte Schafi auf.

Brumm verließ seinen Platz, um seinem Kumpel zu Hilfe zu eilen. Er stellte sich dicht zu Schafi und begann an dessen Fell zu schnüffeln. Entsetzt wandte sich der Bär ab. "Unmöglich kann unser Freund so streng riechen", verkündete er dann. "Ich vermute, ganz in der Nähe musste gerade ein LKW voll beladen mit verdorbenem Käse vorgefahren sein. Oder mit verdorbener Gülle. Oder beidem. Vielleicht ein LKW mit Anhänger?"
"Lieb von dir", sagte Kati lächelnd. "Aber es stimmt, Schafi riecht wirklich sehr übel." Und an das Schaf gewandt: "Wir werden dich im Fluss baden, dann riechst du wieder wie eine Blumenwiese im Frühling."

Skeptisch sah Schafi das Eichhörnchen an: "Du weißt aber schon, dass ich nicht schwimmen kann? Ohne meinen Lebensretter Björn, dem Eisbären, werde ich nie wieder ein Gewässer betreten!"
"Wir könnten Karl Kranich bitten, Björn zu uns zu holen", schlug Brumm vor.
"Das dauert zu lange", winkte der Fuchs ab. "Bis Björn hier ist, sind wir alle an Schafis Aroma erstickt."
"Ha, ha, ha", krähte nun der Hase laut lachend los. "...an Schafis Aroma erstickt!", und dann stimmte die ganze Geburtstagsgesellschaft in Hansis Lachen ein. Mit Ausnahme Schafis. Der saß auf seinem Stuhl und sah betreten zu Boden. Der Hase, der inzwischen vor Lachen vom Stuhl gefallen war, sah ihn von unten fragend an. Dann schlief er ein.

"Und wenn Brumm auf dich aufpasst?", fragte Kati, als das Lachen am Tisch endlich verstummte.
"Nö!", antwortete Schafi bockig, stand auf und verließ wortlos den Höhlenkobel. Ratlos sahen ihm die Freunde nach.
So begann also ein aufregender Kriminalfall, der die Tiere des Waldes einen ganzen Sommer in Atem halten sollte und sogar noch den Diebstahl von Katis Schwarzwälder Nusstorte in den Schatten stellte. Inklusive Kollateralschaden.

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3

Es hätte ein ganz normaler Sommer werden können. Hätte...
Der Bär hätte im Fluss gebadet, ab und einen köstlichen Lachs gefangen; er hätte im Schatten der Bäume gedöst, wäre abends mit seinem lieben Eichhörnchen zur großen Wiese gegangen, um den Sternenhimmel zu beobachten. Er hätte allerhand Unfug mit Schafi getrieben und sicher hätten die beiden viel Spaß gehabt. Aber daraus wurde nichts. Denn plötzlich sah er sich einer wilden Anschuldigung ausgesetzt, der er sich zunächst nicht zu erwehren wusste.

Es hätte ein ganz normaler Sommer werden können. Der Fuchs hätte endlich an seinem Abriss der modernen Kriminologie gearbeitet, er hätte Tage und Nächte in der Bibliothek der Walduniversität gesessen und recherchiert. Er hätte seine Rechercheergebnisse mit kleinen Anekdoten aus seinem Detektivalltag gewürzt und zweifellos wäre es ein ganz grandioses Buch geworden, aber daraus wurde nichts. Plötzlich musste Fred in einem Kriminalfall ermitteln, der in seiner Größe alles je dagewesene übertraf. Und ausgerechnet sein Freund Brumm war mal wieder der Hauptverdächtige!

Es hätte ein ganz normaler Sommer werden können. Das kleine Eichhörnchen wäre mit Isabel unterwegs gewesen. Sie hätten tolle Fotos gemacht, viel herumgealbert und im Stillen die Elster verspottet und sich daran gefreut, dass sie so enge Freundinnen geworden waren. Kati hätte Brumms Lieblingsspeisen zubereitet, ein wenig darauf geachtet, dass er nicht zu dick wird und es wäre ein Sommer wie jeder andere auch geworden: Tage voller Licht und Liebe. Doch es kam anders und ausgerechnet Brumm war der Anlass ihres Kummers.

Das Unglück nahm ausgerechnet am Tag von Katis Überraschungsparty zu Ehren Isabels Geburtstag seinen Lauf. Der wievielte es war, wollte Isabel natürlich nicht verraten. Frauen sind manchmal komisch, wenn es um ihr Alter ging, merkte Herr Esel an. Dann aber wurde die Runde immer geselliger, was wohl auch am Heidelbeerlikör lag, dem vor allem Hansi Hase kräftig zugesprochen hatte. "Ja, Freunde! Mein Fell ist wahrlich gegerbt von den Stürmen des Lebens", beendete er gerade voller Pathos jene Heldenerzählung, wie er gemeinsam mit Brumm die Wölfe verjagt hatte, als sie auf dem Weg zur Silbernen Tanne waren. Dann hielt er dem Bären sein leeres Glas hin und bat um Nachschub.

Dieser kleine Suffkopp, dachte der Bär belustigt und schenkte von Neuem ein. Man musste ihn einfach lieb haben! Und während die Stimmung immer ausgelassener wurde, bemerkten sowohl Kati als auch Fred jenen unangenehmen Geruch, der sich mehr und mehr im Höhlenkobel ausbreitete. Der Rest ist bekannt: Schafi verließ empört und enttäuscht den Höhlenkobel. Die Freunde sahen ihm ratlos nach.

Schließlich brach Herr Esel das Schweigen. "Irgendetwas müssen wir doch machen können!"
"Ja", stimmte Fred zu. "Wir müssen Schafi baden."
"Aber wie? Schafi hat ja selbst gesagt, dass er ohne Björn nie wieder freiwillig ein Gewässer betritt", merkte Kati an.
Inzwischen war der Hase wieder aufgewacht, setzte sich auf seinen Stuhl und fragte freundlich in die Runde: "Hab ich 'was verpasst?"
"Wir suchen nach einer Möglichkeit, Schafi zu baden", antwortete Herr Esel.
Da stütze der Hase seinen Kopf auf seine Pfötchen, blies die Backen auf und dachte nach. Das heißt, er gab nur vor, nachzudenken. In Wirklichkeit hatte er seinen Kopf auf Autopilot geschaltet und hoffte darauf, noch ein weiteres Glas Heidelbeerlikör angeboten zu bekommen. Deutlich hörbar atmete er aus. "Ist aber auch wirklich eine ganz trockene Luft hier drin. Da kann man ja gar nicht nachdenken!"

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4

Nach einem weiteren Glas Heidelbeerlikör war Hansi wieder eingeschlafen. Er hatte den Kopf auf dem Tisch und des Komforts wegen auf seine Pfötchen gebettet, und schnarchte nun leise vor sich hin.
Herr Esel hatte einen Entschluss gefasst: "Wisst ihr was?", wandte er sich an die Runde, "ich gehe jetzt zu Schafi und entschuldige mich. Ich bin sein bester Freund und er wird mir verzeihen."
"Aber du hast doch nichts gemacht", wandte Isabel Igel ein. "Fred war es, der nicht sehr nett zu ihm war."
"Stimmt. Aber ich habe mitgelacht", sagte das Eselchen und sah betreten zu Boden. Dann stand er auf. "Ich gehe jetzt zu Schafi."
"Warte", rief da der Fuchs. "Ich komme mit und entschuldige mich auch."
"Wir alle kommen mit", sagte Kati mit entschlossener Stimme. Und so verließen die Freunde den Höhlenkobel und machten sich auf den Weg zu Schafis Stall.

Zur gleichen Zeit drehte die Elster in luftiger Höhe ihre Runden über dem Wald. Ihr war langweilig. Entsetzlich langweilig. Der Sommer hatte gerade erst begonnen. Es lag eine angenehme Milde über dem Wald. Etwas, dass die Menschen in Scharen ins Grüne zog. Sie nannten es "Waldbaden". Völlig bekloppt, dachte die Elster. Zertrampeln nur das zarte Waldgras, machen Lärm wie zehn Chinesen und respektieren den Rückzugsort der Tiere nicht. Außerdem ließen sie ihren Müll liegen! Da die Elster aber nichts für sie Interessantes darunter fand - nicht mal goldene oder wenigstens silberne Löffelchen - mochte sie die Ausflügler erst recht nicht.

So zog sie also übelgelaunt und gelangweilt ihre Kreise über den Wipfeln, als sie plötzlich unten auf dem Waldweg den Esel und den Fuchs, gefolgt vom Bären, dem Eichhörnchen und dem Igel erspähte. Neugierig folgte sie der seltsamen Prozession, bis diese am Schafstall angekommen war.

"Schafi, bist du zu Hause", fragte Herr Esel mit vorsichtiger Stimme.
"Lass mich in Ruhe!", ertönte es prompt von innen.
"Wir sind gekommen, um uns bei dir zu entschuldigen", rief nun der Fuchs.
"Welchen Teil von 'lass mich in Ruhe' hast du nicht verstanden?!"
"Ach Schafi, sei doch nicht so", bettelte Fred.
"Haut ab!", und Rumms! Wurde von innen die Stalltür zugeschlagen.

Ratlos sahen sich die Freunde an. Da kam von hinten der Hase angehoppelt, den sie schlafend und berauscht im Höhlenkobel zurückgelassen hatten.
"Geht mal zur Seite", rief er forsch. "Ich kläre das für euch!" Und ohne auch nur einen Einwand abzuwarten, ging er zur Stalltür und öffnete sie ohne anzuklopfen. Die Freunde verstanden kaum ein Wort der Unterhaltung, die Hansi mit dem Schaf führte. Es war eher ein Flüstern, das nach außen drang, und das war schon sehr verwunderlich angesichts der Wut, die Schafi aufgrund der erlittenen verbalen Verletzung empfand.

"Schafi", flüsterte der Hase ins Halbdunkel des Stalls, "ich hab mir das nicht ausgedacht. Aber die stehen da draußen und wollen sich wirklich bei dir entschuldigen. Ja, du bist sauer. Versteh ich. Versteh ich alles. Wäre ich auch. Und bin ich auch manchmal. Von wegen, die magische Möhre gibt's nicht. Klar gibt's die! Ich weiß es. Du weißt es. Die da draußen wissen es auch. Aber denkst du, die entschuldigen sich mal bei mir? Nö! Kannste glatt vergessen! Eher hacken die sich ein Bein ab und erzählen was von Gewitterbildung und wie Blitze entstehen. Aber das interessiert mich null und überhaupt gar nicht! Ja, und nun sind wir also hier und da solltest du nicht kleinlich sein. Also, spring über deinen Schatten und komm mit vor die Tür. Wir sind doch Freunde, oder? Apropos Freunde: Du hast nicht zufällig Heidelbeerlikör hier?"

Um des Hasens Redeschwall zu entgehen, verließ das Schaf seinen Stall.

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5

Na sieh an, dachte Brumm überrascht, als Schafi plötzlich aus dem Stall heraus kam und langsam auf die Freunde zulief. Der Hase hatte es tatsächlich geschafft, Schafi zu besänftigen. Respekt!
Nun standen sich Fred und Schafi nur noch wenige Meter entfernt gegenüber. Die Sonne direkt über ihnen.
"Sieht ein bisschen aus wie in 'High Noon'", krähte Hansi, der ebenfalls aus dem Stall herausgetreten war.

Verlegen blickte Fred zu Schafi auf. "Es tut mir leid, was ich zu dir gesagt habe." Stille. Mit rauer Stimme fügte Fred hinzu: "Ich wollte dich nicht verletzen."
Nachdenklich sah das Schaf den Fuchs an. Dann wanderte sein Blick zu den Freunden, die unschlüssig hinter Fred standen und es kaum wagten, Schafi anzusehen. Die Stille schien unerträglich; Sekunden zogen sich scheinbar zu Stunden. Und Brumm dachte bei sich: Komisch. Mir ist, als hätte ich seit Stunden schon nichts mehr gegessen.

Da unterbrach das Schaf das Schweigen: "Ich bin stinksauer auf euch, vor allem auf dich, Fred!" Der Fuchs sah betreten zu Boden.
"Auch wenn wir Freunde sind, gibt es euch nicht das Recht, mich so zu beleidigen. Eure Worte haben mir sehr weh getan." Er sah Herrn Esel an, dann Kati, dann fiel sein Blick auf Brumm. "Ja, ich müffle ein wenig. Aber was soll ich machen, wenn ich nun mal so schwitze mit meiner dicken Wolle? Meint ihr, Brumm duftet immer nach Schneeglöckchen?"

"Rosenblätter", berichtigte Kati.
"Wie bitte?", fragte das Schaf irritiert und winkte im selben Atemzug ab. "Ist ja auch egal. Jedenfalls ist es ziemlich demütigend, wenn einem ausgerechnet die besten Freunde so ungeschminkt die Wahrheit sagen. Hättet ihr nicht ein wenig diplomatischer sein können? Fred hätte doch auch sagen können: Oh, die Luft hat sich ein wenig opthalmonisch eingetrübt."
"Wie bitte?", fragte nun der Fuchs. "Du meinst olfaktorisch, oder?"
"Ja, klar! So unnützen Kram weißt du natürlich!", brauste das Schaf auf. "Aber wie man sich diplomatisch zu seinen Fremden verhält, das weißt du nicht!"
Jetzt holte Fred tief Luft und Kati befürchtete für einen Moment, er wollte Schafi an die Gurgel springen. Stattdessen sagte Fred: "Du hast Recht. Du musstest von deinen Freunden erwarten können, dass sie nett zu dir sind und Unangenehmes freundlich formulieren. Mein Fehler, entschuldige bitte."

"Aber wir waren immer nett zu dir", warf da Kati ein. "Vom ersten Moment an, als wir dich sahen, waren wir nett zu dir. Wir haben sofort alle Freunde zusammen gerufen und damit begonnen, deine Mama zu suchen, denn du hattest dich verlaufen und du warst ganz allein. Wir haben dir ein Zuhause gegeben und uns ganz lieb um dich gekümmert. Erinnerst du dich?"
"Stimmt", bestätigte das Schaf, "aber das gibt euch trotzdem nicht das Recht, so gemein zu mir zu sein."
"Wir wollten nicht gemein zu dir sein", sagte jetzt Brumm, "aber wenn du nun mal so schlimm riechst, da müssen wir doch was tun oder etwa nicht? Was würde wohl deine Mama dazu sagen?"
Jetzt sah das Schaf irritiert auf. Ja, was würde wohl Mama dazu sagen? "Wo ist sie überhaupt?", fragte er tonlos.
"Ich glaube, der Mann, der diese Erzählungen schreibt, hat sie einfach nicht weiter in den nachfolgenden Geschichten für die Handlung benötigt", sagte der Hase und schien schon fast wieder nüchtern zu sein.
Überrascht sahen die Freunde nun den Hasen an. "Was hast du da gesagt?" fragte der Fuchs.

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6

"Na ja, ist euch nie in den Sinn gekommen, wieso wir die verrücktesten Abenteuer und Geschichten erleben?", fragte der Hase und fuhr fort: "Die Reise zur Silbernen Tanne, ständig müssen wir gegen Wölfe kämpfen oder einen Kompressor stehlen. Ihr reist durch ein Portal in die Menschenwelt. Zudem sind wir alle nahezu unverwundbar, wenn man mal von den Beulen des Herrn Esel absieht, die er sich beim Zusammenstoß mit zwei Paketen zugezogen hatte." Der Hase holte Luft: "Und: Wir können sprechen. Wir werden nicht älter. Und Schafi hätte rein sachlich betrachtet sein Bad im Eismeer nie und nimmer überleben können. Das Wasser hat dort eine Temperatur von 2° und die Luft gern bis zu -30°C."

Erstaunt blickten die Freunde den Hasen an. Was zum Geier redete er da?!
Der Hase aber plapperte munter weiter: "Habt ihr euch nie gefragt, ob das wirklich unser eigener Wille ist, was wir hier jahrein, jahraus so treiben? Oder ob es vielleicht eine höhere Macht gibt, einen heiligen Geist? Vielleicht ein Gott, der magische Möhren wachsen lässt?"

Nachdenklich und überrascht zugleich sah der Fuchs den Hasen an. Was dieser kleine Flauschel da von sich gab, beunruhigte ihn im aller höchsten Maße. Seltsam, was Alkohol anrichten kann... Ganz sicher ist der Hase einfach nur betrunken. "Ganz richtig, Hansi. Und aus dir spricht der Geist des Alkohols."

"Nein, so einfach kann man das nicht abtun!", ergriff nun Brumm Partei für den Hasen. "Ich frage mich das auch ständig: Warum bin ich immer so hungrig? Das ist doch nie meine eigene Entscheidung und wieso werde ich von Waldbienen gestochen, obwohl ich doch ein ganz lieber Bär bin? Fragt Kati, sie kann es bestätigen! Hier ist doch irgend etwas faul!"
Jetzt reichte es dem Fuchs. Wohin sollte dieses Gespräch noch führen? "Wollt ihr damit sagen, dass wir keine eigenen Entscheidungen fällen, dass wir einfach nur Figuren in einer Geschichte sind, die sich wer auch immer ausdenkt? Und glaubt mir, ich bin weit davon entfernt, ihn Gott zu nennen", bemühte sich Fred, wieder Ordnung ins Gedankengefüge seiner Freunde zu bringen.

"Na ja, mir kam das schon von Anfang an komisch vor", sagte der Hase und ignorierte Freds Einwand. "Just in dem Augenblick, als wir die Flaschenpost fanden und du etwas zur Entschlüsselung benötigtest, bekamst du aus dubiosen Kanälen eine Enigma angeboten. Ich meine, das Ding hast du seitdem nie wieder gebraucht. Das muss dich doch selber nachdenklich machen. Ich meine, so blind kann doch keiner sein. Am Ende sind wir vielleicht doch nur Schachfiguren auf einem Brett..." Hoffnungsleer wanderte sein Blick vom Fuchs an einen unbestimmten Punkt im Waldesinneren. Resignierend winkte der Hase schließlich ab: "Ich brauche jetzt einen Schnaps!"

"Das ist mir hier zu blöd", brauste Fred auf und wollte gerade zu einer brillanten Erwiderung ansetzen, die alle Kernelemente des Atheismus und Materialismus in sich vereinte, als...
"Ähm, hallo?!", machte das Schaf mit Nachdruck auf sich aufmerksam. "Ihr wisst aber schon noch, weshalb ihr zu mir gekommen seid? Lasst uns mal bitte wieder zur Sache kommen, es wird nämlich gleich dunkel und" "... und ich habe noch nicht zu Abend gegessen", fiel Brumm Schafi ins Wort. Und nun brachen die Freunde in helles Gelächter aus. Es war ein befreiendes, erlösendes Lachen und vertrieb die ungewohnte Distanz, die noch vor wenigen Augenblicken zwischen ihnen war.

Als erster fasste sich der Fuchs: "Schafi, du hast recht. Ich hätte das diplomatischer sagen müssen. Das tut mir sehr leid und ich möchte nicht, dass wir wegen dieser blöden Sache unsere Freundschaft aufs Spiel setzen. Ich entschuldige mich bei dir und ich hoffe, du nimmst die Entschuldigung an."

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7

Das Schaf blickte den Fuchs lange an und lächelte dann. "Na gut, Schwamm drüber. Und nun lasst uns Sauerampfer suchen. Das wird uns jetzt gut tun."
"Nein, das machen wir nicht", fuhr Kati dazwischen. "Wenn wir jetzt schon mal so weit sind, dass wir uns wieder vertragen und Freunde sind, dann lasst uns doch bitte auch nach einer Lösung suchen. Es muss doch eine Möglichkeit geben, Schafi wieder zu einem wohlriechenden Schaf zu machen."
"Oh", sagte Brumm, "das hast du jetzt aber wirklich sehr nett formuliert. Aber ich wiederhole es gern noch einmal: Ich habe noch nicht zu Abend gegessen."

"Brumm hat recht", sagte Fred. "Lasst uns nach Hause gehen. Für heute hatten wir genug Aufregung. Morgen früh treffen wir uns wieder hier bei Schafi und beratschlagen uns, ja?"
Die Freunde stimmten zu, verabschiedeten sich von Schafi und Herrn Esel und machten sich auf den Heimweg. An der Gabelung, an der sich Freds und Hansis Wege trennten, wünschte der Hase dem Fuchs eine gute Nacht, aber Fred konnte es sich nicht verkneifen, Hansi in die Seite zu knuffen.
"Au!", erschrak der Hase und sah Fred verwundert an. "Wofür war das denn?!"
"Für den Gott, der magische Möhren wachsen lässt!" Und kopfschüttelnd trottete der Fuchs nach Hause.

Am nächsten Morgen trafen sich die Freunde nach dem Frühstück wie vereinbart wieder an Schafis Stall. Fred entschuldigt sich noch einmal mit lieben Worten bei Schafi. Es sei ja alles nicht so gemeint gewesen. Sie seien ja Freunde und sie wollten ihm nur helfen.
"Und jetzt müssen wir aber Nägel mit Köpfen machen", sagte Fred, pragmatisch wie immer. "Lasst uns überlegen, wie wir Schafi auf schonende Art baden können, ohne sein Leben dabei zu gefährden."
"Damit fällt ja wohl das Bad im Fluss aus", antwortete Brumm, der noch immer Schafis legendäre Arschbombe im Polarmeer vor Augen hatte.
Also begannen die Tiere angestrengt zu überlegen, und mit einer Art Pawlowschem Reflex blies der Hase wieder die Backen auf. Sofort fuhr Fred ihn an: "Ich weiß ganz genau, dass du gar nicht nachdenkst. Du tust nur so..."

"Hört auf zu streiten, bitte!", unterbrach Kati den Fuchs. "Wir sind Freunde, schon vergessen? Uns eint ein Ziel: Wir wollen Schafi helfen. Und wenn es Hansi beim Nachdenken hilft, dann soll er eben seine Backen aufblasen."
"Schon recht", willigte Fred ein. "Von mir aus, bis er platzt."
Und dann diskutierten die Freunde ganz lange miteinander, was wohl die beste Möglichkeit sei, Schafi wieder zu einem, wie Kati es sagte, wohlriechenden Schaf zu machen. Im Kern ging es lediglich nur darum: Sollte man das Schaf an ein Seil binden und in den Fluss werfen, um es von seinem üblen Geruch zu befreien, oder vielleicht doch lieber in die Menschenwelt reisen? Denn Kati hatte ja dort einen Höhlenkobel und in eben diesem Höhlenkobel befand sich eine Badewanne.

Hm, schwierige Entscheidung. Brumm war strikt gegen diese Reise. Und auch der Fuchs lehnte Katis Vorschlag ab: "Was würde das bringen? Schafi ist in der Menschenwelt kein lebendiges Schaf mehr, so wie wir es hier bei uns im Wald kennen, sondern einfach nur noch ein Plüschschaf."
Fred hatte recht, das sahen die Tiere ein. Also doch die 'Seil um das Schaf und ab mit dem Schaf in den Fluss' Lösung? Dagegen hatte Schafi einen berechtigten Einwand: "Nie und nimmer lasse ich mich darauf ein! Ich bin doch nicht lebensmüde!"
Also musste eine andere Lösung her, die praktikabel war. Denn das Schaf roch als Schaf nicht gut und vermutlich dann auch später nicht als Plüschschaf. Woraufhin der Hase einwarf, ob nicht eventuell doch der Schöpfer hier seine Hand im Spiel haben könnte aus Gründen, die wir nie verstehen werden...

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8

Fred beschloss, Hansis Einwand zu ignorieren. Er verfolgte einen anderen Plan: "Sag mal, Kati", wandte er sich direkt an das kleine Eichhörnchen, "hast du in deinem Höhlenkobel bei den Menschen eine Waschmaschine?"
"Ja, ein sehr moderne sogar. Und einen Wäschetrockner!"
"Prima", sagte der Fuchs und lächelte. Und dann weihte er die Freunde ein: Sie würden durch das Portal reisen. Schafi, das nun zum Plüschtier transformierte, könnte in der Waschmaschine gewaschen und anschließend im Wäschetrockner getrocknet werden. "Da hast du es auch schön warm", schloss Fred, direkt an Schafi gewandt.

Schafi sah den Fuchs spöttisch an: "Waschmaschine? Klar! Und bestimmt 1.400 Umdrehungen pro Minute im Schleudergang, stimmts? Da kann ich mir ja gleich Pfefferminz in den Schlüpfer stecken!" Demonstrativ drehte sich das Schaf um und wandte sein Hinterteil dem Fuchs zu.
Kati hatte eine bessere Idee. Sie lief um das Schaf herum, hüpfte dann auf seinen Rücken, kletterte bis zu seinem Kopf und sagte: "Doch! Lass uns in die Menschenwelt reisen! Bitte! Meine Waschmaschine hat auch ein Wollprogramm. Das wird dir gut tun."
"Wollprogramm?! Dir ist wohl eine Haselnuss auf den Kopf gefallen?", schimpfte Schafi mit Kati, doch so schnell gab das Eichhörnchen nicht auf. Mit lockender Stimme sagte sie: "Ich könnte dich anschließend trocken föhnen."
Gerade wollte Schafi zum verbalen Rundumschlag ansetzen, da ging Herr Esel dazwischen: "Eigentlich gar keine schlechte Idee! Wir reisen in die Menschenwelt und setzen Schafi in Katis Badewanne."

"Geht nicht", warf der Fuchs ein. "Kati hat in der Menschenwelt nur eine Dusche. Außerdem ist Schafi dort - hatte ich es schon erwähnt - nur ein lebloses Plüschtier." Er dachte kurz nach, dann sprach er weiter: "Ich bin mir nicht sicher, ob es den gleichen Effekt hat, ein Plüschtier zu baden, um dann durch das Portal in den Wald zurückzukehren, wo aus dem Plüschtier wieder unser lebendiges Schafi wird."
Hm. Ratlos sahen sich die Freunde an. Und wieder dachten sie lange nach. Dann unterbrach Fred die Stille: "Eigentlich gar keine schlechte Idee, aber die Badewanne müsste in unserer Welt stehen."
"Kein Problem", sprang Brumm dem Fuchs bei, heilfroh, um die Reise durch das Portal zu kommen. "Da schleichen wir uns einfach in die Siedlung und waschen Schafi in der Badewanne des dicken Mannes."

"Das ist es!", rief Fred und wandte sich direkt an das Schaf: "Was meinst du dazu? Wollen wir das versuchen?"
Zögernd drehte sich Schafi wieder um und sah den Fuchs prüfend an: "Und wie soll das funktionieren?"
"Nacht muss es sein", flüsterte Hansi Hase in die Stille des Augenblicks. "Dann schleichen wir uns in die Siedlung und baden dich in einer Badewanne der Menschen. Was für ein genialer Plan. Könnte glatt von mir sein!"
"Nein, nicht nachts!", rief Kati dazwischen. "Da sind die Menschen zuhause und schlafen. Das kleinste Geräusch könnte sie wecken."
"Richtig", stimmte Fred zu. "Die Aktion muss am Tag stattfinden."
"Aber ist das nicht zu gefährlich?", wollte das kleine Eichhörnchen wissen.
"Nicht, wenn wir es gründlich planen", antwortete der Fuchs und schien schon tief in Gedanken versunken.
"Dann müssen wir das erstmal so richtig ausbaldowern, stimmts?", fragte Schafi und sah Herrn Esel an: "Machst du mit?" Aber da bremste sie Fred. Man könne nicht einfach in die Siedlung laufen und aufs Geradewohl Objekte observieren. Man müsse schon einen Plan haben, dann werden Aufgaben verteilt und jeder muss seinen Anteil leisten, damit die Aktion ein Erfolg wird.

"Das klingt gut", unterstützte Kati den Fuchs. "Überlegt ihr euch schon mal, wie wir in das Haus des dicken Mannes kommen. Ab da übernehme ich." Und an Schafi gewandt: "Der Rest ist dann ganz einfach. Du stellst dich in die Badewanne und wir brausen dich ab und seifen dich tüchtig ein und am Ende wirst du das wohlriechendste Schaf auf der ganzen Welt sein."
"Das klingt verlockend", sagte Schafi, gab aber zu bedenken, dass niemand von ihnen Daumen habe, was das Einseifen um einiges erschweren würde.
"Ach, mach dir da nur keine Sorgen", sagte Kati leicht hin. "Da finden wir schon eine Lösung. Die alte Frau damals haben wir doch auch sehr schön und reichlich mit Sonnenschutz eingecremt. Erinnerst du dich noch?"

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9

Nun begannen aufregende Tage: Gemeinsam entwickelten die Freunde einen Plan, der nach Freds Meinung wasserdicht war und bei dem eigentlich nichts schief gehen könne. Sie einigten sich darauf, sich bei Tagesanbruch in die Siedlung zu schleichen und sobald der dicke Mann sein Haus verließ, um zur Arbeit zu gehen, würden sie auf altbewährte Weise über die Terrassentür in das Haus eindringen und hätten einen ganzen Tag Zeit, um Schafi zu baden und zu föhnen.
Das Ausbaldowern - Fred zog jedes mal ein schmerzverzerrtes Gesicht, sobald Schafi oder Herr Esel dieses Wort aussprachen - übernahmen diesmal Isabel Igel und Kati.

"Unsere Vorbereitungen dürfen nicht auffallen. Deshalb schicken wir Isabel und Kati zur Observierung des Zielobjektes in die Siedlung. Kann es etwas unauffälligeres geben, als einen Igel, der an einem Gartenzaun nach Futter sucht? Du wirst bei den Menschen quasi unsichtbar sein, so sehr gehört ein Igel in eine Menschensiedlung", sagte Fred direkt an Isabel gewandt. "Mehr noch", fuhr er fort. "Die Menschen stellen sogar kleine Schälchen mit Milch in ihre Gärten, du wirst dort also sehr willkommen sein. Und Kati übernimmt vom Baum gegenüber des Hauses des dicken Mannes die Luftaufklärung."
"Juhu!", jubelte das kleine Eichhörnchen. "Ich wollte schon immer mal beim Ausbaldowern helfen!" Während Fred ein Gesicht machte, als hätte er Zahnschmerzen - "Benutz doch bitte nicht auch noch du dieses Unwort!", bat er Kati - schwoll Brumm vor lauter Stolz auf sein liebes Eichhörnchen die Brust. Luftaufklärung! Meine Kati!

Von nun an sahen sich Brumm und Kati nur noch selten, denn das Eichhörnchen verließ noch vor Tagesanbruch den Höhlenkobel, um sich gemeinsam mit Isabel auf den Weg in die Siedlung zu machen. Für das Eichhörnchen wäre die Distanz nicht der Rede wert. Viele elegante Sprünge quer durch den Wald, hoch oben in den Wipfeln und zack! wäre Kati in der Siedlung. Aber weil Isabel mit ihren kurzen Igelbeinchen nur sehr langsam voran kam, folgten die Freundinnen in der Morgendämmerung dem Weg, der sich durch den Wald schlängelte und schließlich in die Ringstraße, die um die Siedlung herum führte, einmündete.

Hier trennten sich ihre Wege. Isabel überquerte vorsichtig die Straße und lief im Schutz der Zäune bis zum Haus des dicken Mannes. Kati hatte derweil im Baum direkt gegenüber des Zielobjektes Position bezogen und beobachtete aus luftiger Höhe die morgendlichen Abläufe in der Siedlung. Bald schon kristallisierten sich gewisse Muster heraus: Zuerst öffnete die alte Frau im Haus neben dem des dicken Mannes ihre Vorhänge, dann ein Fenster, um kurze Zeit später kurz vor die Tür zu gehen und eine Zeitung aus dem Briefkasten holte. Danach befuhren vereinzelt Autos die Ringstraße, bis schließlich der dicke Mann aus seinem Haus trat, sich auf sein Fahrrad schwang und zur Arbeit fuhr.

Am späten Nachmittag nahm der Verkehr auf der Ringstraße zu. Nun kehrten die Menschen zurück in ihre Häuser, um den Rest des Tages Hecken zu schneiden oder den Rasen zu mähen oder um ein seltsames Eisending so lange unter Feuer zu setzen, bis es gebratene Würste ausspuckte. Wenn die Abende mild waren, saßen die Menschen noch lange auf ihren Terrassen, tranken Wein oder Bier und manchmal lachten sie ausgelassen. Andere wiederum hatten Fernsehgeräte ins Freie gestellt und sahen Kriminalfilme oder lustige Unterhaltungssendungen, die gar nicht lustig waren.

Nach einer gewissen Zeit des "Ausbaldowerns" glaubte Kati ein Muster zu erkennen, das ihr keine Ruhe ließ. Eines Abends, als sie sich ganz sicher war, erzählte sie dem Fuchs von ihrer Beobachtung: "Irgend etwas stimmt nicht mit den Menschen", begann sie ihre Schilderung.

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10

"An fünf aufeinander folgenden Tagen verlassen sie morgens zeitig ihre Häuser und kehren erst am Nachmittag zurück. Am sechsten Tag scheinen sie länger zu schlafen, aber dann sind sie nur den halben Tag außer Haus und bei ihrer Rückkehr laden sie prall gefüllte Tüten aus ihren Autos. Den Rest des Tages verbringen sie im Haus und putzen oder, wenn die Sonne scheint, werkeln sie in ihren Gärten. Am siebten Tag schlafen sie noch länger als am sechsten und verlassen ihre Häuser kaum. Ich kann mir darauf keinen Reim machen", schloss Kati ihren Bericht und sah den Fuchs nachdenklich an.

Fred nickte. "Interessant. Das sogenannte fünf-sieben-Muster. Mein Großvater Poirot hatte in einem seiner vielen Bücher darüber geschrieben. Es scheint ein ganz normales Verhalten der Menschen zu sein. Für uns heißt das, die Chancen stehen fünf zu sieben, dass wir einen Tag erwischen, an dem die Menschen zur Arbeit gehen."
"Und was machen wir, wenn wir am sechsten oder siebten Tag mit Schafi in die Siedlung gehen?", fragte sie nach einer kurzen Pause des Nachdenkens den Fuchs.
"Dann werden wir wohl oder übel wieder umkehren müssen und auf den nächsten Tag hoffen."
Der Fuchs hat wirklich für jedes Problem eine Lösung, dachte Kati voller Bewunderung und machte sich auf den Heimweg zu ihrem lieben Brumm. Der würde sicher schon mit knurrendem Magen auf ihre Rückkehr und auf sein Abendessen warten.

"Heute gibt es nur etwas Schnelles", beantwortete sie Brumms ungeduldige Fragerei, was es heute zu Essen gibt. "Ich mache dir ein paar Honigbrote und dann ruhe ich mich aus."
Es war in der Tat anstrengend, jeden Tag in die Siedlung zu gehen, aufmerksam die Geschehnisse dort zu verfolgen und sich alles genau einzuprägen. Und das als Eichhörnchen, das von Natur aus ein bisschen vergesslich ist! Und wenn man dann müde vom Tagwerk nach Hause kommt, wartet da ein hungriger Ehemann, der auch noch versorgt sein will!
Ach ja, dachte Kati und seufzte leise. Als berufstätiges Eichhörnchen hat man es auch nicht leicht. Oft schlief sie an solchen Tagen in ihrem Schaukelstuhl ein. Dann trug Brumm sie vorsichtig ins Bett und deckte sie fürsorglich zu. Zärtlich gab er seiner Kati ein Küsschen auf die Stirn. Er war dabei sehr vorsichtig, denn er wollte sie um keinen Preis wecken! Offensichtlich war das Ausbaldowern sehr anstrengend, dass sie jetzt jede Minute Schlaf brauchte.

So leise er nur konnte, legte sich Brumm zu seinem Eichhörnchen ins Bett. Dann dachte er noch ein wenig über den bald bevorstehenden, aufregenden Tag nach. Hoffentlich wird alles gut. Nicht, dass uns wieder die alte Frau in die Quere kommt, das hätte gerade noch gefehlt! Aber im Vertrauen darauf, dass Kati und Isabel ihre Beobachteraufgabe sehr sorgfältig erfüllen würden, schlief er schließlich ein. Bevor er jedoch endgültig ins Traumland hinüber glitt, dachte er mit Bedauern daran, dass seine liebe Kati bereits wieder unterwegs sein würde, wenn er morgen früh erwachte und er den Tag ohne sie verbringen musste. Instinktiv kuschelte er sich noch ein bisschen näher an das Eichhörnchen.

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11

Endlich war der große Tag gekommen. Fred war sicher, dass es einer der fünf Tage war, an denen die Menschen ihre Häuser verließen, um den Tag an ihrer Arbeitsstelle zu verbringen.
Vereinbarungsgemäß hatten sich die Freunde bei Fred getroffen und gingen den Plan noch einmal durch: "Sobald wir in der Siedlung eintreffen und von unserer Späherin Kati das vereinbarte Zeichen erhalten, verlassen wir die Deckung und begeben uns in das Haus des dicken Mannes. Ab da weiß jeder, was er zu tun hat", schloss der Fuchs und sah seine Freunde prüfend an. Herr Esel nickte. Brumm nickte. Hansi Hase nickte und wedelte zur Bekräftigung mit den Ohren. Nur Schafi wirkte seltsam abwesend.

"Was ist, Schafi?", fragte Fred seinen übelriechenden Freund.
"Es gibt da ein Problem", antwortete das Schaf zögernd. "Wo soll ich den Portalschlüssel aufbewahren, während ich ein Bad nehme?" Und ratlos sah er seine Freunde an.
"Das fällt dir aber auch wirklich zeitig ein", begann Hansi zu schimpfen.
Aber Brumm wusste Rat: "Wir vergraben ihn im Wald und ich merke mir dann die Stelle für später. Mache ich mit Katis Nüssen auch immer so. Funktioniert bestens, könnt ihr glauben."
Doch Schafi lehnte ab. "Das geht nicht. Ich muss den Schlüssel immer bei mir tragen. Ich bin der Wächter des Portals."
Nun war guter Rat teuer. "Mann! Mann! Mann!", schimpfte der Fuchs und atmete hörbar ein. "Jetzt, so kurz vor der Aktion, kommst du mit diesem Problem! Mann! Mann! Mann!"

Aber was sollte Schafi machen? Irgendeine Laune des Universums hatte ausgerechnet ihn zum Wächter des Portals bestimmt. Er hatte sich das nicht ausgesucht. Er stellte auch nie in Frage, warum er das Schlüsselchen immer bei sich tragen musste. Er tat es einfach und er tat es immer mit Sorgfalt und Aufmerksamkeit. Wenn er so zurückdachte, hatte er diesen Schlüssel schon immer bei sich getragen. Auch, als er noch ganz klein war und sich auf der Suche nach seiner Mama in diesem Wald verlaufen hatte. Schafi konnte sich nicht erinnern, wann und von wem er diesen besonderen Schlüssel erhalten hatte. Es war immer so und es würde immer so sein. Unabänderlich, da musste man sich fügen.

Schließlich hatte Fred eine Idee. "Und wenn wir den Schlüssel in meinem Tresor einschließen? Ist zwar schon ein altes Modell, aber absolut einbruchsicher. Deutsche Wertarbeit. Vorkriegsware. Franz Jäger, Berlin." Und an Schafi gewandt: "Was meinst du, ob das gehen wird?"
Abwägend bewegte das Schaf seinen Kopf hin und her und wirkte plötzlich seltsam entrückt. Es schien, als halte Schafi Zwiesprache. Es flüsterte kaum hörbar unverständliche Worte in einer fremden Sprache. Plötzlich hielt es inne und es schien, als kehrte es aus einer anderen Dimension zurück.
Schafi nickte. "Das geht klar!"

Erleichtert atmeten die Freunde auf. Nahezu feierlich händigte Schafi Fred den Portalschlüssel aus. Behutsam nahm ihn der Fuchs entgegen und drehte sich dann zum Tresor. Er spürte die Blicke seiner Freunde im Rücken. Neugierig sahen sie dem Fuchs zu, wie er die Rädchen des komplizierten Mechanismus' mal nach links, dann nach rechts drehte, um den Tresor zu öffnen. Schließlich brach Fred den Vorgang ab und drehte sich um: "So geht das nicht! Ich muss schon um ein bisschen Diskretion bitten! Sonst kann ich mir die Kombination gleich auf die Stirn tätowieren lassen! Am besten, ihr wartet draußen auf mich."

Zögernd und unter Protest - immer, wenn es am spannendsten ist! - verließen Herr Esel, Hansi, Brumm und das Schaf Freds Detektivbüro. (Er hörte es nicht gern, wenn man seine Heimstatt schlicht als Fuchsbau bezeichnete.)
Als sich die Haustür geschlossen hatte und Fred nun endlich allein vor seinem Safe stand, begann er von neuem, die Kombination zur Entriegelung der Tresortür einzustellen. Es war ein feierlicher, beinahe magischer Augenblick, dessen war sich Fred bewusst. Er hielt den Portalschlüssel in seiner Pfote - unscheinbar, fast konnte man ihn für den Schlüssel zum Schnapsschränkchen halten, und doch so unermesslich wertvoll! Der Fuchs schüttelte den Gedanken ab und öffnete den Tresor, als ihn ein lautes Geräusch in seinem Rücken erschreckte. Er drehte sich um und sah Brumm, der mit einer gewissen Dringlichkeit in der Stimme darum bat, Freds Toilette benutzen zu dürfen. "Die Aufregung..."

Kaum hatte Fred Brumm den Weg zu seiner Örtlichkeit gezeigt, als der Hase von draußen herein kam und Brumm zur Eile mahnte: "Mach hin! Ich muss auch noch mal!" Nervös hüpfte er von einem Bein auf das andere. "Oder warte, lass mich zuerst!"
"Auf gar keinen Fall", antwortete Brumm und zog die Toilettentür geräuschvoll hinter sich ins Schloss. "Hier geht es nämlich nach Gewicht" rief er von drinnen und kicherte.
"Aber...", setzte Hansi zu einer Entgegnung an, doch der Fuchs unterbrach ihn: "Du wirst dich jetzt gedulden, und...apropos, ich muss auch noch mal."

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12

Und dann waren die Freunde endlich auf dem Weg. Angeführt vom Fuchs schlichen sie sich durch den Wald. Sie vermieden jedes Geräusch. Brumm bildete die Nachhut und schließlich erreichten sie ohne Zwischenfälle die Siedlung der Menschen. In Sichtweite des Zielobjektes warteten sie auf das vereinbarte Zeichen. Sie hatten sich tief in den Straßengraben geduckt und warteten darauf, dass Kati in kurzen Abständen Tannenzapfen auf die Ringstraße warf. Das war das Zeichen und bedeutete, dass der dicke Mann wie geplant zur Arbeit gegangen war. Das Haus war leer und die Aktion Waschtag konnte beginnen. Doch das Zeichen kam nicht.

Langsam wurde Fred ungeduldig. Sollte heute tatsächlich jener sechste oder siebente Tag sein, an dem die Menschen nicht zur Arbeit gingen? Schließlich schickte der Fuchs den Hasen vor, um sich zu erkundigen.
Kati sah Hansi durch das Gras hoppeln und glitt behende den Baumstamm hinab. "Der dicke Man hat das Haus noch nicht verlassen", erklärte sie und hob bedauernd die Pfötchen.
"Oh menno!", stöhnte der Hase. "Was machen wir denn jetzt?"
"Weiß ich auch nicht. Lass uns zu Fred gehen", schlug das Eichhörnchen vor. Auf halbem Weg hörten sie, wie sich eine Haustür öffnete und heraus trat, nein, humpelte: der dicke Mann! Sein rechtes Bein in Gips, schleppte er sich auf Krücken in seinen Garten, murmelte etwas von dem Angenehmen und dem Nützlichen, mühte sich endlich in einen Liegestuhl und sagte bekräftigend zu sich selbst: "Wenn ich mir schon ein Bein gebrochen habe, will ich doch das schöne Wetter nutzen und ein wenig in der Sonne ausruhen."

In Windeseile sausten Kati und Hansi zu Fred und berichteten von ihrer Beobachtung.
"Was hat das zu bedeuten?", fragte Brumm.
"Wie es aussieht, hat sich der dicke Mann am Hinterlauf verletzt und kann nicht zur Arbeit gehen", erklärte Fred und machte ein unglückliches Gesicht.
"Und was bedeutet das nun für uns?", wollte das Schaf wissen.
Der Fuchs zögerte einen Moment, dann antwortete er: "Dass wir umdisponieren müssen."
"Und was bedeutet das?", fragte der Bär nach.
"Dass wir umdisponieren müssen! Hörst du denn nicht zu?!", brauste Fred auf.
"Ich hab dich schon verstanden", beschwichtigte Brumm den Fuchs. "Aber was ist das, dieses umspionieren?"
"Bestimmt so'was ähnliches wie ausbaldowern", plapperte Schafi altklug dazwischen und sah Fred um Zustimmung heischend, erwartungsvoll an.
Dem Fuchs entfuhr ein leises Wimmern, dann hatte er sich wieder unter Kontrolle. "Umdisponieren", erklärte er dem Bären, "bedeutet, dass wir uns einen anderen Plan ausdenken müssen."
"So ein Mist aber auch!", entfuhr es Herrn Esel.

In Sichtweite des Hauses des dicken Mannes lagen die Freunde, dicht ins Gras geduckt, die Senke des Straßengrabens ausnutzend und beratschlagten sich im Flüsterton. Hätte einer der Bewohner der Siedlung aus dem Fenster gesehen, so hätte er die seltsame Versammlung nicht bemerkt. Er hätte im besten Fall eine aus dem Straßengraben herausragende braune Wölbung wahrgenommen, die im Entfernten vielleicht an den Rücken eines Bären erinnerte. Aber wie soll denn bitteschön ein Bär in den Straßengraben der Ringstraße gelangt sein?!

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13

Genau das waren übrigens die Gedanken der Rentnerin Erna B., als sie die Vorhänge ihres Schlafzimmerfensters noch einmal richtete und dabei einen flüchtigen Blick aus dem Fenster warf. Sieht aus wie der Rücken eines Bären, dachte sie erheitert, gefolgt von dem Gedanken: Aber wie soll denn bitteschön ein Bär in den Straßengraben der Ringstraße kommen?
Sie war gut gelaunt, denn sie war im Begriff zu verreisen. Wie lange schon hatte sie davon geträumt, einmal mit einer Seniorengruppe in den Süden zu fahren? Seit dem Verlust ihres Gatten hatte sie nichts Vergleichbares mehr unternommen. Aber heute würde sie sich diesen Traum erfüllen!
Sie wandte sich vom Fenster ab, ging hinunter ins Parterre, griff nach ihrem Schlüssel, fasste ihren Koffer und erstarrte. Moment mal, ein Bär!? So ein Quatsch! - Aber doch! Es ist möglich, wenn...
Wenn sich jene Begebenheit im Sommer vor zwei Jahren nicht als Traum, sondern als tatsächlich erlebte Wirklichkeit zugetragen hätte.

Es war jener merkwürdige Sommer, in dem das Atmen von Tag zu Tag unerträglicher wurde, weil die Luft so sehr im Hals kratzte und jeder Atemzug seltsam mineralisch schmeckte. Jener Sommer, in dem über Nacht urplötzlich eine Baumaschine aus der Siedlung gestohlen wurde und am nächsten Tag wieder an ihrem Platz stand. Jener Sommer, in dem die Bewohner der Siedlung den Diebstahl ihrer Gartenschläuche beklagten und sie einen Tag später wieder sorgfältig aufgerollt am Rande der Ringstraße vorfanden. Nur leider hatte irgendein Scherzkeks die Schläuche perforiert!
In jenem Sommer erlitt Erna B. während eines Waldspaziergangs einen Schwächeanfall und fand sich um die Mittagszeit an der Einmündung des Waldwegs zur Ringstraße wieder - mit durchnässten Kleidern und einer dicken Schicht Sonnencreme im Gesicht.
Jeder, dem sie danach von ihrem Erlebnis berichtete, lächelte sie verständnisvoll an. Na klar, dachte manch netter Siedlungsbewohner mit einer Spur Mitleid, die alte Dame hatte wohl nun endgültig den Verstand verloren. Für andere wiederum hatte die Alte einfach nur 'ne Schraube locker. Vielleicht sollte man sie doch besser in ein Pflegeheim...

Auf den Kern heruntergebrochen, war der Inhalt dessen, was Erna B. von ihrem Waldspaziergang zu berichten wusste, folgender: Sie hatte einen tanzenden Bären im Wald gesehen. Sie hatte einen Fuchs sprechen hören. Und danach hatte sie ein Eichhörnchen am Hals gekitzelt, woraufhin sie schließlich das Bewusstsein verlor. Ach, und ein Einhorn hatte sie auch noch gesehen!
Klarer Fall, die alte Dame hatte sie nicht mehr alle, aber ansonsten war sie noch ganz rüstig.

Irgendwann begann Erna B. selbst zu glauben, dass sich diese Begebenheit unmöglich in Wirklichkeit zugetragen haben konnte. Aber irgend etwas war damals passiert, als sie im Begriff war, einen Waldspaziergang zu unternehmen. Offensichtlich war sie nicht so weit gekommen, denn als sie wieder zu sich kam, fand sie sich an der Einmündung des Waldwegs zur Ringstraße wieder. Allerdings konnte ihr niemand erklären, weshalb ihre Kleidung durchnässt war und weshalb sie eine so dicke Schicht Sonnencreme im Gesicht trug. Es hatte weder geregnet, was die nassen Sachen hätte erklären können, noch hatte sie sich selbst - noch dazu dermaßen üppig - eingecremt. Die ganze Sache blieb rätselhaft. Erna B. kehrte aus ihren Erinnerungen zurück, schüttelte den Kopf, wie, um etwas Unangenehmes abzustreifen, dann umfasste sie beherzt den Griff ihres Rollkoffers und verließ das Haus.

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14

"So ein Pech aber auch, dass wir uns etwas Neues ausdenken müssen", sagte das Schaf flüsternd zu Fred. "Dabei hatten Isabel und Kati hier schon alles so gut ausbaldowert!"
Plötzlich öffnete sich die Tür des Hauses gegenüber.
"Deckung!", mahnte der Fuchs erschrocken und schmiegte sich, so tief er nur konnte, in den Graben. Er legte die Ohren an und versuchte, das Geschehen auf der anderen Straßenseite durch das Gras zu beobachten.
Eine alte Frau trat aus dem Haus. Eine Sekunde später erstarrte Fred: Es war die alte Frau. Sie mühte sich, einen Koffer hinter sich her zerrend, auf die Straße und grüßte dann ihren Nachbarn, der mit einem Gipsbein gemütlich in einem Liegestuhl in seinem Garten lag.
"Wenigstens haben Sie mit dem Wetter Glück", rief die alte Dame erfreut.
"Ja", bestätigte der dicke Mann und blinzelte in die Sonne. "Gewissermaßen Glück im Unglück. Bein in Gips, aber dafür Sonne satt und ich muss nicht zur Arbeit gehen."
"Na, dann genießen Sie mal Ihre Krankschreibung", sagte Erna B. "Und haben Sie ruhig ein wachsames Auge auf mein Haus. Es steht ja nun für zwei Wochen leer. Ich bin schon ganz aufgeregt."
"Ach ja", erinnerte sich der dicke Mann. "Heute ist ja der große Tag. Na dann, Erna, haben Sie einen schönen Urlaub - viel Spaß!"

Die alte Dame bedankte sich und machte sich, den Koffer hinter sich herziehend, auf den Weg zum verabredeten Punkt, an dem sie der Reisebus aufnehmen sollte. Der lag ein Stück die Straße aufwärts an der Wendeschleife. Je mehr sich Erna B. entfernte, um so leiser wurde das Quietschen der Rollen ihres Koffer. Bald war das Geräusch nicht mehr zu vernehmen.
"Denkst du, was ich denke?", fragte Fred und sah den Bären an. Brumm nickte. "Ja, ein zweites Frühstück wäre jetzt gut."
"Nein, dass du immer nur ans Essen denken kannst", schimpfte der Fuchs. "Das ist es, was ich meinte mit Umdisponieren. Wir brauchen einen anderen Plan und nun haben wir einen anderen Plan: Offensichtlich verreist sie. Also wird das Haus eine Weile leer stehen. Wir könnten ihr Badezimmer nutzen!"

Oh! Schlagartig wird den Freunden klar, dass sie nicht unverrichteter Dinge in den Wald zurückkehren werden. Wie sagte Tante Bärnadette? "Wenn sich eine Tür schließt, öffnet sich irgendwo eine andere." Jetzt verstand Brumm, was sie damit meinte. Und auch Hansi Hase schaute ein wenig verblüfft drein, dass sich so schnell eine andere Möglichkeit ergeben hatte, Schafi wie geplant zu baden. Sein Glaube an den Gott, der magische Möhren wachsen lässt, wurde fester und fester. Mochte ihn der Fuchs auch noch so sehr in die Seite knuffen! Eine feste Burg ist unser Gott, jawohl!

"Nun denn, frisch ans Werk!", forderte Fred seine Freunde auf. "Wir machen es, wie besprochen. Nur eben im Haus der alten Frau." Zustimmend nickten die Tiere. "Aktion Waschtag startet...", er holte noch einmal tief Luft - "jetzt!"
Schnell wie der Wind überquerten sie die Straße, postierten Hansi und Isabel im Garten und vor der Haustür, um bei eventuell eintretenden, unvorhersehbaren Zwischenfällen gewarnt zu werden. Dann öffnete Fred - Brumm hätte im Nachhinein nicht sagen können, wie er das gemacht hatte - die Terrassentür der alten Frau und schlüpfte behende ins Haus. Herr Esel, Schafi und Kati folgten ihm. Zielsicher führte er die "Besucher" ins Badezimmer. Den Weg kannte er. Er war hier schon einmal, damals, als er Katis Hochzeitskleid - nun ja, sagen wir - organisiert hatte.

"Oh!", sagte Kati und bestaunte das Bad der alten Dame. Grün geflieste Wände - grün, ihre Lieblingsfarbe! Und eine Badewanne, in der gut und gern 100 Eichhörnchen Platz gehabt hätten. "Das wird locker für Schafi reichen", befand sie. Kati selbst wäre aber nie auf die Idee gekommen, ein Bad zu nehmen. Eichhörnchen mögen kein Wasser. Aber die vielen kleinen Dosen und Schachteln! Eine wohlriechender als die andere! Schnuppernd streckte das kleine Eichhörnchen ihre Nase in die Höhe und sog die verschiedenen Düfte ganz tief ein. Und auch Schafi war begeistert: "Man möchte darin baden, so gut wie das riecht!"
"Ja", stimmte der Fuchs zu. "Genau dafür ist es auch gedacht." Dann verstopfte er den Abfluss mit einem Tuch, dass an einem Haken an der Wand hing, drehte den Wasserhahn auf und sagte lächelnd zu Schafi gewandt: "Nun denn. Es ist angerichtet!"

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15

Schnell schüttete Kati eine lindgrün schillernde Flüssigkeit in das Badewasser, dann half Brumm dem Schaf in die Wanne.
"Oh, wie gut das riecht! Wie grüne Äpfel! Und wie es schäumt!" Vorsichtig setzte sich Schafi in Position. "Aber nicht den Kopf unter Wasser! Und keine Seife in die Augen!"
Kati lächelte: "Keine Sorge, Schafi. Ich werde ganz vorsichtig sein." Dann seifte sie das Schaf gründlich ein und wusch sein Fell sorgfältig aus. Zufrieden wandte sich Fred ab und ging hinüber in die Küche. Er hatte aus dieser Richtung seltsame Geräusche gehört.

Zuvor war Brumm gelangweilt in die Küche gegangen. Was sollte er Schafi beim Baden zusehen? Der Bär hatte Hunger und offensichtlich würde heute das 2. Frühstück ausfallen, brumm! Mit diesem Gedanken mochte er sich nicht anfreunden, also stöberte er schnüffelnd durch die Küche der alten Frau, fand aber leider nichts, was für einen Bären als Mahlzeit zwischen Frühstück und Mittag taugte. Enttäuscht öffnete er eine weißen Schrank, aus dessen geöffneter Tür nun angenehme Kälte entströmte. In seinem Inneren fand der Bär verschiedene Schachteln, die alle irgendwie nach Schnee rochen und nach Pappe schmeckten.

Enttäuscht wendete er sich ab, als Fred die Küche betrat.
"Was hast du denn hier angestellt", wunderte sich der Fuchs und betrachtete kopfschüttelnd das Chaos in der Küche. Brumm hatte die Packungen wahllos aus dem weißen Schrank genommen, angebissen und sie wild auf dem Fußboden verstreut in der Annahme, nichts Essbares gefunden zu haben. Doch Fred belehrte ihn eines besseren: "Interessant", murmelte er, als er sich einen der am Boden liegenden Pappkartons genauer ansah: "Pizza zum Aufbacken! Die Menschen sind schon sehr praktisch veranlagt!" Und weil Brumm aus Freds Worten nicht schlau wurde, erklärte es ihm der Fuchs. "Sieh mal, das ist eine Pizza..."
"Ich weiß", unterbrach ihn der Bär. "Sie schmeckt wie eine Mischung aus gefrorenem Schnee und aufgeweichtem Moos."
"Du musst sie erst in den Ofen legen und fertig backen", belehrte ihn der Fuchs.
Aha", antwortete der Bär und kratzte sich verständnislos am Hinterkopf.

Kurze Zeit später hatte Fred die Pizza aus der Verpackung befreit und in den Ofen geschoben. "Jetzt wartest du, bis der Käse nicht ganz so braun wie dein Fell aussieht. Dann öffnest du diese Tür und nimmst die Pizza mit einem Tuch aus dem Ofen. Sei aber vorsichtig! Du kannst nicht einfach hineinbeißen! Die Pizza wird sehr heiß sein, wenn du sie aus dem Ofen holst", wies er den Bären an. Brumm nickte und bewachte die Pizza mit Argusaugen. Immer wieder verglich er durch die Scheibe des Backofens die Farbe des Käses mit der seines Fells. Aus dem Ofen strömte ein betörender Duft, der den Bären beinahe um den Verstand brachte und nun auch Herrn Esel angelockt hatte.

"Was riecht hier so gut?", fragte er den Bären.
"Mein zweites Frühstück", antwortete Brumm, wurde aber sofort von Fred korrigiert: "Die Menschen nennen es Pizza."
"Aha", freute sich Brumm und präzisierte umgehend: "Mein zweites Frühstück und es heißt Pizza."
"Oh", staunte Herr Esel. "Wenn diese Pizza so gut schmeckt, wie sie riecht, möchte ich unbedingt das Rezept haben, damit wir es im Wald nachkochen können."
"Das Rezept müsste auf der Verpackung stehen", warf Fred ein. "Brumm, wo hast du sie hingelegt?"
Verlegen wich der Bär Freds Blick aus. Vor lauter Vorfreude auf das köstlich riechende Essen hatte Brumm die Verpackung aufgefuttert. Erheitert verließ der Fuchs die Küche und beschloss, im Bad nach dem rechten zu sehen.

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16

Schafi planschte ausgelassen im Wasser, während Kati ihm sanft die Kopfhaut massierte, als das Schaf plötzlich Wasser ins Ohr bekam und panisch und nahezu mit Lichtgeschwindigkeit den Kopf hin und her schüttelte. Kati musste sich in Schafis nasser Wolle festkrallen, um nicht durch das Badezimmer geschleudert zu werden. Plötzlich stieß sich das Schaf den Kopf an einer der Wandfliesen. "Au!", rief Kati mitfühlend.
Abrupt hörte Schafi auf, sich zu schütteln und sah sich verwundert um.

"Na, ihr zwei? Seid ihr bald fertig?" fragte der Fuchs. Das Schaf sah Fred fragend an: "Wer sind Sie? Und wie sind Sie überhaupt in mein Badezimmer gekommen?" Dann an Kati gewandt: "Was machen Sie da? Hören Sie sofort auf damit!"
Erschrocken ließ Kati los und hüpfte zu Fred in Sicherheit. "Aber Schafi...", sagte sie tonlos. Plötzlich begann das Schaf kläglich zu miauen. Es klang herzzerreißend und war bis in die Küche zu hören. Aufgeregt kamen Herr Esel und Brumm angerannt. "Schafi, was ist los mit dir?", fragte Herr Esel besorgt.
Da begann das Schaf zu jammern: "Hilfe, zu Hilfe! Ich arme kleine Katze wurde von wilden Tieren entführt und soll hier ertränkt werden. Hilfe! Hilfe!"
Der Fuchs war sprachlos. Du lieber Himmel, dachte er. Wir haben Schafi kaputt gemacht! Scheinbar vertragen Schafe keine Wannenvollbäder. Oje, das hätte man vorher recherchieren müssen...

"Was habt ihr mit meinem Kumpel gemacht?", fragte Herr Esel und sah Kati entsetzt an. "Ich will mein Schafi zurück!"
"Ich habe gar nichts gemacht", begann das kleine Eichhörnchen sich zu verteidigen. "Ich habe ihn wie besprochen nur gewaschen."
"Irgendwas ist schief gegangen", sagte Fred mehr zu sich selbst und suchte verzweifelt nach einer Lösung.
"Alles in Ordnung", rief da das Schaf fröhlich und brach in helles Gelächter aus. "Ich hab euch nur veralbert. Baden fetzt! Und hat auch gar nicht weh getan!" Und dann bespritzte es seine Freunde mit Wasser, dass sie erschrocken auseinander stoben.
"Mensch, Schafi!", rief Fred, der sich als erster gefasst hatte. "Du kannst uns doch nicht so einen Schrecken einjagen!"
"Ja, genau!", rief Brumm zustimmend. "ich hätte mir beinahe in die Hose gemacht!"
"Quatsch mit Soße", rief das Schaf und wollte gar nicht mehr aufhören zu lachen. "Du hast ja gar keine Hose an!" Der Bär sah an sich herunter, bemerkte, das er tatsächlich keine Hose trug - und strahlte plötzlich über das ganze Gesicht: "Puh, noch mal Glück gehabt!" Dann ging er zurück in die Küche und widmete sich dem Rest Pizza auf dem Blech.

"Und jetzt Schluss mit dem Quatsch", sagte Fred streng. "Schafi, raus aus dem Wasser, wir müssen dich noch abtrocknen und föhnen!"
Allerdings stellte es sich als große Schwierigkeit heraus, Schafi aus der Badewanne zu bekommen. Er schaffte es nicht aus eigener Kraft, Kati konnte ihm nicht helfen und auch der Fuchs war zu schwach für diese Aufgabe. Sie riefen Brumm hinüber ins Badezimmer, der Schafi dann vorsichtig aus der Wanne hob. Woraufhin sich das nächste Problem offenbarte: Das Schaf wollte unter keinen Umständen mit seinen nassen Hufen und den Badeschaumanhaftungen einen festen Stand auf dem gefliesten Badezimmerboden finden. Hätten die Freunde je eine Definition des Wortes "Slapstick" benötigt, in dieser Minute hätten sie sie bekommen. Es sah aus, als wollte das Schaf mehrere akrobatische Kunststücke gleichzeitig durchführen.

Brumm war sehr von den koordinatorischen Fähigkeiten seines nun wieder gut riechenden Freundes beeindruckt. Außerdem konnte das Schaf seine Beine nahezu gleichzeitig in mindestens vier Himmelsrichtungen recken und dabei in einer Geschwindigkeit agierten, mit der es schien, als schwebte es Millimeter über dem Boden. Gut möglich, dass das Schaf auf diese Weise eine neue Gattung des Gesellschaftstanzes erfunden hätte, hätten die Menschen dies nicht schon viele Jahrzehnte früher getan. Sie nennen es Breakdance.
Um es kurz zu machen: Die Freunde hatten große Mühe, das Schaf vor größerem Schaden zu bewahren, abgesehen davon, dass es sich regelmäßig die Füße an der Badewanne und den Kopf an der Wand stieß, bis es die Freunde schließlich irgendwann doch geschafft hatten, das Schaf auf einem großen Badetuch zum Stehen zu bringen.

Völlig außer Atem frottierten sie Schafi nach Kräften ab, bis das Eichhörnchen endlich zum Föhn der alten Dame greifen konnte, um dem Schaf die letzte Feuchtigkeit aus seinem Fell zu pusten. Brumm und Herr Esel beeilten sich, zurück in die Küche zu gehen, um nun auch noch die letzten Krümel der köstlichen Pizza zu verputzen.
Schafi genoss derweil sehr den angenehmen warmen Wind, den das Gerät erzeugte. Fröhlich drehte es sich hin und her, um den warmen Luftstrom am ganzen Körper zu fühlen, als...
Als plötzlich die Tür aufging und Erna B. den Flur betrat.

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17

Wütend hatte die alte Frau das Taxi verlassen, das sie zurück zu ihrem Haus gebracht hatte. So ein Ärger aber auch! Der Bus, der sie zu ihrem Urlaubsort bringen sollte, fiel kurz nachdem sie losgefahren waren, mit Motorschaden aus. Der Reiseveranstalter war nicht in der Lage, Ersatz zu beschaffen. Da half alles Murren und Schimpfen nicht - einige Senioren drohten gar mit Klage - aber die schöne Fahrt in den Süden war zu Ende, noch bevor sie richtig begonnen hatte. Die Reise musste also kurzerhand abgesagt werden. Höhere Gewalt eben! Immerhin hatte der Reiseveranstalter Taxis besorgt, mit denen die Gäste zurück nach Hause gefahren werden konnten.

Erna B. konnte sich nicht beruhigen. Seit mindestens zwei Stunden hatte sie viel zu hohen Bluthochdruck. Kein Wunder, nach all dem Ärger und der Enttäuschung! Das Herz pochte ihr bis zum Hals, wenn sie daran dachte, was sie alles verpasste! Sie hatte sich so auf diese Reise gefreut und dann scheiterte alles an einem defekten Bus! Kann das denn die Möglichkeit sein?! Wer weiß, ob sie überhaupt ihr Geld zurück bekam!

Sie stieg aus dem Taxi und ließ sich vom Fahrer ihren schweren Koffer bis an die Tür bringen. Sie führte den Schlüssel ins Schloss, öffnete die Haustür - und erstarrte. Aus dem Inneren ihres Zuhauses vernahm sie Geräusche. Nein, nicht einfach Geräusche. Das waren Tierstimmen - ja, zweifellos Tierstimmen, teilweise überdeckt durch das Geräusch eines Föns. Was zur Hölle ist hier los, dachte Erna B. und folgte den Geräuschen ins Badezimmer. Dort sah sie ein Eichhörnchen, das einem Schaf die Wolle föhnte. Na klar, sagte eine Stimme tief in ihrem Inneren, ein Eichhörnchen, das ein Schaf föhnt. Na sicher doch.

Daneben stand ein Fuchs - klar doch, ein Fuchs. Schon wieder ein Fuchs in meinem Badezimmer! In Ihrem Rücken vernahm die alte Frau nun ein näher kommendes Tapsen. Es klang, als versuche sich ein Bär auf dem Laminatboden des Flurs anzuschleichen. Patsch, patsch, patsch... Dazwischen das Getrappel von Hufen. Sie drehte sich um und sah aus ihrer Küche einen Esel und einen Bären kommen. Dies war der Augenblick, in dem das Gehirn der alten Frau nicht mehr mit den Wahrnehmungen ihrer Augen Schritt halten konnte. Es verweigerte jegliche Synchronisierung, als im selben Moment ein Hase - er musste über die Terrassentür ins Wohnzimmer gelangt sein - in den Flur einbog und gerade noch so vor ihr abbremste und damit um Haaresbreite einen Zusammenstoß mit der Rentnerin vermied.

Der Fuchs sah die alte Frau und hatte sofort die Erinnerungen an seinen Gardinendiebstahl vor Augen sowie die schlimme Begegnung mit ihr im Wald, als sie Regen gemacht hatten. Er erstarrte und blieb stehen. Einem Instinkt folgend taten der Hase, das Schaf, Herr Esel, Kati und Brumm dasselbe.
Während aus der Küche noch immer ein seltsamer Geruch von Pizza herüberwehte, stand da also eine skurrile Aneinanderreihung von Skulpturen aus Waldtieren in ihrem Badezimmer. Kein Scherz! Keine Halluzination. Einfach die knallharte Realität: Erna B. spürte die Blicke eines Fuchses, eines Eichhörnchens, eines geföhnten Schafes, eines Esels und die eines Bären - eines Bären?! - auf ihrer Haut. Sie spürte ein nicht zu beschreibendes Kribbeln, dass sich stetig verstärkte und von ihrem linken Unterarm nach oben stieg. Plötzlich ging die Sonne unter. Erna B. griff sich erschrocken an ihre Herzgegend. Dann fiel sie mit einem Seufzer um.
Brumm konnte sie gerade noch auffangen, damit sie nicht zu hart auf den Laminatboden fiel.

"Oh mein Gott, oh mein Gott, oh mein Gott! Jetzt haben wir sie wirklich umgebracht", jammerte Brumm und wollte schon fliehen. Zum Glück behielt Fred einen kühlen Kopf. "Wir müssen Hilfe holen!"
"Ja, gute Idee", sagte der Hase, "aber wie? Soll ich beim Nachbarn klingeln und sagen: Entschuldigung, da liegt eine alte Frau in Ihrem Nachbarhaus und die braucht jetzt einen Arzt?"
"Warte, ich habe eine andere Idee", sagte Fred. Er eilte, so schnell er konnte zur Haustür und öffnete diese. Dann öffnete er die Terrassentür und wies seine Freunde an, so viel Krach wie nur möglich zu machen.
Verwundert sah Herr Esel den Fuchs an: "Bist du verrückt geworden? Die Menschen werden uns hören!"
"Ja genau, das ist der Plan! Sie sollen uns ja hören! Jetzt macht einfach, was ich sage!" Also begannen die Tiere, Lärm zu machen: Das Eichhörnchen fauchte. Der Fuchs winselte. Der Bär brummelte in den tiefsten Tönen. Das Schaf blökte. Der Esel rief so laut er nur konnte: "I-a I-a". Und der Hase wedelte wie wild mit seinen Ohren.

Verwundert vernahm der dicke Mann, der noch immer in seinem Liegestuhl in der Sonne döste, die seltsamen Geräusche aus dem Haus seiner Nachbarin. Es klang, als ob sie eine Schallplatte der Bremer Stadtmusikanten hörte, allerdings mit aller höchster Lautstärke. Und die Geräusche ebbten nicht ab. Nach einer, wie es schien, endlos langen Zeit machte sich der dicke Mann endlich auf, mühte sich auf seinen Krücken zum Nachbargrundstück, um nachzusehen, was im Haus der alten Frau vor sich ging.
Kaum hatte er die Haustür erreicht, als der seltsame Lärm verstummte. Unsicher blieb er stehen. Dann rief er vorsichtig: "Erna? Erna, kannst du mich hören?"
Keine Antwort. Eine Mischung aus Neugier und Vorsicht ließ ihn zögernd weitergehen. Dann fand er seine Nachbarin bewusstlos in ihrem Flur liegen.
Während der dicke Mann zum Telefon griff und den Notruf wählte, stürmten die Tiere durch die Terrassentür und flohen in Richtung Waldrand, als sei der Teufel hinter ihnen her.

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18

Völlig außer Atem erreichten sie schließlich Freds Bau. Isabell kam später nach und berichtete, dass ein Auto mit weiß gekleideten Menschen die alte Frau mitgenommen habe. Es hatte blaue Lichter auf seinem Dach und fuhr in hohem Tempo und einer lauten Melodie davon. Erleichtert atmete Fred auf.
Während ihrer Flucht zurück in den Wald kreisten Brumms Worte wieder und wieder in seinem Kopf: "Jetzt haben wir sie wirklich umgebracht." Was, wenn es stimmte? Was, wenn sie die alte Dame tatsächlich auf dem Gewissen hatten? Mord war es gewiss nicht, das war dem Fuchs klar. Aber das machte es nicht besser. Und ja, die alte Frau war zur falschen Zeit am falschen Ort. Aber trotzdem: Es war ihr Zuhause und sie hatte jedes Recht, zu welcher Uhrzeit auch immer dort zu sein. Oder überraschend dahin zurückzukehren. Wohingegen sie kein Recht dazu hatten, das Zuhause der alten Frau zu einer Badeanstalt für nach Verwesung müffelnder Schafe umzufunktionieren. Insofern schuldig im Sinne der Anklage!

Sicher bekamen sie mildernde Umstände, weil sie den dicken Mann ins Haus gelockt hatten, damit er Hilfe holen konnte. Aber trotzdem, es sah nicht gut für Fred und seine Freunde aus. Dem Fuchs war klar, hätten sie keine Hilfe geholt, wäre die alte Frau irgendwann leblos in ihrem Haus aufgefunden worden. Sie hatten genug Spuren hinterlassen, um eindeutig identifiziert zu werden. Und dann ab mit euch in den Bau, ihr widerlichen Schurken! Der Richter würde kalt sein Urteil sprechen und das war es dann für lange Zeit mit dem schönen Leben im Wald und all den Abenteuern! Jetzt bereute es der Fuchs aufrichtig, jemals seine Pfoten in die Siedlung der Menschen gesetzt zu haben.

Andererseits hatten sie die alte Frau nicht einfach ihrem Schicksal überlassen. Wenn sie einen guten Anwalt fänden, könnte er vielleicht dafür sorgen, dass sie nicht ganz so hart bestraft würden. Fred war klar, dass die alte Dame, sobald sie sich in ärztlicher Obhut erholt hatte, Anzeige erstatten und später vor Gericht gegen sie aussagen würde. Am Ende würden sie alle ihr Zuhause verlieren und für unbestimmte Zeit im Gefängnis landen, soviel war sicher! Welch Ironie, wenn Fred sich am Ende noch die Zelle mit Matti Baummarder teilen müsste!

Ruhig, Fred, sagte der Fuchs zu sich. Jetzt gilt es kühl zu überlegen. Welche Option blieb ihnen nun noch? Flucht? Aber wohin? Durch das Portal in die Menschenwelt und dann leben wir unauffällig unter den Menschen und werden nie wieder straffällig! Aber wie dieses Leben aussehen sollte, wollte sich der Fuchs lieber nicht ausmalen.
Noch vor knapp zwei Stunden waren sie nach wilder Hatz an seinem Bau angelangt und beschlossen, sich die nächsten Tage nicht zu treffen. Kein Mensch, der einen Waldspaziergang unternahm, sollte sie zusammen sehen und eventuelle Rückschlüsse ziehen können. So trennten sich die Freunde und konnten sich gar nicht recht darüber freuen, dass Schafi nicht länger müffelte.
Die Aktion war kein Erfolg, so ehrlich mussten sie sein. Der Preis, den sie zu zahlen hatten, war einfach zu hoch. Fred wusste das und er fürchtete sich vor den Konsequenzen. Eigentlich müsste er sofort seine Freunde warnen, aber plötzlich durchfuhr ihn eine schlimme Müdigkeit, dass er sich kaum noch auf den Beinen halten konnte. Er verabschiedete sich von Isabel und beschloss, sich ins Bett zu legen und auszuschlafen. Soviel Zeit würden sie in jedem Fall noch haben.

Als er die Tür zu seinem Bau aufschließen wollte, erschrak Fred. Das Fenster zu seinem Arbeitszimmer stand offen. Hatte ich es nicht zugemacht? Nach all der Aufregung der letzten Stunden war er sich nicht mehr sicher. Wer sollte schon bei mir einbrechen? Andererseits verließ Fred seinen Bau nie, ohne vorher die Fenster zu schließen.
Der Fuchs atmete tief ein, dann öffnete er die Haustür und unternahm einen Kontrollgang durch seine Behausung und konnte sich davon überzeugen, dass sie unversehrt war. Erleichtert atmete Fred auf. Jetzt aber schnell ins Bett! Der Schlaf würde ihm gut tun und seine Nerven beruhigen.
Da klopfte es an der Tür. Schafi war zurückgekommen: "Fred, Du hast mir meinen Portalschlüssel noch nicht wiedergegeben!"

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19

Kein Wunder, dass keiner von ihnen mehr an die Schlüsselrückgabe gedacht hatte nach der wilden Flucht aus der Siedlung zurück in den Wald!
Fred nahm Schafi mit in sein Arbeitszimmer, bat seinen Besucher dann, sich umzudrehen, damit der Fuchs unbeobachtet die Kombination eingeben und den Tresor öffnen konnte. Und, et voila - aber halt! Verblüfft betrachtete Fred das Innere seines Tresors: Alles lag an seinem Platz, nur der Portalschlüssel fehlte. "Das kann doch gar nicht sein...", murmelte der Fuchs, dann übermannte ihn der Schock und die Aufregung der vergangenen Stunden. Halt suchend tastete er sich zu seinem Schreibtisch und ließ sich in seinen Sessel fallen.

"Stimmt was nicht?", fragte Schafi interessiert.
"Der Schlüssel ist nicht mehr da", antwortete Fred tonlos.
"...?" Schafis verblüffter Blick war eine einzige Frage.
"Ich kann es mir nicht erklären", sagte der Fuchs leise. "Ich kann es noch nicht erklären." Nach einer kurzen Pause des Nachdenkens fügte Fred hinzu: "Ich bin so schrecklich müde. Lass mich bitte ein bisschen schlafen, dann sehen wir weiter." Und schon fielen ihm die Augen zu und er begann gleichmäßig zu atmen.
So stand das Schaf in Freds Büro, sah unschlüssig mal zum schlafenden Fuchs - klingt wie eine Yoga-Figur, dachte Schafi erheitert - und dann wieder zum noch immer geöffneten Tresor. Weil er von seiner Mama so gut erzogen war, begann er nicht, das Innere des Tresors auszubaldowern. Stattdessen wartete Schafi geduldig, bis der Fuchs wieder aufwachen würde.

Irgendwann reckte sich Fred, öffnete die Augen und gähnte herzhaft. "So ein Powernap ist schon eine feine Sache", sagte er dann und fragte: "Wo waren wir stehen geblieben? Ach ja, der Schlüssel ist weg." Schafi nickte und Freds Miene verfinsterte sich. Irgend jemand musste bei ihm eingebrochen sein, das war die naheliegendste Erklärung. Aber wer? Und warum hatte er nur den Portalschlüssel gestohlen und ließ die anderen wertvollen Dinge darin einfach zurück? - Weil für den Dieb nur der Portalschlüssel von Wert war, beantwortete Fred seine Frage in Gedanken selbst.
"Nun gut", sagte er, stand auf und verschloss den Tresor wieder. Dann an Schafi gewandt: "Lass uns den Moment der Übergabe noch einmal rekonstruieren."
"Bitte, was?"
"Wir gehen jetzt gemeinsam noch einmal den Ablauf durch, als du mir den Portalschlüssel zur Verwahrung übergeben hattest. Das nennt sich Rekonstruktion."
"Ach so. Ja." Jetzt hatte das Schaf verstanden. "Ich bin zu dir gekommen und habe dir den Schlüssel übergeben. Und dann sind wir in die Siedlung gegangen, um mich zu baden."
"Nein, wir müssen jedes Detail ganz genau betrachten", forderte der Fuchs und begann von vorn: "Also: Du bist zu mir gekommen, übergabst mir den Schlüssel. Ich nehme ihn entgegen und schließe ihn im Tresor ein... Nein, ich habe euch aus dem Arbeitszimmer hinauskomplimentiert, damit ich die Kombination zum Öffnen des Tresors unbeobachtet eingeben kann. Ihr seid hinaus gegangen und dann habe ich den Portalschlüssel wie vereinbart eingeschlossen." Ratlos sah Fred das Schaf an. "Irgend jemand muss noch hier gewesen sein und während meiner Abwesenheit den Tresor geöffnet und den Schlüssel entwendet haben. Wer kann das gewesen sein?"
"Jemand, der wusste, dass du den Schlüssel für mich in deinem Safe aufbewahrst", kombinierte das Schaf sehr zu Freds Freude.
"Richtig!", lobte er seinen wollenen Kumpel. "Und es musste jemand sein, der nicht mit uns in der Siedlung war."

Sofort begann der Fuchs ein Liste aller Waldbewohner anzufertigen, die nicht an der Aktion Waschtag beteiligt waren. Es wurde eine lange Liste. Dann strich er alle Tiere, die nicht wissen konnten, dass Fred den Schlüssel vorübergehend in seinem Tresor verwahrte.
Als er den letzten Namen von der Liste strich, klopfte es an der Tür. Brumm und Hansi waren gekommen, um sich zu erkundigen, ob Fred schon Neuigkeiten über den Gesundheitszustand der alten Frau hatte.
"Leider nicht", antwortete Fred betrübt. Seine Sorge vor der womöglich schon bald bevorstehenden Verurteilung und Inhaftierung behielt er zunächst für sich. Da begann Brumm plötzlich, von einem Hinterbein auf das andere zu hüpfen.
"Das ist so aufregend, ich muss schon wieder deine Toilette benutzen!"
Und plötzlich hatte der Fuchs ein Deja vu.

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20

"Aber natürlich", rief Fred und schlug sich mit der Pfote vor die Stirn. An seine Freunde gewandt, fuhr er fort: "Schafi überreichte mir am Morgen den Portalschlüssel zur Verwahrung. Ich nahm ihn entgegen mit der Absicht, ihn sofort in meinem Safe einzuschließen. Aber Brumm und Hansi unterbrachen mich, weil sie meine Toilette benutzen wollten." Er hielt kurz inne und fuhr dann mehr an sich gewandt fort: "Ich bin mir gar nicht mehr sicher, ob ich den Portalschlüssel wirklich eingeschlossen habe. Vielleicht hatte ich ihn nur kurz auf meinem Schreibtisch ablegen wollen, um Brumm den Weg zur Toilette zu zeigen und habe dann womöglich vergessen, den Schlüssel einzuschließen." Der Fuchs schloss die Augen und konzentrierte sich. "Vielleicht habe ich es tatsächlich vergessen? Was, wenn ich den Schlüssel auf dem Schreibtisch liegen gelassen habe? Von dort konnte ihn jeder gestohlen haben."

Fragend sahen sich Brumm und Hansi an. Das Schaf klärte sie auf: "Der Portalschlüssel ist weg!"
Sofort machte sich der Fuchs an die Arbeit. Er sicherte die Spuren am Tresor, nur um ganz sicher zu gehen, dass er nicht aufgebrochen wurde. Schafi, Brumm und Hansi Hase sahen Fred interessiert zu.
Nach kurzer Zeit war sich der Fuchs sicher, dass der Tresor unversehrt war. Er hatte keinerlei Einbruchsspuren finden können.
"Nun gut, dann noch einmal von vorn", begann Fred von neuem: "Wir machten uns auf den Weg in die Siedlung, wurden irgendwann von der alten Frau überrascht und flohen hastig zurück in den Wald. Ich wollte mich gerade ein wenig ausruhen, als Schafi zu mir kam und den Schlüssel wieder haben wollte." Fred schloss die Augen, um sich besser erinnern zu können. "Richtig! Ich erinnere mich, dass das Fenster zu meinem Arbeitszimmer geöffnet war. Es konnte also gut möglich sein, dass ich den Schlüssel in Gedanken auf den Schreibtisch gelegt hatte und dieser von jemandem durch das geöffnete Fenster gestohlen wurde."

Jetzt wurde dem Fuchs klar, wie fahrlässig er gehandelt hatte. Wenn es wirklich so war, traf ihn mindestens 50 Prozent der Schuld am Verlust des Portalschlüssels! Und was noch schwerer wog: Sollten sie tatsächlich vor der Bestrafung der Menschen für den Tod der alten Frau fliehen müssen, blieb ihnen der Weg durchs Portal nun verwehrt. Aber das konnte er seinen Freunden jetzt unmöglich beichten.
Ich muss den Schlüssel wieder beschaffen, schwor sich der Fuchs auf die wichtigste Aufgabe ein, die er je zu meistern hatte.
"Wir müssen den Schlüssel wieder beschaffen", sagte Schafi und sah seine Freunde bittend an: "Helft ihr mir dabei? Ohne Schlüssel kann ich nicht länger der Wächter des Portals sein." Es klang so unsagbar traurig, dass Brumm, Fred und Hansi das Schaf abwechselnd umarmten und ihm gut zuredeten.

"Du kannst dich auf uns verlassen!", sagte Hansi mit fester Stimme.
Fred nickte und versprach: "Ich werde alles daran setzen, dir den Portalschlüssel wiederzubringen."
"Und ich kümmere mich mal um unsere Verpflegung, während Fred diesen kniffligen Fall löst, ja?", bot der Bär an.
Aber der Fuchs wehrte ab. "Ich werde den Fall nicht allein lösen können. Lasst uns gemeinsam beraten. Am besten, wir holen Kati und Herrn Esel mit dazu. Und vergesst Isabel nicht!"

Kaum eine Stunde später saß die verschworene Gemeinschaft in Freds Arbeitszimmer: Isabel Igel, noch ganz außer Atem, wollte nicht glauben, dass der Portalschlüssel tatsächlich gestohlen wurde. "Wer macht denn sowas?", murmelte sie immer wieder leise vor sich hin.
Kati schaute aufmerksam von einem zum anderen und versuchte, das Problem zu verstehen: Es gab keine Einbruchsspuren an Freds Tresor, aber möglicherweise ein offenes Fenster, durch das der Schlüssel gestohlen worden sei? Wo sollte man da mit den Ermittlungen beginnen?
Herr Esel hörte still zu und versuchte sich ein eigens Bild von der Situation zu machen.
Hansi saß in einem der bequemen Besuchersessel und blies die Backen auf, so angestrengt dachte er nach.

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21

Wer kam für den Diebstahl in Frage, dachte der Hase und sah Fred durch das geöffnete Fenster zu, wie dieser den Bereich vor seinem Arbeitszimmer auf Spuren des Räubers untersuchte. "Hier ungefähr musste er gestanden haben", erklärte der Fuchs und beugte sich tief hinab, um mit einer Lupe das Erdreich abzusuchen. "Hier musste er gestanden haben und im Wortsinne lange Finger gemacht haben." Aber so sehr er sich auch bemühte, er fand nichts. Keine Spuren direkt vor seinem Fenster, keine Hinweise, keine Verdachtsmomente. Vielleicht hatte er eine Angel genommen, kam Fred plötzlich in den Sinn. Wer von den Waldbewohnern benutzte eine Angel? Sein Blick fiel auf Brumm, der gelangweilt seine Vorderpfoten betrachtete. Brumm! Oha! Das ging in eine Richtung, die plausibel zu sein schien. Andererseits erstaunte es den Fuchs schon, dass der Bär so planmäßig vorgegangen sein soll. Das passte eigentlich nicht zu ihm, außer es ging um Essen.

Oder um das Vermeiden eines Ärgernisses. Reisen waren für Brumm immer ein Ärgernis. Sie machten ihn manchmal sogar krank. Könnte man also den Portalschlüsseldiebstal im weitesten Sinne als Vermeidungsstrategie betrachten? Das wäre ein Entlastungsmoment für den Bären, um ihn nicht allzu hart zu bestrafen, aber der Verdacht schien sich zu erhärten.

Aber müssten dann nicht Bärenspuren hier irgendwo in der Umgebung seines Baus zu finden sein? Fred begann, den näheren Umkreis seiner Heimstatt zu überprüfen und tatsächlich fanden sich überall Brumms Tatzenabdrücke. Aber das musste noch nichts bedeuten, sagte eine Stimme in Freds Innerem. Der Bär war in letzter Zeit oft bei mir. Also gut, lassen wir das zunächst ruhen, dachte der Fuchs. Welche Belastungsmomente könnte der Täter hier hinterlassen haben und die es zu finden galt?

Plötzlich kam dem Fuchs ein ganz anderer Gedanke. Was, wenn die alte Frau ihnen gefolgt war? Sie sind während ihrer Flucht direkt zurück zum Fuchsbau gelaufen. Was, wenn die alte Frau ihnen die ganze Zeit auf den Fersen geblieben war? Wie auch immer sie zum Fuchsbau gelangt war, sie musste durch das offene Fenster den Portalschlüssel auf dem Schreibtisch bemerkt haben. Dann winkte der Fuchs ab, wie um seine eigenen Gedanken zu verscheuchen. Wie sollte sie ihnen gefolgt sein? Sie lag doch halbtot in ihrem Flur? Und überhaupt: Was sollte die alte Frau mit einem Portalschlüssel anfangen? Sie wusste ja nicht mal um seine Bedeutung! Und wohin sollte sie wohl durchs Portal reisen?

Dann erinnerte sich der Fuchs an Hansi Hases Rede vor Schafis Stall, als sie gekommen waren, um sich zu entschuldigen. Der Hase war der Meinung, sie unterlägen einer höheren Macht und seien nicht in der Lage, eigene Entscheidungen zu treffen. Der Gott, der magische Möhren wachsen lässt...
Was, wenn diese höhere Macht Menschen durch das Portal in frühere Zeiten reisen ließ? Brumm hatte ja auch mal angedeutet, wie sehr er sich ein Portal wünschte, durch das er in seine Kindheit reisen könnte, um wieder jene fröhlichen und unbeschwerten Tage mit seiner lieben Tante Bärnadette zu verbringen. Was also, wenn die alte Frau tatsächlich den Portalschlüssel als solchen erkannt hatte und in Erwartung, zurück in ihre Jugend reisen zu können, den Schlüssel an sich genommen hatte? Ein vermutlich nur allzu menschlicher Wunsch angesichts dessen, dass sie sich ihrer Sterblichkeit bewusst waren, dachte der Fuchs und war erstaunt über diesen Gedanken. Wie komme ich auf so etwas?

Er rief sich zur Ordnung und kam gedanklich zurück zum Thema: Woher sollte die alte Frau wissen, wo sich das Portal befindet? Vielleicht hatte es ihr der Gott, der magische Möhren wachsen lässt, im Traum erzählt? Aber wie sollte sie ihnen so halbtot durch den Wald gefolgt sein? Isabel hatte mit eigenen Augen gesehen, dass die alte Frau mit einem Krankenauto abgeholt worden war. Ein Flüstern in seinem Kopf gab sofort die Antwort: "Der Gott, der magische Möhren wachsen lässt!"
"Wer hat das gesagt?!" Erschrocken drehte der Fuchs sich um. Hansi Hase stand hinter ihm. "Mensch Hansi, hast du mich erschreckt! Ich hab dich gar nicht vor das Haus kommen hören."
"Na ja", sagte Hansi, "wir finden es alle ein bisschen merkwürdig, wie du hier vor dem Fenster hin und her läufst und mit dir selber sprichst. Da dachte ich, ich komme mal raus und schaue nach dem rechten."
"Ich glaube, ich bin völlig überarbeitet - habe ich jemals zuvor Selbstgespräche geführt? Ich brauche eine Pause." Der Fuchs bat seine Freunde, ihn allein zu lassen. Er müsse dringend schlafen.
So verabredeten sie sich für den nächsten Tag, um die Ermittlungen gemeinsam zu fortzuführen.
"Und haltet euch um Himmelswillen von der Siedlung fern!", schärfte Fred seinen Freunden eindringlich ein.

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22

So ein schöner Sommer, dachte Kati, als sie mit Brumm am nächsten Tag wie verabredet zu Fred ging. Keine drückende Hitze, keine zermürbende Trockenheit, einfach nur ein Sommer voll Sonnenschein und angenehmen Temperaturen. Trotzdem ließ Brumm es sich nicht nehmen, noch schnell ein erfrischendes Bad im Fluss zu nehmen. Soll er ruhig, dachte Kati lächelnd. Ich werde sowieso nie verstehen, was er an der Planscherei findet. Wie ein kleiner Bär tobte er im Wasser, prustete laut und schüttelte sich, dass die Wassertropfen aus seinem Fell bis ans Ufer spritzten und sich Kati zwei Eichhörnchensprünge zurück zog. Sie mochte kein Wasser, außer, wenn sie es trinken konnte.

Schließlich erreichten sie mit etwas Verspätung Freds Fuchsbau. Mit einem rügenden Blick auf die Uhr begrüßte sie der Fuchs. Hansi, Isabel, Herr Esel und Schafi winkten fröhlich zur Begrüßung, dann begann der Fuchs zu sprechen: "Ich habe mir die halbe Nacht den Kopf zerbrochen. Wie wollen wir vorgehen? Wir wissen nur, dass der Schlüssel nicht mehr da ist. Wir wissen nicht einmal, ob er wirklich gestohlen wurde..."
"Ganz richtig", wurde der Fuchs auch schon von Hansi unterbrochen. "Es kann ja auch sein, dass du den Portalschlüssel einfach nur verbummelt hast!"

Staunende Stille im Büro des Detektivs! Hatte der Hase tatsächlich unterstellt, Fred könnte den Portalschlüssel...
Selbstverständlich verwahrte sich der Fuchs gegen diese haltlose Anschuldigung und sah sich nun erst recht in der Pflicht, diesen, wie sich noch zeigen wird, sehr kniffligen Fall zu lösen.
Wenn es keine Zeugen des abscheulichen Verbrechens gibt, muss man rein wissenschaftlich vorgehen. Und genau das tat der Fuchs.

Er würdigte den Hasen keines Blickes und setzte seine Darlegungen fort: "Wenn wir ein schnödes Verbummeln vernachlässigen wollen - und ich glaube - das können wir sehr wohl, und wir weiterhin von der inzwischen von der Fachwelt allseits anerkannten These meines lieben Großvaters Poirot ausgehen, wonach jeder Täter ein Motiv hat, müssen wir jetzt fragen: Wer hat ein Motiv, den Portalschlüssel zu stehlen? Wem nützt das Verbrechen?"
"Gute Frage", pflichtete Herr Esel dem Fuchs bei. "So gesehen könnte man die Frage auch anders formulieren: Wem würde es nutzen, wenn er in Besitz des Portalschlüssels käme?"
Sofort übernahm Fred und frage lauernd: "Hansi Hase vielleicht?" Und direkt an Hansi gewandt: "Du wolltest doch schon immer mal durch das Portal in die Menschenwelt reisen, aber jedes mal wurde dir der Zutritt verwehrt..."
"Aber ich habe sogar der Verlockung der Magischen Möhre widerstanden und habe sie nicht benutzt, um durch das Portal zu reisen!", verteidigte sich der Hase. "Ich hätte es tun können, wenn ich nur gewollt hätte. Hab ich aber nicht! So!" Und bekräftigend verschränkte er die Pfötchen vor der Brust und schaute demonstrativ aus dem Fenster.

"Vielleicht waren es Pieps und Pups, die Mäusezwillinge?", fragte Brumm zögernd in die Stille. "Immerhin hatten sie damals den dreisten Schwarzwälder Nuss-Tortendiebstahl begangen. Erinnert ihr euch noch?"
"Aber sollten sie tatsächlich ohne jeden Anlass den Portalschlüssel gestohlen haben?" Hm, Fred mochte das nicht glauben. "Wenn man es recht betrachtet, käme sogar Kati als Täterin in Frage." Oho! Brumm mochte seinen Ohren nicht glauben und Kati rutschte plötzlich ganz aufgeregt auf ihrem Stuhl herum. Ihr prächtiger Schwanz wirbelte wie ein Ventilator herum.
"Kati verreist doch so gern", setzte der Fuchs zu einer Begründung seines Verdachts an. "Wäre sie im Besitz des Schlüssels, müsste sie nicht mehr auf einen Anlass warten, um mit Schafis Einverständnis durch das Portal zu reisen. Versteht ihr, was ich meine?"
"So gesehen, könnte jeder von uns der Dieb gewesen sein", sagte Schafi und Fred nickte zustimmend. "Ganz recht! Aber wer hat das stärkste Motiv?"



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23

"Ich weiß es, ich weiß es!", rief aufgeregt Hansi Hase dazwischen. "Du kannst den Fall schon mal als gelöst betrachten", sagte er lächelnd zum Fuchs und lehnte sich überlegen zurück. Fragend sah ihn der Fuchs an und noch bevor einer der Freunde etwas sagen konnte, plapperte der Hase los: "Es ist immer derjenige, von dem man es am wenigsten glaubt!"
Stille am Tisch. "Was meinst du damit?", wollte Herr Esel wissen.
"Na, das ist doch ganz klar", rief Hansi triumphierend: "Schafi hat den Schlüssel gestohlen!"
Irritiert sah Fred zur Decke, als ob von da oben Hilfe zu erwarten wäre. In das allgemeine Tohuwabohu, das am Tisch nach Hansi Verdächtigung herrschte, rief der Fuchs: "Das ergibt doch überhaupt keinen Sinn!"

"Ja, ja, sag ich doch, es ist immer der, dem man es am wenigsten zutraut", bekräftigte Hansi noch einmal seinen Verdacht.
"Aber genau deshalb ist es doch so ein Quatsch, Schafi zu verdächtigen", versuchte Fred sachlich zu bleiben. "Warum soll Schafi den Schlüssel stehlen, wenn er doch der Wächter des Portals ist und ohnehin der rechtmäßige Besitzer des Schlüssels?" Darauf wusste der Hase leider keine Antwort. Dann fauchte er den Fuchs an: "Dann bleibt eigentlich nur eine Erklärung: Du hast den Schlüssel doch verbummelt und willst jetzt nur mit deiner großen Ermittlungsaktion von deinem Versagen ablenken! Gib es ruhig zu, Fred Fuchs. Du bist durchschaut!"

Nun fuhr Herr Esel dazwischen. "Ich denke nicht, dass wir uns so zerfleischen und uns gegenseitig beschuldigen sollten. Wie sagte Kati, als wir uns bei Schafi entschuldigt hatten? Wir sind doch Freunde, uns eint ein Ziel, und jetzt geht es darum, den Schlüssel wieder zu finden. Wenn wir dabei auch den Täter überführen, wäre das eine nette Zugabe. Zu allererst müssen wir aber dafür sorgen, dass Schafi seinen Portalschlüssel wieder bekommt."
"Richtig", stimmte Fred zu und fuhr fort: "Dann lasst uns den Fall weiter analysieren. Wer käme als Dieb noch in Frage? Der Fuchs sah in die Runde und versank in tiefes Grübeln.

Plötzlich hatte Kati eine Idee. Zögernd unterbrach sie die Stille im Raum: "Haltet ihr es für möglich... dass eventuell, also nur vielleicht... die Elster..."
Überrascht sah der Fuchs auf. "Ja, daran habe ich auch schon gedacht. Andererseits, nach der großen Aussprache im letzten Jahr glaube ich nicht, dass sie dazu imstande wäre. Sie hatte hoch und heilig versprochen, sich in die Waldgemeinschaft zu integrieren und in Freundschaft mit uns zu leben. Ein Diebstahl, noch dazu der des Portalschlüssels, wäre da kontraproduktiv."
"Das sind aber alles nur Worte", beteiligte sich nun Isabel Igel an der Diskussion. "Keiner weiß, wie es in ihr aussieht."
"Trotzdem bin ich strikt dagegen, sie in den engsten Kreis der Verdächtigen aufzunehmen", sagte Fred. "Jeder hat eine zweite Chance verdient, auch Erika."
"Aber wenn du so argumentierst, musst du auch Pieps und Pups von der Liste streichen", rief nun Hansi Hase dazwischen.
"Stimmt auch wieder", pflichtete Kati dem Hasen bei. Aber Hansi war noch nicht fertig: "Warum machen wir überhaupt eine Liste, wenn du jeden Zweiten gleich wieder durchstreichst?"
"Weil das wissenschaftlich ist", antwortete der Fuchs mit einem leicht gereizten Unterton in der Stimme.
"Na dann, wer will noch mal? Wer hat noch nicht?", krähte der Hase und lachte lauthals über beide Ohren. "Wen hatten wir denn überhaupt noch nicht in der Verlosung?" Und plötzlich fielen alle Blicke auf Brumm.

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24

Zwar saß der Bär in der Gemeinschaft, aber er beteiligte sich nur halbherzig an der Diskussion. Was interessierte ihn der blöde Portalschlüssel? Soll er doch ruhig weg sein! Ist doch in Ordnung so. Musste Brumm wenigstens nicht mehr verreisen! Der Bär hoffte, dass diese kleine Versammlung recht schnell zu Ende sein möge. Das Wetter war prächtig und er wollte unbedingt noch zum Fluss, um sich einen leckeren Lachs für das Abendessen zu angeln.
"Also Freunde, macht hinne!" Jetzt erst gewahr er, dass er von allen angesehen wurde. Nein, angestarrt wurde.
"Was ist?", fragte der Bär.

"Ähm, Brumm", begann Fred sehr vorsichtig: "Sag mal, ist dir eigentlich je in den Sinn gekommen, dass auch du zum Kreis der Verdächtigen gehörst?"
"Wieso ich?"
"Nun, du verreist nicht gern. Du möchtest am liebsten deine Ruhe. Was liegt da näher, als sich in einem unbeobachteten Moment des Schlüssels zu bemächtigen, um damit ein für alle Mal zu verhindern, dass noch irgendwer mit dir durch das Portal reisen möchte?", sagte Fred und irgendwie schien das allen am Tisch einzuleuchten. Katis Schwanz bewegte sich nun noch schneller.
" Pa!", antwortete der Bär. "Das ist doch lächerlich! Was soll ich denn mit diesem blöden Portalschlüssel? Ich will doch gar nicht verreisen! Ich will nur meine Ruhe haben, das stimmt. Ich würde den Portalschlüssel gar nicht stehlen. Vielleicht würde ich ihn in den Fluss werfen, an seiner tiefsten Stelle, damit ihn nie wieder jemand finden kann und ich auch nie wieder verreisen muss. So!"

Überrascht sah der Fuchs auf. Na sowas, dachte er, war das vielleicht schon so etwas wie ein Geständnis? Dann musste er schmunzeln und sagte leichthin. "Ach, unser lieber Brumm macht mal wieder aus seinem Herzen keine Mördergrube."
Brumm sah den Fuchs verwundert an. "Was soll denn das jetzt schon wieder heißen? Bin ich jetzt auch noch des Mordes schuldig oder was?"
Besänftigend kuschelte sich das Eichhörnchen an den Bären. "Ach mein lieber kleiner Brumm, merkst du denn gar nicht, dass du dich gerade um Kopf und Kragen geredet hast?"
Der Bär schüttelte immer wieder seinen zotteligen Kopf und sagte leise: "Nein, nein, nein! Das war ich nicht."
"Schon gut", besänftigte Fred den Bären. Dann an alle gewandt: "Lasst uns weiter die Liste abarbeiten", dabei unterstrich er Brumms Namen doppelt. Der Bär tat, als habe er es nicht gesehen.

"Wer kommt als Täter noch in Frage?", nahm Fred den Faden wieder auf. "Herr Esel?", fragte er und schien in ein Selbstgespräch vertieft. "Ziemlich abwegig." Und so verwarf er den Gedanken gleich wieder.
"Moment!", rief Brumm. "Has du schon vergessen, wie er sich damals heimlich ins Portal schlich, um mit uns zu reisen und uns alle in Gefahr gebracht hatte?"
"Stimmt!", pflichtete Kati ihrem Brumm bei und begann einen bekannten Schlager zu summen. Es gibt nur ein' Rudi Völler. Wo hatte sie das Lied nur gehört?
"Ich habe mich nur in das Portal geschummelt, weil ich noch eine Rechnung mit den Paketfahrern zu begleichen hatte", setzte Herr Esel zu einer Erklärung an.
"Außerdem konnte ich nicht wissen, dass ich euch mit meinem unüberlegten Handeln Schaden zufügen konnte. Es tut mir sehr leid und das wisst ihr auch. Ich würde aber nie meinen besten Kumpel Schafi beklauen!"

"In Ordnung", sagte Fred und sah Herrn Esel fest in die Augen. "Weil wir gerade dabei sind: Was ist mit Leni?"
"Was soll mit ihr sein", fragte der Esel zurück.
"Könnte sie eventuell den Diebstahl begangen haben?", fragte der Fuchs.
"Warum sollte sie?"
"Vielleicht, um im Besitz von etwas sehr Exklusivem zu sein. Etwas, was einem Einhorn ebenbürtig wäre. So etwas wie ein Portalschlüssel", erklärte Fred.
"Quatsch! Warum sollte sie das tun?", fragte Herr Esel noch einmal, doch er erhielt keine Antwort.
Jetzt meldete sich Isabel zu Wort: "Matti Marder? Man müsste nachprüfen, ob er schon wieder aus dem Gefängnis heraus ist. Ich habe da so ein ungutes Gefühl!"
"Richtig", sagte Fred. Ich übernehme das." Und plötzlich fröstelte Kati ganz sehr.

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25

"Das haben wir gleich", sagte der Fuchs, stand auf und ging zum Telefon, um eine Nummer zu wählen, die er offensichtlich auswendig konnte. Nach einem kurzen Wortwechsel legte er wieder auf und informierte die Freunde darüber, dass Matti noch immer im Gefängnis sei. "Man hat es mir gerade telefonisch bestätigt." Das kleine Eichhörnchen atmete hörbar auf.
"Ach, weil ich gerade dabei bin..." Nun schlug Fred ein Telefonbuch auf, suchte unter M eine Nummer heraus und wählte erneut.
"Hallo Frau Maus", sagte er schließlich, als die Verbindung hergestellt war. "Hier Fred Fuchs. Sagen Sie, könnten Sie bitte Pieps und Pups ans Telefon rufen? - Ach so. - Aha... Gut, dann hat sich die Sache wohl erledigt. Vielen Dank und Grüße an den Herrn Gemahl." Der Fuchs legte auf und kehrte an den Tisch zurück: "Die Mäusezwillinge können es nicht gewesen sein. Frau Maus hat mir gerade erzählt, dass die beiden schon seit einer Woche zu Besuch bei ihrer Oma seien, um dort die Sommerferien zu verbringen." Und dann strich er die beiden von seiner Liste. Er überlegte einen Moment und sagte zu seinen Freunden gewandt: "Aktuell steht unser lieber Brumm ganz oben auf der Liste. Oder wenn ihr so wollt, quasi im Mittelpunkt des Kreises der Verdächtigen."

Brumm wollte gerade auffahren, um erneut seine Unschuld zu beteuern, da sprach der Fuchs schon weiter: "Aus der Sicht eines erfahrenen Detektivs passt alles zusammen: Motiv, Mittel und Gelegenheit. Brumms Motiv steht außer Frage: Er möchte künftige Reisen vermeiden. Das Mittel ergibt sich von selbst, denn er musste nicht mal den Tresor aufbrechen. Er ist stark genug, um ihn samt Inhalt wegzutragen."
"Aber der Tresor steht doch noch hier und ist obendrein unversehrt", gab Kati zu bedenken.
"Richtig", antwortete Fred. "Und das führt uns zur Gelegenheit." Nun senkte er die Stimme und sprach leise weiter, denn dieser Teil des Falls war ihm sichtlich unangenehm: "Wenn wir davon ausgehen, dass ich den Portalschlüssel gar nicht in den Tresor gelegt habe, weil ich abgelenkt wurde, dann hatte Brumm ganz sicher eine Gelegenheit, den Schlüssel von meinem Schreibtisch zu entwenden."
"So, wie jeder andere auch", verteidigte Kati ihren Brumm.

"Siehste!", unterstützte nun auch Hansi das Eichhörnchen: "Ich wusste es, dass du den Schlüssel verbummelt hast!" Und sein Pfötchen zeigte geradewegs auf den Fuchs, der sich plötzlich im Mittelpunkt der Verdächtigten sah: "Du willst mit deinen Ermittlungen bloß von deiner Schusseligkeit ablenken und verdächtigst Brumm! Und wenn der Bär den Portalschlüssel nicht gestohlen hat, dann hat er ihn wenigstens gefressen, nicht wahr, lieber Fred?"
"Aber jetzt hört sich doch alles auf", begann der Fuchs zu schimpfen. "Ich verbitte mir solche haltlosen Anschuldigungen! Und überhaupt...", jetzt wandte sich Fred direkt an den Bären: "Was hast du zu deiner Verteidigung zu sagen?"

"Brumm muss sich nicht verteidigen, das ist doch keine Gerichtsverhandlung hier", sprang Herr Esel dem Bären zur Seite.
"Na gut", lenkte der Fuchs ein. "Wie lautet deine Version der Geschichte, lieber Brumm?"
Nun waren alle Augen auf den Bären gerichtet. Das machte Brumm nervös. Sehr.
Wie sich mich anstarren! Das macht mich richtig kribbelig! Ich müsste jetzt erstmal einen Happen essen. Bin schon ganz schwach und vor lauter Magenknurren kann ich gar nicht richtig überlegen. Und überhaupt: Was weiß denn ich, dachte der Bär. Schließlich war ich nicht dabei, als der olle Schlüssel gestohlen wurde. Dann kam ihm plötzlich eine Idee. Vielleicht hatte Hansi ja recht mit einer Theorie, wonach der Täter immer derjenige war, von dem man es am wenigsten geglaubt hätte!

Und so begann der Bär zu sprechen. Sorgfältig wählte er seine Worte: "Theoretisch könnte es auch die Olsenbande gewesen sein. Jawohl! Vielleicht sind sie durch das Portal aus der Menschenwelt zu uns gereist und haben uns bestohlen." Den Freunden stand der Mund offen.
"Er schaut im Fernsehen gerade wieder ganz viel Olsenbande und Bildungsfernsehen", klärte Kati auf.
"Logikfehler", wandte Fred ein.
"Na klar doch, Logikfehler!", bestätigte der Hase und machte ein wissendes Gesicht.
"Wie bitte?!" Fragend sah Brumm den Hasen an. Doch Hansi sah geflissentlich in die Luft und murmelte, "da musst du schon selbst drauf kommen."

Fred klärte den verständnislos dreinblickenden Brumm auf: "Die reisen also ohne Portalschlüssel zu uns, um den Portalschlüssel zu klauen, hm? Kannst du mir mal sagen, wie das funktionieren soll? Merkste selber, oder?"
Und schon sah sich der Bär erneut im Zentrum des Kreises der Verdächtigen. Aber Hansi Hase erinnerte noch einmal an seine These: "Ich bleibe dabei, der Fuchs wird den Schlüssel verbummelt haben, ich sag's euch. Mit seinen Ermittlungen und Verdächtigungen will er nur von seinem Fehler ablenken. Gute Nacht!" Sprachs, und hoppelte nach Hause.
Ratlos gingen die Freunde auseinander, aber so manch einer von ihnen fand in dieser Nacht keine Ruhe.

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26

So eine Frechheit, schimpfte Fred und warf sich ruhelos in seinem Bett von einer Seite auf die andere. Verdächtigte der Hase ihn, ausgerechnet ihn! Nun musste Fred handeln. Er musste ermitteln und den Täter überführen, damit dieser dumme Verdacht, ausgerechnet er, Fred der Fuchs, hätte den Portalschlüssel verbummelt, ein für alle mal aus der Welt geschafft wäre.

Für ihn stand fest, dass nur Brumm der Dieb des Portalschlüssels gewesen sein konnte. Nicht, weil der Bär böse war oder gar ein Krimineller. Nein, Brumm war ein lieber Kamerad, der es vorzog, am Fluss zu angeln oder in der Sonne zu dösen oder, wann immer es möglich war, seinen Bauch zu füllen. Warum sollte er durch ein Portal reisen, wenn er doch in seiner Welt bereits alles hatte, was ihn glücklich machte? Diese Aufregungen bekamen dem Bären nicht. Das wusste Fred. Alle im Wald wussten das. Was also lag näher, als dass der Bär sich, auf welche Weise auch immer, des Schlüssels bemächtigte und ihn ein für allemal verschwinden ließ?
Brumm hatte ja selbst gesagt, er würde den Schlüssel an der tiefsten Stelle des Flusses versenken. Andererseits - und hier kamen Fred Zweifel: Würde der Bär tatsächlich so planvoll vorgehen? Manchmal machte es den Eindruck, dass Brumm nicht weiter denken konnte als vom vollen Teller bis zum Nachtisch.

Rastlos warf sich der Fuchs in seinem Bett hin und her. Das Gedankenkarussell kreiste und kreiste und Fred fand keinen Schlaf. Dann entschied er sich, das Bett zu verlassen und sich ein wenig die Beine zu vertreten. Er fand ja doch keinen Schlaf. Dann kam dem Fuchs eine Idee. Schnell packte er seinen kleinen Rucksack, verstaute darin sein Nachtsichtgerät und schlich sich lautlos durch den Wald. Er wusste, dass das, was er vorhatte, nicht ganz rechtens war. Andererseits galt es, in eigener Sache zu ermitteln. Schließlich wurde Fred von Hansi verdächtigt, mit seinen Ermittlungen von seiner eigenen Schusseligkeit abzulenken. Also hatte der Fuchs wohl kaum eine Wahl. Der Zweck heiligt die Mittel.

Endlich war er an seinem Ziel angekommen. Im spärlichen Mondlicht erahnte Fred die Umrisse des Höhlenkobels. Er kannte sich hier bestens aus. Unzählige Male war er zu Gast und hatte bei Brumm und Kati schöne Stunden mit seinen Freunden verbracht. Jetzt packte ihn doch das schlechte Gewissen angesichts dessen, was er vorhatte. Aber es nutzte nichts. Es ging darum, Beweise zu finden, dass nicht er, Fred, den Schlüssel verbummelt hatte, sondern dass Brumm aus nachvollziehbaren Gründen sich des Schlüssels bemächtigt hatte.

Der Bär würde den Schlüssel nicht in den Fluss geworfen haben, dessen war sich Fred sicher. Wenn, dann würde ihn Brumm dort aufbewahren, wo er nicht befürchten musste, dass ein anderer ihn durch Zufall entdecken konnte. Im Fluss hätte das zu jederzeit passieren können. Vielleicht hätte Benni Biber ihn eines Tages zufällig zum Vorschein gebracht. Wer weiß.

Mit pochendem Herzen öffnete Fred die Tür zum Höhlenkabel. Sie quietschte ein wenig und das Geräusch drang laut durch die Nacht. Überlaut, dachte Fred. Hoffentlich wird Kati nicht wach. Sie hatte einen leichten Schlaf. Das wusste er aus Brumms Erzählungen. Der Bär hingegen schnarchte, dass man es bis an die Tür hören konnte.
Fred verhielt einen Moment und lauschte in die Nacht. Nein, im Höhlenkobel regte sich nichts. Vorsichtig schlüpfte er durch die Tür, setzte sein Nachtsichtgerät auf die Nase und begann, den großen Raum, der als Küche diente, zu mustern. Wo könnte Brumm den Schlüssel versteckt haben?

Im Herd? Nein, da hätte ihn Kati längst gefunden. Im Vorratsschränkchen? Mit Sicherheit auch nicht. Das wäre Kati aufgefallen bei der Vielzahl von Mahlzeiten, die sie dem Bären zubereitete. Es wäre nur eine Frage der Zeit gewesen. - Unter seinem Kopfkissen? Hm, schwer möglich. Wenn Kati morgens die Betten machte, würde sie ihn schnell gefunden haben.

Dann fiel Freds Blick auf jenes kleine Kästchen, in welchem der Bär seine kleinen Hefte und Stifte aufbewahrte, um jene kleinen Geschichten zu schreiben, mit denen Brumm an manchen gemütlichen Winterabenden im Höhlenkobel seine Freunde unterhielt.
Jetzt stockte dem Fuchs der Atem. Das ist schon wieder so auffällig, dass es beinahe genial ist, dachte er mit einer Spur Bewunderung für den Bären. Darauf muss man erst mal kommen! Pochenden Herzens öffnete Fred die Schatulle.

Zwei kleine Heftchen lagen darin, einige Stifte, aber leider nicht der Portalschlüssel. Ratlos sah sich der Fuchs um. Dann fiel sein Blick noch einmal auf den Inhalt der Schatulle und dort - ich wusste es doch - fand er ein Blatt Papier, auf dem ein Schlüssel gezeichnet war. Nein, kein einfacher Schlüssel und auch nicht irgendein Schlüssel. Das war exakt der Portalschlüssel.
Wieso zeichnet der Bär ein Bild vom Portalschlüssel, dachte Fred und nahm das Papier an sich. Insgeheim nannte er es "Beweisstück A" und machte sich, so schnell er konnte, auf den Heimweg.

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27

Am nächsten Morgen fanden sich die Freunde wie vereinbart wieder in Freds Arbeitszimmer ein. Herr Esel, Schafi und Isabel saßen schon an dem großen Konferenztisch, als Kati und Brumm eintraten. Völlig außer Atem traf schließlich auch Hansi Hase ein: "'Schuldigung, hab mich etwas verspätet", begrüßte er die Anwesenden und bemerkte überrascht zu Brumm: "Du bist auch wieder mit da?"
"Warum denn nicht?", antwortete das kleine Eichhörnchen mit einer Gegenfrage. "Brumm hat nichts zu befürchten."
"Da bin ich mir nicht mehr so sicher", kam Fred ohne Umschweife sofort zur Sache: "Ich präsentiere: Beweisstück A!" Und für alle sichtbar hielt er über seinem Kopf das von Brumm gezeichnete Bild des Portalschlüssels.
"Was ist das?", fragte Herr Esel.
"Siehste doch, der Portalschlüssel", klärte Schafi auf.
Fred nickte. "Ganz recht. Und ratet mal, wo ich dieses Bild gefunden habe." Ohne eine Antwort abzuwarten, fuhr er fort: "In jener Schatulle, in der Brumm seine Schreibutensilien aufbewahrt!"

Ein erstauntes Raunen ging durch den Raum.
"Wo hast du das her?", fragte Isabel den Fuchs mit einem lauernden Unterton.
"Nicht das Woher ist entscheidend, sondern das Warum", parierte Fred. "Also: Warum malt der Bär ein Bild des Diebesguts?"
Was auch immer der Bär mit diesem Bild bezweckte, es schien seine Schuld zu untermauern. Herr Esel sagte: "Brumm wird doch nicht etwa den Diebstahl vorbereitet haben und die Zeichnung diente ihm als Erinnerungshilfe, damit er nicht vergisst, was er zu stehlen vorhatte... Aber eigentlich ist das Quatsch." Und so schob der Esel den Gedanken gleich wieder beiseite.

Hansi hingegen sah verkniffen vom Fuchs zum Bären und vom Bären zurück zum Fuchs. Was ist das nur für eine Wendung? Und sagte leise fragend: "Sollte Brumm seine Beute gezeichnet haben, bevor er den Schlüssel auf Nimmer Wiedersehen verschwinden ließ? Aber warum?"
Fred konnte diese Handlungsweise gut erklären: "Das findet man oft in der Literatur, dass Täter sich ein Stück der Beute aneignen wollen und sei es auch als ein Symbol der eigentlichen Beute. Denn wenn ein Täter die Beute nicht behalten darf, weil das als Beweis seiner Tat dienen könnte, muss er sich von der Beute trennen. Brumm könnte in weiser Voraussicht den Portalschlüssel irgendwo entsorgt haben und sich stattdessen ein Abbild des Schlüssels gefertigt haben."

"Bisschen viel Konjunktiv", warf Isabel Igel ein, gefolgt von Brumms lautem Protest: "Das ist alles ganz schöner Quatsch, was du hier erzählst, Fred!" Und empört stampfte der Bär mit der Hintertatze auf. "Ich kann euch ganz genau sagen, was es mit dem Bild auf sich hat. Das ist nämlich ein Geschenk für meine Kati zum Hochzeitstag", und nun sah er sein kleines Eichhörnchen an. "Weil ich dich doch so lieb habe, wollte ich dir das Bild zum Hochzeitstag schenken, weil es den Schlüssel zu meinem Herzen darstellt und ich wüsste niemanden, bei dem dieser Schlüssel besser aufgehoben wäre als bei dir. Weil du der Schlüssel zu meinem Glück bist." Dann wandte sich Brumm wieder an Fred: "Und jetzt kannst du machen, was du willst. Mir ist das hier zu dumm. Ich gehe nach Hause." Schnell hüpfte Kati hinterher. "Warte Brumm, ich komme mit." Auch Isabel Igel verließ den Fuchsbau. "Ich finde das nicht in Ordnung, dass du Brumm so verdächtigst", tadelte sie Fred statt eines Abschiedsgrußes.

"Mal ganz abgesehen davon, dass es nicht ganz legal ist, wenn du nachts bei Brumm einbrichst und ein Bild stiehlst, auch wenn du glaubst, es sei ein Beweisstück. Es rechtfertigt nicht dein Handeln", sagte Herr Esel missbilligend und verließ ebenfalls den Fuchsbau.
Oje, dachte Fred. Bin ich zu weit gegangen? Habe ich unsere Freundschaft zerstört? Plötzlich klopfte sein Herz rasend schnell. Der Druck wurde immer größer. Er musste, koste es was es wolle, den Täter finden!
Unschlüssig sah er zu Hansi und zu Schafi, die noch am Tisch in seinem Arbeitszimmer saßen. "Tja", sagte Fred schließlich, "sieht ganz so aus, als müsste ich noch mal von vorne anfangen. Irgendetwas habe ich übersehen."
Der Hase sah den Fuchs an und lächelte verschmitzt. "Wir wissen, dass du nichts übersehen hast, mein lieber Fred. Sag doch einfach, dass du den Schlüssel verbummelt hast. Es ist keine Schande. Du bist immer noch der berühmte Detektiv Fred Fuchs, den alle bewundern, weil er so klug und umsichtig ist. Aber auch du darfst mal einen Fehler machen. Das ist normal. Jeder macht Fehler", redete Hansi beruhigend auf Fred ein: "Guck, ich trinke gerne mal ein Glas Heidelbeerlikör zu viel und dann mache ich manchmal seltsame Sachen. Du hast den Portalschlüssel verbummelt, das kann doch mal passieren."

"Habe ich nicht!", begehrte Fred auf. Aber Hansi ging gar nicht darauf ein. Stattdessen schlug er vor: "Lass uns lieber anfangen, den Schlüssel zu suchen! Schafi ist ohne ihn nicht der Wächter des Portals. Dabei ist das doch seine Bestimmung und vielleicht ist das auch der wahre Grund, weshalb ihn der Gott, der magische Möhren wachsen lässt, damals zu uns in den Wald geschickt hat. Erinnerst du dich?" Er wartete keine Antwort des Fuchses ab sondern verabschiedete sich und ging ebenfalls nach Hause.

Schafi sah Fred unschlüssig an. "Na ja, irgendwie hat Hansi recht. Wäre schon schön, wenn wir den Schlüssel wieder besorgen könnten. Irgendwie fühle ich mich ganz nackt so ganz ohne Portalschlüssel. Lass uns auf der großen Wiese eine Versammlung durchführen. Wir müssen den Schlüssel finden und wenn alle suchen helfen, werden wir ihn bestimmt ganz schnell wieder herbei schaffen können. Dafür hat man ja schließlich Freunde, nicht wahr?"
Dann verließ auch das Schaf den Fuchsbau und überließ Fred seinen Gedanken.

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28

Nach Schafis Abgang wurde Fred von starken Zweifeln geplagt. Hatte er tatsächlich einen Fehler gemacht? Hatte er den Bären etwa vorschnell und möglicherweise ganz ohne handfeste Beweise als Hauptverdächtigen eingestuft? Vielleicht stimmte ja Brumms Erklärung, weshalb er das Bild gemalt hatte und alles war ganz harmlos? Beim Schwanze meines Großvaters, dachte Fred, was zum Geier habe ich übersehen? Vielleicht hatte Schafi recht und wir sollten tatsächlich eine Versammlung auf der großen Wiese einberufen und alle Waldbewohner informieren? Wenn alle beim Suchen mithelfen, sollte der Portalschlüssel schnell gefunden sein. Wenn...
Wenn der Schlüssel tatsächlich nur verbummelt wurde, wie Hansi es ausdrückte. Was aber, wenn der Dieb den Schlüssel so gut versteckt hatte, dass er unauffindbar blieb? Oder ihn freiwillig nicht heraus gab und sich stattdessen zur Tarnung an der Suche beteiligte?
Lange dachte Fred nach, wog das Für und das Wider gegeneinander ab und beschloss dann, sich mit Prof. Rabe abzustimmen. Danach könnte er die Tieres des Waldes zur Versammlung auf der großen Wiese einladen.

Unterdessen hatten Kati und Brumm den Höhlenkobel erreicht. Der Bär hatte kein Wort gesprochen, so wütend war er auf Fred! Mich einfach so zu verdächtigen und dann noch nachts heimlich meine Sachen zu durchwühlen und mein Hochzeitstagsgeschenk für Kati als Beweisstück zu präsentieren!
Der Bär war tief gekränkt. Wie konnte der Fuchs nur? Da Brumm seine Unschuld nicht beweisen konnte, beschloss er, das Problem auszusitzen.
"Es gibt für jedes Problem eine Lösung", versuchte das kleine Eichhörnchen, Brumm aufzumuntern.
"Ganz sicher gibt es die", antwortete der Bär, ging ins Bett und zog die Decke über den Kopf. "Bärenproblemlösung Nummer 1", klang es dumpf unter der Bettdecke hervor. "Wenn du nicht mehr weiter weißt, halte Winterschlaf." Aber seine innere Uhr sagte ihm, dass es noch viel zu früh sei, um Winterschlaf zu halten. Jetzt war Sommer und das war die Zeit, um viel Honig zu essen und Lachse zu fangen, auf der Wiese zu dösen und die Wärme der Sonne zu genießen.

Ruhelos warf sich der Bär hin und her. Kati sah es und seufzte. Wenn sie ihrem Brumm doch nur helfen könnte! Zunächst bereitete sie ihm eine große Portion Lachslasagne. Das lockte den Bären zwar unter der Decke hervor, nicht aber aus dem Bett. Majestät geruhte, auf seinem Nachtlager zu speisen.
Wenigstens hat er Appetit, dachte das kleine Eichhörnchen erleichtert. So lange der Bär seine Mahlzeiten nicht verweigerte, war alles gut. Der Rest wird sich finden, dachte Kati zuversichtlich.

Schließlich brach die Nacht herein und Kati legte sich zu Brumm in das große Bärenbett. Natürlich konnte Brumm lange keinen Schlaf finden. Kati bemerkte es an der Art, wie er atmete, und sie konnte sich denken, worum sich Brumms Gedanken drehten. Schließlich fragte sie leise: "Brumm, kannst du auch nicht schlafen?"
"Nein."
"Wollen wir noch mal reden?"
"Worüber denn?"
"Ich glaube dir, dass du den Schlüssel nicht gestohlen hast. Das würdest du nicht tun. Du bist mein lieber Brumm und ein anständiger Bär, das weiß ich."
"Aber damals hast du mich auch verdächtigt, ich hätte die Torte gestohlen", wandte der Bär ein.
"Das war damals, da kannte ich dich noch nicht so gut."
"Aber die anderen müssten mich inzwischen auch viel besser kennen und wissen, dass ich den Schlüssel nicht gestohlen habe."
"Das stimmt", antwortete das Eichhörnchen. "Es haben aber auch alle Partei für dich ergriffen: Herr Esel, Hansi, Schafi, Isabel... Deshalb verstehe ich Fred nicht, weshalb er dich so im Visier hat."

Brumms Antwort war ein mürrisches Schnaufen. Kati bedauerte sehr, dass sie den Bären nicht auf andere Gedanken bringen konnte. "Dann versuch jetzt, trotzdem zu schlafen. Morgen sieht die Welt bestimmt schon ganz anders aus, mein lieber Brumm. Gute Nacht!" Und zärtlich gab Kati dem Bären ein Küsschen auf die Nase.
Ganz sicher nicht, dachte Brumm. Die Welt wird morgen ganz gewiss nicht anders aussehen als heute. Es wird immer noch einen Fuchs geben, der gegen mich ermittelt. Es wird immer noch das Beweisstück A geben. Und was nützte ihm die Fürsprache seiner Freunde, wenn der größte Detektiv, den sie kannten, von Brumms Schuld überzeugt war?
Um keinen Preis werde ich hier bleiben, dachte Brumm trotzig. Das lasse ich nicht mit mir machen! Sollen sie verdächtigen, wen sie wollen! Lieber gehe ich in den tiefsten Wald und lebe ein einsames, aber zufriedenes Leben, weil mich keiner dort verdächtigen kann!

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29

So leise der Bär nur konnte, verließ er das Bett und trat vor den Höhlenkobel. Die milde Sommernacht legte sich wie Seide auf sein Fell. Er sah nach oben und entdeckte einige Sterne, die durch das Wipfeldach über ihm hindurch schienen. Es erinnerte ihn an die Nächte mit Kati auf der großen Wiese. Sie lagen eng beieinander auf einer Decke, schauten in den Sternenhimmel und für den Fall, dass Brumm hungrig wurde, hatte Kati einen extra großen Picknickkorb vorbereitet. Das waren sorglose Zeiten! Brumm seufzte.

Dann hatte der Bär eine Idee: Ich werde mir Hilfe holen! Es muss noch jemand anderes als Fred ermitteln! Jemand, der nicht direkt Brumm verdächtigte, sondern unvoreingenommen den Fall prüfte - aber wer? Brumm kannte nur eine Person, die in der Lage war, Kriminalfälle zu lösen. Und das war Fred, der Fuchs.
Nachdenklich lief der Bär vor dem Höhlenkobel auf und ab. Dann plötzlich kam ihm der rettende Gedanke! Dass ich da nicht schon viel früher drauf gekommen bin! Jäson Bärn könnte mir helfen! Das war ein berühmter Agent! Den führte keiner hinters Licht!

Ach, wie liebte Brumm diese spannenden Filme, wenn er als junger Bär im Waldkino saß und vor Aufregung den Atem anhielt. Gern wäre Brumm so wie Jason Bärn geworden. So ein berühmter Geheimagent, der sich vor keiner Gefahr fürchtete, der immer das richtige tat und am Ende immer der gefeierte Held war. Aber leider durfte Brumm aufgrund seiner Eckzähne kein Headset tragen und deshalb wurde es nichts mit der großen Karriere als Geheimagent. Leider, leider...
Aber dann wurde Brumm klar, dass Jason Bärn ihm gar nicht helfen konnte. Es war ja nur ein fiktiver Charakter einer erfolgreichen Kinofilmserie. Betrübt erkannte der Bär, dass nun nur noch Flucht als Option im Raume stand.
Aber das wäre ein Leben ohne seine liebe Kati, ohne das gemeinsame Lachen. Ohne das köstliche Essen, das sein liebes Eichhörnchen zubereitete. Ohne das aneinander kuscheln. Der Bär wusste, er würde das sehr vermissen, aber was soll's? In Gedanken stampfte er trotzig mit dem Hinterfuß auf: Wenn sie mich hier nicht mehr wollen, gehe ich eben woanders hin. Brumm!

Zur gleichen Zeit fiel Fred todmüde in sein Bett. Ein ereignisreicher Tag lag hinter ihm. Der Fuchs war sehr zufrieden!
Nachdem er sich mit Professor Rabe abgestimmt und ihm die Situation, in der er sich befand, erklärt hatte, riet auch Professor Rabe dazu, eine Vollversammlung der Waldtiere auf der großen Wiese für den kommenden Tag einzuberufen. Allerdings hielt Professor Rabe es für klüger, den Tieren nicht die volle Wahrheit zu sagen. "Wir sollten den Dieb nicht warnen", begründete er seine Überlegung. "Wir sagen einfach: Der Schlüssel ist verschwunden und bitten alle, bei der Suche mitzuhelfen. Vielleicht verhält sich ein Waldbewohner bei der Suche sehr auffällig. Das könnte ein weiteres Indiz sein dafür, dass der Schlüssel nicht verloren gegangen ist, sondern wirklich gestohlen wurde."

Fred stimmte zu und beeilte sich, die Waldbewohner zu informieren. So zog er den restlichen Tag durch den Wald, bat die Tiere für den kommenden Tag nach dem Frühstück auf die große Wiese und kehrte schließlich müde, aber doch sehr zufrieden mit sich, nach Hause zurück.
Und während Fred auf der Stelle einschlief, drehte sich Brumms Gedankenkarussell mit Höchstgeschwindigkeit. Er hatte die Nase gestrichen voll von all den Verdächtigungen gegen ihn. "Sollen die doch ihren Scheiß alleine machen!", dachte er zornig. "Ich muss mich doch nicht immer verdächtigen lassen! Wenn mir keiner glaubt, dann werde ich mich aus dem Staub machen und ein einsames, aber verdächtigungsfreies Leben irgendwo an der tiefsten Stelle des Waldes führen."
Seine liebe Tante Bärnadette hatte ihm, als er noch ein kleiner Bär war, einmal erzählt, dass es eine ganz dunkle Zeit für die Bären gab. Da wurden sie von den Menschen gejagt und entweder gleich getötet oder gefangen genommen, um in irgendwelchen Zirkussen vor den Menschen als Tanzbären Kunststücke vorzuführen. Die Bären beschlossen daraufhin, sich in die tiefsten Wälder zurückzuziehen, um vor den Menschen sicher zu sein.

"Das ist jetzt mein Weg", dachte der Bär entschlossen, und ich muss ihn ganz alleine gehen. Er hauchte einen Kuss zum Abschied von seinem geliebten Eichhörnchen in Richtung Höhlenkobel und lief dann, so schnell ihn seine Tatzen tragen konnten, davon.

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30

Als Kati am nächsten Tag erwachte, lag Brumm nicht mehr neben ihr. Schade, dachte das kleine Eichhörnchen enttäuscht, ich hätte mich jetzt gern noch ein wenig angekuschelt. Also stand sie auf, um das Frühstück vorzubereiten und erwartete Brumm in der Küche vorzufinden. Doch dort war der Bär auch nicht.
Unschlüssig ging sie vor den Höhlenkobel. Ob er sich ein wenig die Beine vertrat? Nein, hier draußen war Brumm auch nicht. Ratlos sah sich das Eichhörnchen um. Wo könnte Brumm nur sein? Dann fiel ihr Blick auf einen Zettel an der Tür zum Höhlenkobel. Vermutlich eine Nachricht von Brumm, dachte das Eichhörnchen. Wie lieb von ihm.

"Leider habt ihr mein Klopfen nicht gehört. Morgen früh Versammlung auf der großen Wiese. Viele Grüße, Fred!", las sie aber zu ihrem Erstaunen. Aha, dann wird Brumm vermutlich schon dort sein und hatte sie schlafen lassen, weil der Bär grundsätzlich niemanden weckte, der schlief. Das war tief in seiner DNA verankert, denn als Bär wusste er, wie wichtig der Schlaf für einen gesunden Körper ist. Mindestens genau so wichtig wie acht bis zwölf Mahlzeiten täglich, dachte Kati belustigt und kicherte. Nun beeilte sie sich mit dem Frühstück und hüpfte erwartungsfroh mit großen Eichhörnchensprüngen zur großen Wiese.

Dort waren bereits viele Waldbewohner versammelt, aber Brumm fand sie dort nicht.
"Hast du Brumm gesehen?", fragte sie den Fuchs. Fred hob bedauernd die Schultern. "Nein, seit gestern, als ihr mein Arbeitszimmer verlassen hattet, nicht mehr."
Unschlüssig sah sich Kati auf der großen Wiese um. Wo konnte Brumm nur sein? Da bat der Fuchs um Ruhe und unterbrach Katis Gedanken.
"Liebe Freunde, ein großes Malheur ist geschehen. Schafis Portalschlüssel ist verloren gegangen und wir bitten euch, bei der Suche zu helfen." Ein Raunen setzte ein, dass in ein vielstimmiges Getuschel überging.
"Verloren gegangen?", vergewisserte sich Opa Hirsch.
Und Dr. Uhu fragte kopfschüttelnd: "Wie konnte Schafi das denn passieren?"
"Bestimmt wieder zu viel Sauerampfer genascht", rief Frau Maus kichernd.
Und Hansi Hase ergänzte mit Verschwörermiene: "So, so. Verloren gegangen. Nette Umschreibung für verbummelt!"

"Bitte, Freunde!", hob Fred beschwichtigend die Pfoten. "Lasst bitte die Spekulationen. Mein Vorschlag ist, wir bilden Suchtrupps." Und dann teilte er die Tiere ein: "Benni, du übernimmst den Grund des Flusses, ja?" Nickend verabschiedete sich der Biber und machte sich auf den Weg zum Fluss.
"Familie Maus und Isabel, ihr untersucht das Unterholz. Opa Hirsch, Leni und Herr Esel überprüfen die kleinen Pfade neben dem großen Hauptweg und wir anderen bilden eine Kette und durchkämmen den Wald. Sebastian und Erika, ihr übernehmt die Luftaufklärung!"

"Eye, eye, Sir", rief Sebastian Spatz und fragte dann verwundert: "Aber wo ist Erika?" Da schlug sich Fred mit dem Pfötchen vor die Stirn: "Ach, ich Esel!"
"Bitte, was?!", fragte Herr Esel verwundert den Fuchs.
"Entschuldige bitte, das war nicht persönlich gemeint", antwortete er dem Eselchen. Dann an die anderen gewandt: "Ich muss wohl gestern in der Aufregung vergessen haben, Erika zu informieren."
Strafend sah ihn Prof. Rabe an. "Und Brumm hast du wohl auch nicht informiert."
"Doch", parierte Fred. "Kati ist doch da. Ich hatte ihnen gestern Abend eine Nachricht an der Haustür hinterlassen. Sie hatten auf mein Klopfen nicht reagiert. Vermutlich hatten sie bereits geschlafen." Dann fuhr er im Flüsterton fort: "Ich sage Ihnen, verehrter Herr Professor, wenn das mal kein Schuldeingeständnis des Bären ist!" Doch offenbar sprach er laut genug für die Ohren des Hasen: "Quatsch mit Soße! Vertrieben hast du ihn mit deinen haltlosen Verdächtigungen!"

Prüfend sah Professor Rabe erst den Fuchs und dann den Hasen an. "Ich weiß nicht, ob man Brumms Abwesenheit als Eingeständnis werten kann", sagte er schließlich. Dann laut an alle Tiere des Waldes gerichtet: "Planänderung: Fred und ich suchen Erika auf und bitten Sie, Brumm zu suchen. Hansi und Kati, könnt ihr bitte bei der Suche nach Brumm behilflich sein?" Das Eichhörnchen nickte zustimmend, denn schließlich machte sie sich schon große Sorgen über Brumms Verbleib und hüpfte hinüber zu Hansi, um sich mit ihm abzustimmen.: "Also, wir machen es so...", begann sie und der Hase nickte zustimmend.

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Unschlüssig zog Brumm durch den Wald. Er vermied den breiten Hauptweg, weil er befürchtete, einem seiner Freunde zu begegnen und außerdem hatte er keine Lust auf neugierige Fragen. Zum Beispiel, was hast du vor? Wo gehst du hin? Hast du den Portalschlüssel gestohlen?
Zum anderen wollte er auch keinem Menschen begegnen und Anlass für weitere Aufregung geben. So nutzte er schmale Pfade, die ihn tiefer und tiefer in den Wald hinein führten. Hier war es kühl und weil kaum ein Sonnenstrahl durch die dichten Kronen der Bäume bis hinunter auf den Waldboden drang, herrschte in diesem Teil des Forsts ein angenehmes Halbdunkel.

Der Bär war die halbe Nacht gelaufen und beschloss, sich ein wenig auszuruhen. Er setzte sich auf einen Stein und sprach im Flüsterton mit dem Baum gegenüber: "Was kann ich denn dafür, dass der blöde Schlüssel weg ist?" Doch sein hölzerner Gesprächspartner schwieg. "Ich habe nichts getan! Ich kann es aber nicht beweisen und es ärgert mich ganz sehr, dass mir mein so genannter Freund, der Fuchs, nicht glaubt. Schöner Freund, wirklich!" sagte er enttäuscht, als er ein Rascheln hinter sich hörte.
Er drehte sich um und glaubte mehrere dunkle Schatten wahrzunehmen.

Die Schatten schienen näher zu kommen, denn das Rascheln im Unterholz wurde lauter und beunruhigte Brumm sehr. Wildschweine? Bloß nicht! Ich bin der mutigste Bär der Welt... aber wenn es doch wenigstens Wölfe wären, dachte Brumm und redete sich weiter ein, ich bin der mutigste Bär der Welt.
Jetzt war das Rascheln ganz nah - panisch sprang Brumm auf und floh, so schnell er konnte, von diesem unheimlichen Ort. Ich bin der mutigste Bär der Welt, aber ich habe keine Lust, gegen Wildschweine zu kämpfen, denn ich bin ein kluger Bär. Und der klügere Bär gibt nach, nicht wahr?

Irgendwann war Brumm so außer Atem, dass er seine Flucht verlangsamte. Dann blieb er stehen und lauschte in den Wald hinein. Kein Rascheln, keine verdächtigen Geräusche bis auf ein leises Knurren, das wohl aus seinem Magen kam. Der Bär war nicht nur müde, sondern inzwischen auch sehr hungrig. Ach, wie gut traf es sich da, dass Brumm in der kleinen Senke vor ihm üppige Waldheidelbeerensträucher fand.

Also labte sich Brumm ausgiebig an den leckeren Früchten und beschloss, sich danach im Dickicht ein wenig auszuruhen. Er rollte sich auf die Seite und machte es sich auf dem weichen Waldboden gemütlich.
Der Bär ließ den Blick schweifen, als er plötzlich stutzte: Was war das? In einiger Entfernung glaubte er die Umrisse einer Höhle wahrzunehmen, gut versteckt im Dickicht, aus der ein seltsames, bläulich fluoreszierendes Licht aufstieg und dadurch ihren Standort verriet.

Was ist das denn jetzt schon wieder, dachte der Bär und wollte schlafen. Doch die Neugier überwog. Er stand auf und trat vorsichtig näher. Und näher - und noch einen Schritt näher, um die seltsame Höhle besser in Augenschein nehmen zu können. Und plötzlich war er umgeben von einem angenehmen, warmen, himmelblauen Licht, das ihn mit sich zog. Immer weiter, immer weiter, wie in einem Strudel, nur dass der Bär sich nicht um seine Achse drehte. Er fühlte sich schwerelos und seltsamerweise hatte er keine Angst vor der unbekannten Situation. Es erinnerte Brumm ein wenig an die Reisen durch das magische Portal, aber er fühlte keinerlei Aufregung in sich, sondern nur eine tiefe, beruhigende Geborgenheit.
Neugierig wartete er darauf, was als nächstes geschah.

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32

Endlich gab die Höhle den Bären wieder frei. Er wusste sofort, wo er sich befand: Es war Tante Bärnadettes und sein früherer Lieblingsplatz, der Bärenstein! Doch seltsamerweise war Brumm plötzlich gar nicht mehr groß. Er war klein und er war leicht und zu seiner Freude saß da auf dem Stein seine liebe Tante Bärnadette.
"Brumm!", rief sie freundlich. "Du hast mir aber einen Schrecken eingejagt! Wo hast du dich denn nur so lange versteckt? Es ist schon spät, wir müssen nach Hause gehen!"

So schnell ihn seine kleinen Pfoten tragen konnten, lief er auf die geliebte Tante zu - glücklich ließ er sich in ihre Umarmung fallen und schloss die Augen. Der kleine Bär konnte das Glücksgefühl weder fassen, noch beschreiben. Endlich wieder in den flauschigen Armen seiner geliebten Tante Bärnadette zu liegen! Ihren süßen Duft nach Honig und Sonne wahrzunehmen... Ihr pochendes Herz schlagen zu hören... Ganz tief sog er ihre Nähe ein und beschloss, sich nie, nie wieder aus dieser Umarmung zu lösen.

"Ach meine liebe Tante Bärnadette", murmelte er immer wieder unter Tränen, "du glaubst gar nicht, wie sehr du mir gefehlt hast und wie glücklich ich jetzt bin."
"Doch", flüsterte die Tante liebevoll, "ich weiß es."
Plötzlich stieg eine unangenehme Erinnerung in Brumm auf. Etwas, das weit zurückzuliegen schien und er es nun wie einen bösen Traum abschütteln konnte: "Ich muss dir von einem ganz schlimmen Traum erzählen", sagte Brumm aufgeregt, und die Worte sprudelten nur so aus ihm heraus: "Ich habe geträumt, dass ich schon ein richtig großer Bär bin, sogar noch viel größer als du und ich bin verheiratet! Stell dir vor, ich bin verheiratet mit dem liebsten Eichhörnchen auf der ganzen Welt!"
Tante Bärnadette lächelte. "Ich weiß das alles, mein lieber Brumm."
Dann aber verfinsterte sich Brumms Miene: "Und stell dir vor, meine Freunde verdächtigen mich, ich hätte den Portalschlüssel gestohlen! Aber da bin ich dann weggelaufen, mit denen will ich nicht mehr spielen!"
"So, so", antwortete die Tante und wog den kleinen Brumm sanft in ihren Armen hin und her. "Und was solltest du mit so einem Portalschlüssel anfangen?", fragte Bärnadette.
"Das weiß ich doch auch nicht! Ich habe gar keine Verwendung dafür. Du weißt ja, dass ich nicht so gern verreise. Außer, wenn ich meine Ferien bei dir verbringen darf."

"Aber wie kommen dann deine Freunde darauf, dich zu verdächtigen?"
"Ich weiß es nicht." Ratlos sah der kleine Bär die Tante an. "Vielleicht deshalb, weil ich nicht verreisen möchte. Sie sagen, deshalb hätte ich den Schlüssel gestohlen oder versteckt. Damit ich meine Ruhe hätte. Aber glaub mir, das habe ich nicht getan!"
"Ich weiß, dass du das nicht getan hast, mein lieber Brumm", sagte Tante Bärnadette und lächelte Brumm liebevoll an. "Komm jetzt, wir müssen nach Hause gehen... nach Hause gehen... nach Hause gehen..."

Plötzlich wachte Brumm auf und fand sich inmitten der Heidelbeersträucher wieder. Auf seinem Bauch saß Sebastian Spatz und sagte immer wieder: "Komm Brumm, lass uns nach Hause gehen."
Schlaftrunken sah Brumm den Spatz an. Wo ist Tante Bärnadette, wunderte er sich und sah sich suchend um. Sie war fort... und Brumm gewahrte, dass er die Begegnung mit ihr nur geträumt hatte. Und mit einem Mal war dieses wohlige Gefühl der Geborgenheit in ihm wieder verschwunden.
Enttäuscht und verwirrt fragte Brumm Sebastian: "Was machst du auf meinem Bauch?"
"Ich war auf einem Erkundungsflug, als ich dich hier unten liegen sah. Du hattest tief geschlafen, aber ich dachte, ich wecke dich auf und bitte dich, zurückzukommen, denn inzwischen gibt es Neuigkeiten, die dich sehr interessieren werden. Also komm und lass uns nach Hause gehen."

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So machte sich Brumm also auf den Heimweg, begleitet von Sebastian Spatz, der auf Kopfhöhe neben ihm herflog. Doch so sehr Brumm auch bettelte, Sebastian wollte um nichts in der Welt preis geben, was sich während Brumms Abwesenheit zugetragen hatte und um welche Neuigkeiten es sich handelte. Ohne weitere Details zu nennen, sagte Sebastian: "Du kannst völlig beruhigt sein, Brumm, die Sache ist inzwischen aufgeklärt. Niemand verdächtigt dich mehr."

Oh! Das war Musik in Brumms Ohren, oder auf bärisch gesagt, Honig auf seiner Zunge. Also beeilte er sich, nach Hause zu kommen, doch da hielt ihn Sebastian zurück. Er prüfte den Stand der Sonne und sagte dann: "Lass uns lieber gleich zur großen Wiese gehen. Ich glaube, wir kommen gerade noch rechtzeitig." Fragend sah der Bär den Spatz an, doch Sebastian gab keine weitere Erklärung ab.
"Aber von hier ist es ein weiter Weg", wandte Brumm ein. "Ich bin auf meiner Flucht die halbe Nacht gelaufen. Wir werden es nicht rechtzeitig bis zur großen Wiese schaffen." Da beruhigte ihn Sebastian: "Keine Sorge, ich kenne eine Abkürzung."

Und tatsächlich: Als sie die große Wiese erreichten, waren da bereits alle Waldbewohner versammelt.
"Seht nur, Brumm ist wieder da!", rief Opa Hirsch erfreut und schnell machte die frohe Nachricht die Runde. Sofort stürmte das Eichhörnchen los und empfing ihren lieben Brumm mit zahllosen Küsschen und einem Tadel, weshalb er denn weggelaufen sei? "Aber ich freue mich sehr, dass du zurück gekommen bist!" Und zur Bekräftigung noch ein Küsschen auf die Nase.

Und dann stand Brumm Fred gegenüber. "Ach Brumm", rief der Fuchs erfreut von der kleinen Bühne, auf der er stand. "Du kommst gerade recht zu unserem Tribunal. Dich betrifft es ja am meisten. Setz dich, es wird ein Weilchen dauern."
Bitte was, dachte der Bär. Ein Tribunal? Was sollte das sein? Hab ich das etwa auch gestohlen? Da begann der Fuchs auch schon, an alle Anwesenden gewandt, zu sprechen: "Ja Freunde, wo fange ich an? Aufregende Tage liegen hinter uns, nicht wahr? Aber wie heißt es so schön? Ende gut, alles gut! Der Portalschlüssel konnte ausfindig gemacht und Schafi als dem rechtmäßigen Wächter des Portals zurückgegeben werden. Und Brumm konnte vom Vorwurf, den Schlüssel gestohlen zu haben, entlastet werden. Schön, oder? So ein Happy End ist doch immer wieder etwas Großartiges! Und damit wünsche ich uns allen noch einen schönen Sommer!" Sprachs und wollte die kleine Bühne bereits wieder verlassen, da stand Brumm auf und rief empört: "Halt, Freundchen! So leicht kommst du mir nicht davon! Ich möchte jetzt endlich wissen, was hier passiert ist!"

"Richtig", pflichtete Professor Rabe dem Bären bei. "Brumm hat ein Recht darauf, die ganze Wahrheit zu erfahren. Gerade aus deinem Mund, Fred. Du hattest ihn auf deiner Liste als den Hauptverdächtigen markiert. Also bitte, das bist du Brumm schuldig, auch wenn es dir jetzt sehr unangenehm ist."
Der Fuchs nickte und kehrte zögernd auf die Bühne zurück. Neugierig auf das, was jetzt folgen sollte, setzte sich Brumm wieder ins Gras. Kati kuschelte sich an ihn und endlich konnte sich Brumm entspannen. Schien nicht auch die Sonne gleich ein kleines bisschen heller?

"Na gut, der Reihe nach", begann Fred und fasste die Ereignisse kurz zusammen: "Zunächst mussten wir feststellen, dass der Portalschüssel im Rahmen der Aktion Waschtag abhanden gekommen war. Unklar war, ob es sich um einen Diebstahl oder eine Nachlässigkeit handelte." Fred suchte nach den passenden Worten, dann fuhr er fort: "Ob ich wollte oder nicht, ich musste mit den Ermittlungen beginnen. Mein Tresor war unversehrt, also konnte der Schlüssel nicht aus ihm gestohlen worden sein. Schließlich habe ich nach langen Recherchen und einer Rekonstruktion der Vorgänge des Morgens vor Beginn der Aktion Waschtag feststellen müssen, dass ich einen Fehler gemacht hatte: Ich hatte den Schlüssel in meinen Tresor einschließen wollen, wurde aber von Brumm und Hansi abgelenkt, weil beide vor Aufregung dringend meine Toilette benutzen mussten. Da habe ich den Portalschlüssel gedankenlos auf meinem Schreibtisch liegen gelassen. Ausgerechnet an jenem Tag stand das Fenster meines Arbeitszimmers offen, so dass der Schlüssel entwendet werden konnte."

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Wieder musste sich der Fuchs für einen Moment sammeln, bevor er weitersprach: "Aber es ist nicht so, dass ich die Ermittlungen nur deshalb durchgeführt habe, um von meinem eigenen Versagen abzulenken, wie böse Zungen behaupteten." Ein leises Räuspern Hansi Hases war kurz zu hören.
"Es ging einzig und allein darum, den Schlüssel für Schafi wieder zu beschaffen", bekräftigte Fred sein Vorgehen.
"Was also ist wirklich passiert? Nach der Versammlung auf der großen Wiese bildeten wir Suchtrupps, nur leider blieb die Suche ergebnislos. Dann aber half uns der Zufall: Die Sonne stand gerade im richtigen Winkel am Himmel, als Sebastian beim Überflug des Nestes der Elster den Schlüssel darin entdeckte. Sebastians Aufmerksamkeit wurde von dem golden in der Sonne glänzenden Ding angezogen. Daraufhin hatte er Professor Rabe und mich verständigt."

"Die Elster war's?", fragte Brumm ungläubig. Vorwurfsvoll sah er Fred an: "Da hätte man ja auch mal von selbst drauf kommen können!"
"Lass gut sein, Brumm", bat Kati. "Es spricht für Fred, dass er an das Gute glaubte und gehofft hatte, dass sich die Elster gebessert hätte."
Nun übernahm Professor Rabe: "Erika hat inzwischen gestanden. Ich zitiere aus dem Vernehmungsprotokoll: 'Da lag der Schlüssel nun auf Freds Sekretär, die Sonne beschien ihn durch das geöffnete Fenster seines Arbeitszimmers und ließ ihn wie pures Gold erstrahlen. Ich musste ihn haben! Er glänzte so unwiderstehlich, dass ich nicht mehr klar denken konnte.'"

Nun schwoll der Lärmpegel erheblich an. Einige Tiere forderten, die Elster mit der vollen Härte des Gesetzes zu bestrafen.
Professor Rabe bat um Ruhe, dann fuhr er fort: "Die Elster hat den Diebstahl gestanden und den Schlüssel zurückgegeben. Im Grunde ist also kein Schaden entstanden, wenn wir mal von der Aufregung absehen möchten, die der Fall im Wald verursacht hat."
Doch der Mob tobte: "Hängt sie, hängt sie!"
Nein, Quatsch. Natürlich war es ganz anders: "Jagt sie! Teert sie! Federt sie!", schrie die aufgebrachte Menge und drohte mit Fackeln und Mistgabeln der Elster zu Leibe zu rücken. Aber natürlich hatte es sich auch so nicht zugetragen. Wir befinden uns ja immer noch in einem zivilisierten Wald.

"Was also soll mit Erika geschehen?", fragte nun Fred in die Menge und bat die Elster, die sich hinter der Bühne versteckt hielt, sich zu erklären.
Mit unsicherer Stimme bat Erika um Entschuldigung. Sie konnte einfach nicht anders, als sie auf einem ihrer Rundflüge den Schlüssel vom Sonnenlicht beschienen auf Freds Schreibtisch erblickte. "Er glänzte wie pures Gold! Ich war wie von Sinnen! Was soll ich machen, ich bin eine Elster und liebe glitzernden Tand. Seid nachsichtig und vergesst nicht, dass Brumm vor zwei Jahren einen Kompressor aus der Siedlung gestohlen hatte! Und ist er dafür bestraft worden? Ich glaube nicht."

Da fuhr Isabel Igel der Elster in die Parade: "Nein, so war das nicht! Wir alle hatten uns die Maschine ausgeborgt, weil wir sie brauchten, um die Atemluft vom Wüstensand zu reinigen. Außerdem hatten wir sie nicht gestohlen, sondern sie uns nur ausgeborgt und danach wieder zur Baustelle der Menschen zurück gebracht!"
Während die aufgebrachte Menge - Brumm vorneweg - die Bühne stürmen wollte, um die Elster endlich zu teeren und zu federn, eilten ihr Dr. Uhu und Professor Rabe zu Hilfe.
"Wir müssen in unser Urteil einen wichtigen Umstand einbeziehen, sonst können wir nicht Recht sprechen", rief Dr. Uhu mit fester Stimme in die erregte Menge. "Wie Erika schon selbst sagte, konnte sie nicht anders handeln. Denn Erika ist krank. Um euch das zu erklären, müssen wir ein wenig ausholen."

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Nun kehrte wieder Ruhe im Publikum ein und Dr. Uhu übergab das Wort an Professor Rabe, der zu einer Erklärung ansetzte: "Die Vorstellung, dass Elstern zwanghaft glänzende Gegenstände stehlen und sammeln, ist tief in der europäischen Waldkultur verankert. Sie wurde unter anderem durch die Oper La gazza ladra - die diebische Elster - von Gioachino Rossini populär. Die Forschung zeichnet jedoch ein anderes Bild: Experimente haben gezeigt, dass Elstern glänzende Objekte nicht bevorzugen. Im Gegenteil, viele Elstern sind gegenüber unbekannten glänzenden Gegenständen zunächst vorsichtig oder meiden sie sogar." Interessiert hörte die Menge zu.

Professor Rabe sprach weiter und fühlte er sich wie bei einer seiner Vorlesungen im Hörsaal der Walduniversität: "Es gibt kaum Belege dafür, dass Elstern regelmäßig Schmuck, Münzen oder ähnliches stehlen und in ihren Nestern sammeln. Solche Einzelfälle kommen zwar vor, wie bei vielen intelligenten Rabenvögeln", an dieser Stelle räusperte sich der Rabe und sprach mit fester Stimme weiter: "Sie sind aber keineswegs typisch! Wenn Erika also behauptet, das Stehlen läge in ihrer Natur, ist das aus wissenschaftlicher Sicht nicht haltbar."
Sofort begehrte die Menge auf: "Also teert und federt sie endlich!"

"Stopp!", rief da Dr. Uhu. "Ich habe Erika lange untersucht und ich muss ihr eine Zwangsstörung attestieren. Nicht als biologische Eigenschaft der Art, sondern als individuelles Charaktermerkmal. Sie weiß, dass das Stehlen falsch ist, aber sie kann dem Reiz glänzender Dinge nicht widerstehen. Erika glaubt selbst an den alten Mythos, aber das ist wohl eher eine Schutzbehauptung. In Wahrheit ist es nicht das Artverhalten einer Elster, sondern Erikas eigenes Verhalten ist das eigentliche Problem. Wir werden sehen, inwieweit eine Therapie erfolgreich sein kann. Wir haben ihr bereits Hilfe angeboten", schloss Dr. Uhu seine Rede. Der Blick, den Professor Rabe in jenem Moment mit Dr. Uhu tauschte, offenbarte, dass beiden bewusst war, dass die Elster wohl nie vollständig geheilt werden könne.

"Also kommt die Arschkuh wieder ohne Bestrafung davon?", fragte Kati ungläubig im Flüsterton die neben ihr stehende Isabel. Das Igelmädchen kicherte und antwortete leise: "Dass wir sie nicht mögen, ist eigentlich schon Strafe genug."
"Also ist sie unschuldig, weil sie krank ist?", fragte Sebastian Spatz und nickte dann: "Ja, ja. Mit Krankheiten kenne ich mich aus. Da kannste nichts machen! Mein Cousin Oliver Spatz, wir nannten ihn kurz Oliver S., rückwärts gelesen S. Oliver, war nicht schwindelfrei. Eine schlimme Krankheit für einen Vogel! Er zog es deshalb vor, sein Leben zu Fuß zu führen. Leider bekam das die Nachbarskatze relativ früh mit. Um es kurz zu machen. S. Oliver kam nicht weit."

In die betretene Stille der Anwesenden begehrte Brumm zornig auf: "Das lass ich so nicht gelten! Ich habe Tage... ach was! Ich habe wochenlang gelitten unter all den Anschuldigen! Der Bär hat den Portalschlüssel geklaut, weil er Angst vorm Verreisen hat. Der Bär ist nämlich ein Feigling!", ahmte er aufgebracht die Verdächtigungen nach, denen er sich in den zurückliegenden Tagen ausgesetzt sah. "Und jetzt soll das diebische Federvieh ungestraft davon kommen?!" Empört stampfte der Bär mit der Hintertatze auf. "Ich fordere eine Entschädigung!"
"Die sollst du bekommen, mein lieber Brumm", sagte da mit sehr viel Liebe in der Stimme das kleine Eichhörnchen. Sie schmiegte sich an ihren Brumm und versicherte ihm die größte Lachlasagne der Welt zuzubereiten, sobald sie wieder in ihrem Höhlenkobel seien.

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Zum Abschluss des Tribunals auf der großen Wiese einigten sich die Tiere also darauf, Brumm mit einer riesigen Lachslasagne zu entschädigen sowie der Elster Professor Rabe als ihren persönlichen Bewährungshelfer zuzuteilen.
"Darauf einen Heidelbeerlikör!", rief der Hase gelöst. "Das muss mit einem rauschenden Fest gefeiert werden!" Und ja, Hansi hatte recht. Denn damit wäre die Geschichte zu Ende erzählt, und die Tiere könnten den Abschluss dieses kniffligen Kriminalfalls bei Tanz und Gesang auf der großen Wiese feiern, aber dem Fuchs brannte noch etwas auf der Seele.

Er nahm seine Freunde beiseite - neugierig folgten ihm Hansi, Herr Esel, das Schaf, Isabel sowie Kati und Brumm an den Rand der großen Wiese. Im Flüsterton sagte Fred: "So sehr ich mich darüber freue, dass der Fall gelöst ist und nun wieder Ruhe in unseren Wald einkehren kann, so sehr sorge ich mich um die alte Frau. Ich befürchte, wir haben ihr großen Schaden zugefügt und sollte der schlimmste Fall eingetreten sein, befürchte ich schlimme Auswirkungen auf unser Zusammenleben mit den Menschen. Sie könnten sich rächen wollen und mit diesen riesigen und schlimm lärmenden Maschinen unseren Wad zerstören."

Erschrocken sah Isabel den Fuchs an. "Meinst du wirklich?"
"Ich kann es nicht ausschließen", antwortete Fred zögernd. "ich hoffe, für die alte Frau kam die Hilfe nicht zu spät."
"Und was willst du jetzt tun?", fragte Kati.
"Wir sollten sie im Krankenhaus besuchen und uns davon überzeugen, ob es ihr inzwischen wieder besser geht oder ob sie sich von dem Schock im schlimmsten Fall gar nicht erholen konnte."
"Tiere sind im Krankenhaus nicht erlaubt", warf Brumm ein. "Hab ich im Bildungsfernsehen gesehen. Kannste vergessen!"
"Ich will auch nicht als Fuchs zu Besuch ins Krankenhaus gehen! Himmel", brauste er auf, "benutz' doch mal ein bisschen deine Fantasie!"

Verständnislos sah der Bär ihn an. Da hatte das kleine Eichhörnchen schon verstanden und rief aufgeregt dazwischen: "Ja, genau! Wir reisen durch das Portal in die Menschenwelt und besuchen die alte Dame an ihrem Krankenbett. Wir besorgen uns einen Blumenstrauß und werden unter all den anderen Besuchern gar nicht auffallen!"
"Ganz recht", sagte der Fuchs lächelnd und wollte seinen Plan näher erläutern, da wurde er auch schon von Brumm unterbrochen: "Auf gar keinen Fall werde ich auch nur eine Hintertatze in das Portal bewegen!" Und heftig schüttelte er seinen zotteligen Kopf.

"Du musst nicht mitkommen", beruhigte ihn Fred. "Ich hatte gedacht, diese Mission mit Kati durchzuführen."
"Das ist eine gute Idee", stimmte das kleine Eichhörnchen begeistert zu. Endlich wieder verreisen! Innerlich jubelte sie und wäre am liebsten sofort aufgebrochen, doch sie versuchte sich ihre Vorfreude auf den unerwarteten Ausflug in die Menschenwelt nicht anmerken zu lassen. Betont emotionslos wandte sie sich an Fred: "Wann sagtest du, wollen wir uns am Portal treffen? Ich wollte heute eigentlich noch meine Ohrpuschel aufbürsten. Sie haben nämlich kaum noch Volumen."
"Dann lass uns morgen nach dem Frühstück aufbrechen", schlug der Fuchs vor. Kati nickte freudig, dann trennten sich die Freunde.

"Jetzt aber schnell nach Hause, ich habe einen Bärenhunger!", mahnte Brumm. Das Eichhörnchen hüpfte auf seine Schulter und kitzelte den Bären zum Spaß an der Nase, dass der arme Brumm gar nicht wusste, ob er zuerst Nießen oder Lachen sollte. Und beschwingt eilte er mit seiner kostbaren Fracht auf der Schulter nach Hause.

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Wie vereinbart trafen sich die Freunde am nächsten Morgen am geheimnisvollen Portal. Die Sonne schien golden über den Wipfeln der Bäume. Brumm hatte ein reichhaltiges Frühstück genossen und auf dem Weg zum Portal noch schnell ein Bad im Fluss genommen. Nach all den aufregenden Tagen, die hinter ihm lagen und in seiner kopflosen Flucht gipfelten, war er nun wieder zu Hause. Er war bei seiner lieben Kati. Er genoss ihre Nähe und er genoss es vor allem, dass keinerlei Aufregung vor ihm lag. Da er nicht mit in die Menschenwelt reisen musste, war seine Laune so sonnig wie dieser Tag. Das kleine Eichhörnchen hingegen hüpfte aufgeregt neben dem Bären her und freute sich auf die bevorstehende Reise.

Fred erwartete sie bereits am Portal. Mit wichtiger Miene erklärte er das Ziel dieser Mission: "Wir müssen herausfinden, wie es der alten Frau geht."
"Und wenn sie nun gar nicht mehr im Krankenhaus ist?", wollte Isabel Igel wissen.
"Dann müssen wir einen anderen Weg suchen, um herauszufinden, wie es um ihr Wohlbefinden steht", antwortete der Fuchs.
"Und wenn sie nun gar nicht mehr..., also wenn sie überhaupt nicht mehr..." stammelte Hansi. Fred verstand sofort, was der Hase meinte: "Das wäre in der Tat der schlimmste aller Fälle und sehr traurig, aber dann wüssten wir zumindest, dass wir uns vor der Rache der Menschen schützen müssen, aber so negativ wollen wir jetzt nicht denken."

Zustimmend nickten die Freunde. "Gut, dann lasst uns starten", sagte Fred. "Schafi, bist du bereit?"
Schafi nickte und führte seinen Schlüssel in ein imaginäres Schloss neben dem Portal. Dann begann er, es auf den Transfer des Fuchses und des Eichhörnchens vorzubereiten. Schafi schloss die Augen, wiegte sich sanft hin und her und summte dazu eine eigenartige Melodie.
Nach einer Weile brach das seltsame Summen ab und das Schaf sprach mit rauer Stimme die Beschwörungsformel:
"der wächter des portals ist hier
als solcher bitte ich von dir
die freunde lass hinüber reisen
in jene welt aus stahl und eisen
und lass sie finden jene frau
die wir erschreckten -"

Plötzlich kam ein Windstoß auf, der die weiteren Worte des Schafs verschluckte. Die Freunde erkannten das Ende des Rituals daran, dass Schafi innehielt, dann nickte und sich schließlich zu ihnen umdrehte.
"Bitte schön", sagte das Schaf nun mit seiner ganz normalen Stimme: "Das Portal ist bereit, euch aufzunehmen." Tatsächlich: Im Inneren der wundersamen Höhle erkannten sie nun jenes vertraute, fluoreszierende Leuchten, das sie auf ihren vormaligen Reisen bereits so oft gesehen hatten.
Schnell verabschiedeten sich die beiden Reisenden von ihren Freunden. Brumm wurde von Kati besonders innig umarmt. "Mach dir keine Sorgen", flüsterte sie dem Bären ins Ohr. "Ich bin bald wieder da."
Der Bär nickte tapfer und sagte mit rauer Stimme: "Pass gut auf dich auf, ja?"

Der Transfer durch das Portal erfolgte ohne Zwischenfälle. In Katis Kobel in der Menschenwelt angekommen, setzten sich die beiden an Katis Laptop und recherchierten den Weg ins städtische Krankenhaus. Unterwegs kauften sie einen Strauß Blumen und eine Genesungskarte. "So werden wir in der Klinik garantiert nicht auffallen", war sich Fred sicher.
Und dann standen sie schließlich vor jenem riesigen, hellen Gebäudekomplex, in dem die Menschen ihre Kranken gesund pflegten. Ratlos sah sich der Fuchs um und suchte die Gebäudefront nach dem Eingang ab.
"Da!", zeigte er plötzlich auf eine sich automatisch öffnende Tür, durch die gerade mehrere Personen gingen. Kati und Fred schlossen sich den Menschen an und fanden sich plötzlich in einer großen Halle wieder, in der ein unüberschaubares Gewimmel herrschte. Wie in einem Ameisenhaufen, dachte Kati erschrocken und sah Fred fragend an.
Menschen kamen und gingen, Rollstühle wurden geschoben, irgendwo ertönte der Signalton eines Aufzugs, und aus der Cafeteria zog der Duft von frischem Kaffee herüber.

Mitten in der Halle befand sich ein halbkreisförmiger Schalter. Dahinter saß eine Frau mittleren Alters mit kurz geschnittenem, dunkelblondem Haar und einer randlosen Brille. Vor ihr standen zwei Bildschirme, ein Telefon und ein kleines Schild mit der Aufschrift "Information". Trotz des ständigen Kommens und Gehens strahlte die Frau eine bemerkenswerte Ruhe aus.
Der Fuchs verfolgte mit seinen Augen einige Menschen, die sich vor dem Schalter anstellten. "Versuchen wir es dort", schlug er zögernd vor.

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"Aber was sagen wir ihr?", flüsterte Kati und beide machten ein ratloses Gesicht. Schließlich kam dem Eichhörnchen eine Idee: "Erinnerst du dich noch, als wir Herrn Esel, Leni und die anderen aus dem Zirkus befreit hatten? Da habe ich mich als Journalistin ausgegeben, um die Wächter abzulenken. Lass uns diese List noch einmal ausprobieren!"
Und schon stand sie mit klopfendem Herzen am Schalter. Jetzt wäre es gut, wenn Isabel bei uns wäre, dachte Kati. Sie hätte bestimmt noch viel mehr gute Ideen, wie man glaubwürdig als Zeitungsreporter auftreten muss.

Tapfer lächelte sie die dort sitzende Frau freundlich an. Die wiederum hatte nur Augen für Katis Begleitung, denn das war ganz offensichtlich Mick Hucknall! Das erkannte sie sofort, denn sie war der wohl größte Simply Red Fan auf der ganzen Welt. Am liebsten wäre sie sofort aufgestanden und hätte ihn um ein Autogramm gebeten. So eine Chance würde sich ihr nie wieder bieten!
Doch da begann die junge Frau mit den auffallend rötlichen Haaren mit sanfter Stimme zu sprechen: "Guten Tag, wir sind von der lokalen Zeitung und suchen eine ältere Dame, die vor wenigen Tagen mit einem Krankenwagen zu Ihnen gebracht wurde. Es ist gut möglich, dass es sich um einen Kriminalfall handelt, denn die ältere Dame überraschte wohl Einbrecher in ihrem Haus. Danach griff sie sich an ihre Herzgegend und ein Nachbar hatte Hilfe geholt. Leider kennen wir den Namen der Frau nicht, wir würden sie aber gern persönlich sprechen wollen."

Die Frau am Informationsschalter hatte noch immer nur Augen für Mick Hucknall und so bemerkte sie die Lücken in Katis Argumentationskette nicht.
"Ältere Dame, sagen Sie? Verdacht auf Herzinfarkt?", wiederholte sie abwesend und sah ihrem Idol tief in die Augen. Fred war das sehr unangenehm und er wähnte sich schon ertappt. Die glaubt uns kein Wort und gleich wird sie Alarm auslösen, dachte er beunruhigt.
Die Frau jedoch wendete ihren Blick kurz ab und sah unschlüssig auf den Bildschirm ihres Computers. Dann strahlte sie Mick wieder an und fragte: "Wissen Sie den Namen der Patientin?"
"Soweit wir wissen, heißt sie Erna", antwortete der berühmte Musiker.

Seltsam, dachte die Frau, wieso spricht Mick Hucknall fließend Deutsch? Aber egal. Er stand direkt vor ihr und sah sie erwartungsvoll an. Vielleicht springen für die Auskunft ja Freikarten heraus. Backstagepässe...
"Erna", wiederholte sie. "Moment bitte", und motiviert tippte sie etwas in ihren Computer. Nach wenigen Sekunden hielt sie inne und runzelte leicht die Stirn. "Darf ich fragen, in welcher Beziehung Sie zu Frau Erna B. stehen?"
Fred und Kati wechselten einen kurzen Blick. Erst jetzt wurde ihnen bewusst, dass eine solche Auskunft offensichtlich nicht selbstverständlich war.

Die Frau hinter dem Informationsschalter hingegen biss sich enttäuscht auf die Zunge. Verdammt, hatte sie jetzt alles verdorben? Keine Freikarten, weil sie vorschnell eine Frage gestellt hatte, die ihr der Star unmöglich beantworten konnte? Backstage ade´! Natürlich war die junge Frau vor ihr keine Zeitungsreporterin. Offensichtlich ging es nur darum, inkognito eine Verwandte des Musikers zu besuchen. Möglicherwiese die Großmutter väterlicherseits. Es hieß ja, Mick habe deutsche Vorfahren...

Nun hieß es zu retten, was zu retten ist: "Melden Sie sich bitte auf Station 7 und fragen nach Erna. Erna B. Den vollen Namen darf ich Ihnen leider aus Datenschutzgründen nicht mitteilen."
Überrascht lächelte Fred. Beinahe schien alles verloren und nun diese glückliche Wendung! "Das ist sehr nett von Ihnen, vielen Dank!"
Nun sah die Frau ihren Moment gekommen. Blitzschnell verließ sie ihren Schalter. "Ob es wohl möglich wäre, dass wir ein Selfie zusammen machen?" Verwirrt sah der Fuchs erst Kati und dann die Frau an. Was zum Geier ist ein Selfie, dachte er. Tut das weh? Sind wir etwa doch aufgeflogen? Klicken gleich die Handschellen? Führt man uns als Eindringlinge ab? Dem Fuchs wurde siedend heiß, aber da war die Frau ohne eine Antwort abzuwarten bereits bei ihm, legte den Arm um ihren Mick und drückte mit der freien Hand den Auslöser der Kamera ihres Mobiltelefons.
"Das glaubt mir keiner", dachte sie glücklich, während sich der Fuchs verwirrt mit Kati in Richtung Station 7 aufmachte.

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Dort angekommen, war das Zimmer von Erna B. schnell gefunden. Die alte Dame schien in ihrem Bett ein wenig vor sich hin zu dösen, aber sie öffnete sofort die Augen, als sie das Geräusch der sich öffnenden Tür hörte und die beiden jungen Leute ihr Zimmer betraten. Sie kannte sie nicht und ganz offensichtlich waren es auch keine Ärzte. Vermutlich wollten sie Verwandte besuchen und hatten sich nur im Zimmer geirrt.

"Ja, bitte?", sagte Erna B. schließlich, als die beiden unschlüssig und schweigend noch immer in der Tür standen und sie aufmerksam betrachteten. Da fasste sich der Fuchs ein Herz: "Entschuldigen Sie bitte die Störung. Dürfen wir uns ein paar Minuten mit Ihnen unterhalten? Geht es Ihnen gut?"
Erna B. nickte verwirrt. "Ja. Natürlich dürft ihr euch hinsetzen und mit mir reden. Und ja - es geht mir gut. Offensichtlich bin ich noch mal davon gekommen und es ist nichts weiter gewesen als ein Schwächeanfall nach all der Aufregung über eine geplatzte Urlaubsreise." Und zögernd fügte sie nach einer kurzen Pause hinzu: "Ein Schwächeanfall und seltsame Halluzinationen."

"Es geht Ihnen also gut", murmelte der Fuchs und atmete auf. "Sehr schön."
Kati suchte unterdessen eine Vase, wickelte die Blumen aus dem Papier und stellte sie dann auf den Nachttisch von Erna B.
"Ach, das ist aber nett von Ihnen", sagte die alte Frau und lächelte. "Aber Sie haben sich doch bestimmt im Zimmer geirrt und die Blumen sind gar nicht für mich."
"Doch", sagte der Fuchs. "Wir haben Sie gesucht. Wir sind gekommen, um uns zu entschuldigen. Es tut uns alles sehr leid, das hätte nicht passieren dürfen. Sie müssen uns glauben, das haben wir wirklich nicht gewollt!"

Verwirrt sah ihn die alte Dame an. "Ich verstehe nicht..."
"Aber jetzt, wo es Ihnen wieder gut geht", sprach der Fuchs weiter, "müssen wir wohl nicht damit rechnen, dass Sie noch Anzeige erstatten werden? Oder?"
Die alte Dame war sprachlos. "Wieso Anzeige..."
Was zum Geier wurde das hier? Wer waren die beiden? Enkeltrick?! Sie sah sich den jungen Mann genauer an. Irgendwie erinnert mich sein Gesicht an einen Fuchs. Woher kenne ich die beiden? Kenne ich sie überhaupt?
Während Erna B. noch grübelte, setzte sich Kati an ihr Bett - "Darf ich?" - und dann nahm sie die Hand der alten Dame und begann sie sanft zu streicheln. "Erinnern Sie sich noch, was passiert ist?"

Obwohl Erna B. sicher war, die beiden nicht zu kennen, tat ihr die Zuwendung der jungen Frau gut. "Möchten Sie mir erzählen, was passiert ist?", fragte Kati behutsam nach. Zunächst zögernd, dann jedoch immer flüssiger, erzählte Erna B. von jenem Tag, an dem sie ins Krankenhaus eingeliefert werden musste.
Sie sei in einem emotionalen Ausnahmezustand gewesen. Erst die Vorfreude auf die lang ersehnte Urlaubsreise, dann die große Enttäuschung. Dieses auf und ab musste ihr einen so hohen Blutdruck verursacht haben, dass sie, kaum dass sie wieder in ihrem Haus war, glaubte, Tierstimmen zu hören.

"Eine Bekannte von mir hört manchmal Meeresrauschen. Und ich höre eben Tierstimmen", winkte sie lächelnd ab, um dann nachdenklich hinzuzufügen: "Aber komisch war es schon, dass ich so plastische Halluzinationen hatte. Ich hätte schwören können, ein Schaf in meiner Badewanne gesehen zu haben. Aber wie sich herausstellte, musste das wohl schon gewesen sein, als ich mich in einer Art Zwischenwelt befand. So hat es mir der Arzt erklärt, als ich nach meinem Herzinfarkt wieder aufgewacht bin. Zum Glück hatte mein Nachbar recht schnell ärztliche Hilfe organisieren können. Wobei ich mir keinen Reim darauf machen kann, weshalb mein Küchenfußboden mit leeren Pizzakartons und angebissenen Verpackungen übersät war."

Schweigend drehte sich Kati zu Fred um und warf ihm einen fragenden Blick zu. Der Fuchs wich aus und sagte leichthin: "Ist doch schön, dass alles wieder gut ist, nicht wahr?"
In der Tat war Fred sehr erleichtert, dass es der betagten Patientin inzwischen wieder gut ging und sie offenbar auch nicht die Absicht hatte, gegen wen auch immer Anzeige zu erstatten. Es sah alles danach aus, dass sie glimpflich davon gekommen waren.
Dankbar eilte er an das Bett und drückte der alten Dame die Hand. "Alles Gute für Sie! Und gute Besserung!"
Kati überreichte Erna B. eine selbst geschriebene Genesungskarte, dann verabschiedeten sich die Besucher. Während die beiden das Zimmer verließen, las Erna B.: "Es tut uns sehr leid. Wir werden Sie nie wieder so erschrecken. Alles Liebe, Fred und Kati."
Verwirrt blickte sie den beiden nach.

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Und damit ist die Geschichte nun wirklich aus erzählt.
Sofort nach ihrer Rückkehr informierten Kati und Fred die Freunde, dass es der alten Dame den Umständen entsprechend gut ging und sie keine unangenehmen Folgen ihres Ausflugs in Erna B.s Badewanne zu befürchten hatten. Die Erleichterung unter den Beteiligten war grenzenlos und Hasi Hase rief im Überschwang: "Jetzt aber wirklich! Das muss gefeiert werden!"

Zwei Tage später war die große Wiese erfüllt von Musik und Gelächter, wobei die meisten Tiere die Veranstaltung als Sommerfest wahrnahmen. Fred hatte den Freunden nämlich geraten, den wahren Grund für diese Party lieber nicht zu erwähnen: Dass sie sehr erleichtert waren und es feierten, noch einmal davon gekommen zu sein und die alte Dame eben doch nicht auf dem Gewissen hatten. Außerdem sei das Fest eine gute Gelegenheit für ein paar offizielle Worte, wie der Fuchs es nannte. Brumm sah Fred verwundert an.

Doch da sprang der Fuchs auch schon auf die Bühne, unterbrach die Musik und bat Hansi Hase nach vorn. Überrascht folgte der Hase Freds Aufforderung. Professor Rabe erschien in seinem eleganten Frack und beglückwünschte Hansi zur Auszeichnung als bester Freund im ganzen Wald.
Wie bitte? Verblüfft hörte der Hase der Laudatio des Professors zu. Dass er als Vermittler großen Erfolg hatte und mit diplomatischem Geschick dafür sorgte, dass Schafi die Entschuldigung des Fuchses angenommen hatte, obwohl der Fuchs das Schaf so furchtbar beleidigt hatte. Und - was wohl noch viel schwerer wog - Hansi hatte die vermeintlich magische Möhre im vergangenen Jahr uneigennützig nur für Dinge eingesetzt, die seinen Freunden halfen. Na gut, mit der Ausnahme, dass er dem Fuchs Durchfall gewünscht hatte, was mit großem Gelächter quittiert wurde. Aber das lief quasi unter Notwehr, denn was zweifelte der Fuchs auch an der Wirkung der magischen Möhre?

Alles in allem hatte sich Hansi diese Auszeichnung wirklich verdient. Stolz ließ er sich die prächtige Schärpe mit den goldenen Lettern umbinden - bester Freund im ganzen Wald! Gerührt betrachtete Frau Hase ihren Gatten und dachte: "Sieh mal an! Wenn das mein Vater selig noch erleben könnte, von wegen Hansi Flitzpiepe und aus dem wird mal nie 'was! Ganz im Gegenteil: Was für ein Prachtkerl, und das ist jetzt meiner bis zum letzten Atemzug! Wenn er nur nicht immer so viel Heidelbeerlikör trinken würde..."
Nun ergriff Fred das Wort. Er beglückwünschte den Hasen zur verdienten Auszeichnung und überreichte ihm zwei Flaschen Heidelbeerlikör. Leider hatte Hansi von da an keine weiteren Erinnerungen mehr an das schöne Fest.

Währenddessen hatte sich Brumm an das Schaf gekuschelt: "Ach Schafi, ich liebe deinen frischen Duft nach Sommer und belebendem Landregen! Überhaupt -" an Isabel gewandt: "Wäre das nicht eine Schlagzeile für die Waldzeitung? Schaf riecht wunderbar nach Frühlingswiese?" Doch Isabel winkte ab: "Brumm, ich gebe doch schon lange keine Zeitung mehr heraus. Das Nachrichten-Business läuft heute komplett online! Aber unter dem Hashtag Waschtag könnte die Geschichte wirklich ganz schnell viral gehen." Aha. Und während sich der Bär noch wunderte, wurde er von Fred auf die Bühne gebeten.

"Mein lieber Brumm, ich muss mich bei dir entschuldigen. Ich hatte dich vorschnell des Diebstahls bezichtigt. Das war ein Fehler. Es tut mir wirklich sehr leid und ich hoffe, du kannst mir verzeihen." Dann holte er etwas hinter der Bühne hervor und überreichte es dem Bären. "Ich glaube, das gehört dir." Es war das von Brumm selbst gemalte Bild, dass Fred heimlich während seiner nächtlichen Höhlendurchsuchung irrtümlich als Beweisstück A mitgenommen hatte.
"Sind wir wieder Freunde?" Bittend sah Fred den Bären an. Da lachte Brumm und wollte gar nicht wieder aufhören. Mit einem Mal fiel die ganze Last der Welt vom Bären ab. Es war überstanden! Er war unschuldig. Alle wussten es. Alle hatten das Geständnis der Elster noch im Ohr. Nichts konnte ihm nun noch den Tag verderben. Er würde mit seinem lieben Eichhörnchen nach Hause gehen und alles würde wieder sein wie immer. Liebe, Friede, Eintracht. Eben ein ganz normales Bärenleben. Keine Aufregung, keine schlaflosen Nächte, keine Fluchtgedanken mehr. Stattdessen Katis Nähe und ihre leckeren Köstlichkeiten. Beim Gedanken daran lachte Brumm noch mehr und wollte gar nicht wieder aufhören, so befreit war er. Es war überstanden!

Und weil er nicht wusste, wohin mit all seinen Glücksgefühlen, drückte er sein kleines Eichhörnchen ganz liebevoll an sich gab ihm sanft ein Küsschen auf die Nase. Und dann machten sich die beiden auf den Weg zum Höhlenkobel.
"Brumm, sag mal, hast du nicht etwas vergessen?"
Verständnislos sah der Bär Kati an. Das Eichhörnchen wiegte die Hüften und deutete eine Tanzbewegung an.
"Ach ja", sagte Brumm schließlich und schlug sich ob seiner Vergesslichkeit mit der Tatze vor die Stirn. Dann kehrte er mit Kati zur Großen Wiese zurück und tanzte zur Freude aller seinen ganz persönlichen Bärenfreudentanz. Und wie wir inzwischen alle wissen, tat er dies nur, wenn er außergewöhnlich glücklich war.

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