Am nächsten Morgen fanden sich die Freunde wie vereinbart wieder in Freds Arbeitszimmer ein. Herr Esel, Schafi und Isabel saßen schon an dem großen Konferenztisch, als Kati und Brumm eintraten. Völlig außer Atem traf schließlich auch Hansi Hase ein: "'Schuldigung, hab mich etwas verspätet", begrüßte er die Anwesenden und bemerkte überrascht zu Brumm: "Du bist auch wieder mit da?"
"Warum denn nicht?", antwortete das kleine Eichhörnchen mit einer Gegenfrage. "Brumm hat nichts zu befürchten."
"Da bin ich mir nicht mehr so sicher", kam Fred ohne Umschweife sofort zur Sache: "Ich präsentiere: Beweisstück A!" Und für alle sichtbar hielt er über seinem Kopf das von Brumm gezeichnete Bild des Portalschlüssels.
"Was ist das?", fragte Herr Esel.
"Siehste doch, der Portalschlüssel", klärte Schafi auf.
Fred nickte. "Ganz recht. Und ratet mal, wo ich dieses Bild gefunden habe." Ohne eine Antwort abzuwarten, fuhr er fort: "In jener Schatulle, in der Brumm seine Schreibutensilien aufbewahrt!"
Ein erstauntes Raunen ging durch den Raum.
"Wo hast du das her?", fragte Isabel den Fuchs mit einem lauernden Unterton.
"Nicht das Woher ist entscheidend, sondern das Warum", parierte Fred. "Also: Warum malt der Bär ein Bild des Diebesguts?"
Was auch immer der Bär mit diesem Bild bezweckte, es schien seine Schuld zu untermauern. Herr Esel sagte: "Brumm wird doch nicht etwa den Diebstahl vorbereitet haben und die Zeichnung diente ihm als Erinnerungshilfe, damit er nicht vergisst, was er zu stehlen vorhatte... Aber eigentlich ist das Quatsch." Und so schob der Esel den Gedanken gleich wieder beiseite.
Hansi hingegen sah verkniffen vom Fuchs zum Bären und vom Bären zurück zum Fuchs. Was ist das nur für eine Wendung? Und sagte leise fragend: "Sollte Brumm seine Beute gezeichnet haben, bevor er den Schlüssel auf Nimmer Wiedersehen verschwinden ließ? Aber warum?"
Fred konnte diese Handlungsweise gut erklären: "Das findet man oft in der Literatur, dass Täter sich ein Stück der Beute aneignen wollen und sei es auch als ein Symbol der eigentlichen Beute. Denn wenn ein Täter die Beute nicht behalten darf, weil das als Beweis seiner Tat dienen könnte, muss er sich von der Beute trennen. Brumm könnte in weiser Voraussicht den Portalschlüssel irgendwo entsorgt haben und sich stattdessen ein Abbild des Schlüssels gefertigt haben."
"Bisschen viel Konjunktiv", warf Isabel Igel ein, gefolgt von Brumms lautem Protest: "Das ist alles ganz schöner Quatsch, was du hier erzählst, Fred!" Und empört stampfte der Bär mit der Hintertatze auf. "Ich kann euch ganz genau sagen, was es mit dem Bild auf sich hat. Das ist nämlich ein Geschenk für meine Kati zum Hochzeitstag", und nun sah er sein kleines Eichhörnchen an. "Weil ich dich doch so lieb habe, wollte ich dir das Bild zum Hochzeitstag schenken, weil es den Schlüssel zu meinem Herzen darstellt und ich wüsste niemanden, bei dem dieser Schlüssel besser aufgehoben wäre als bei dir. Weil du der Schlüssel zu meinem Glück bist." Dann wandte sich Brumm wieder an Fred: "Und jetzt kannst du machen, was du willst. Mir ist das hier zu dumm. Ich gehe nach Hause." Schnell hüpfte Kati hinterher. "Warte Brumm, ich komme mit." Auch Isabel Igel verließ den Fuchsbau. "Ich finde das nicht in Ordnung, dass du Brumm so verdächtigst", tadelte sie Fred statt eines Abschiedsgrußes.
"Mal ganz abgesehen davon, dass es nicht ganz legal ist, wenn du nachts bei Brumm einbrichst und ein Bild stiehlst, auch wenn du glaubst, es sei ein Beweisstück. Es rechtfertigt nicht dein Handeln", sagte Herr Esel missbilligend und verließ ebenfalls den Fuchsbau.
Oje, dachte Fred. Bin ich zu weit gegangen? Habe ich unsere Freundschaft zerstört? Plötzlich klopfte sein Herz rasend schnell. Der Druck wurde immer größer. Er musste, koste es was es wolle, den Täter finden!
Unschlüssig sah er zu Hansi und zu Schafi, die noch am Tisch in seinem Arbeitszimmer saßen. "Tja", sagte Fred schließlich, "sieht ganz so aus, als müsste ich noch mal von vorne anfangen. Irgendetwas habe ich übersehen."
Der Hase sah den Fuchs an und lächelte verschmitzt. "Wir wissen, dass du nichts übersehen hast, mein lieber Fred. Sag doch einfach, dass du den Schlüssel verbummelt hast. Es ist keine Schande. Du bist immer noch der berühmte Detektiv Fred Fuchs, den alle bewundern, weil er so klug und umsichtig ist. Aber auch du darfst mal einen Fehler machen. Das ist normal. Jeder macht Fehler", redete Hansi beruhigend auf Fred ein: "Guck, ich trinke gerne mal ein Glas Heidelbeerlikör zu viel und dann mache ich manchmal seltsame Sachen. Du hast den Portalschlüssel verbummelt, das kann doch mal passieren."
"Habe ich nicht!", begehrte Fred auf. Aber Hansi ging gar nicht darauf ein. Stattdessen schlug er vor: "Lass uns lieber anfangen, den Schlüssel zu suchen! Schafi ist ohne ihn nicht der Wächter des Portals. Dabei ist das doch seine Bestimmung und vielleicht ist das auch der wahre Grund, weshalb ihn der Gott, der magische Möhren wachsen lässt, damals zu uns in den Wald geschickt hat. Erinnerst du dich?" Er wartete keine Antwort des Fuchses ab sondern verabschiedete sich und ging ebenfalls nach Hause.
Schafi sah Fred unschlüssig an. "Na ja, irgendwie hat Hansi recht. Wäre schon schön, wenn wir den Schlüssel wieder besorgen könnten. Irgendwie fühle ich mich ganz nackt so ganz ohne Portalschlüssel. Lass uns auf der großen Wiese eine Versammlung durchführen. Wir müssen den Schlüssel finden und wenn alle suchen helfen, werden wir ihn bestimmt ganz schnell wieder herbei schaffen können. Dafür hat man ja schließlich Freunde, nicht wahr?"
Dann verließ auch das Schaf den Fuchsbau und überließ Fred seinen Gedanken.
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