Der Bär lauschte.
In Gedanken war er noch bei all den Köstlichkeiten, so dass er sich gar nicht richtig konzentrieren konnte. Er hörte den Gesang der Vögel und das Summen der Bienen. Irgendwo in Richtung Waldrand zirpte eine Grille. Nein, da war nichts ungewöhnliches zu hören.
"Hast du bestimmt nur geträumt", sagte Brumm und legte sich wieder ins warme Gras. Er mochte lieber weiter von Pudding und Keksen träumen.
"Nein, hör doch!", widersprach Kati. Und jetzt hörte Brumm es auch. Es klang wie... wie ein... wie ein Möööööh? Und tatsächlich, in einiger Entfernung kam ein kleines Schaf auf sie zugelaufen. Als es den Bären im Gras liegen sah, blieb es abrupt stehen.
"Du musst keine Angst haben", beruhigte Kati das Schaf. "Das ist Brumm, der liebste Bär von allen Bären auf der ganzen Welt. Und ich bin Kati, das kleine Eichhörnchen," stellte sie sich und den Bären vor. "Und wer bist du?", wollte sie wissen.
"Meine Mama sagt immer Schafi zu mir, und wenn ich Dummheiten mache, ruft sie mich bei meinem richtigen Namen: Mae".
"Oh!", erwiderte Brumm. "Hallo Schafi!"
"Hallo Brumm", antwortete das kleine Schaf schüchtern und wich einen Schritt zurück. "Meine Mama sagt aber, vor Bären müssen wir uns verstecken. Und vor Wölfen auch."
"Das kann ich gut verstehen", stimmte Brumm dem Schaf zu, das nun erschrocken noch weiter zurück wich. "Nein, nein, vor mir musst du dich nicht verstecken", versicherte Brumm. "Aber Wölfe mag ich auch nicht", und zum Beweis erzählte er die Geschichte, wie er sich gemeinsam mit Hansi Hase gegen die drei Wölfe verteidigen musste, als sie letztes Jahr auf dem Weg zur Silbernen Tanne unterwegs waren.
"Das war vielleicht aufregend!", schloss er seine Geschichte. "Und wie kommst du hier her? Ich habe ein Tier wie dich noch nie gesehen", fragte er das kleine Schaf.
"Das weiß ich leider auch nicht", antwortete Mae betrübt. "Ich habe mit meiner Herde auf einer Wiese gegrast, dann habe ich einen Schmetterling beobachtet und bin ihm gefolgt. Irgendwo im Wald hab ich ihn dann aus den Augen verloren und wusste nicht mehr, in welche Richtung ich laufen muss, um zu meiner Mama zurückzukommen. Ich habe ganz laut gerufen und gerufen, aber niemand hat mich gehört. Und dann kam ich auf diese Wiese und habe euch getroffen."
"Ach du armes Ding", sagte das Eichhörnchen voller Mitgefühl. "Und jetzt suchst du deine Mama?"
"Ja", antwortete das kleine Schaf und sah Kati traurig an.
"Du bist bestimmt hungrig und müde", sagte der Bär.
"Nein, hungrig nicht. Hier wächst ja überall Gras und ich habe auch schon ein bisschen Sauerampfer gefunden. Den mag ich nämlich am liebsten, auch wenn wenn meine Mama dann immer mit mir schimpft. Aber ich habe großen Durst und bin dolle müde."
"Dann komm erst mal mit zu uns", schlug das kleine Eichhörnchen vor. "Wir haben erfrischende Himbeerlimonade und in Brumms großem Bett kannst du dich ausruhen. Und wir überlegen inzwischen, wie wir dich zu deiner Familie zurückbringen können, ja?"
Schafi nickte und wedelte freudig mit dem Schwanz.
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