Teil 3

Die Suche nach Schafis Mama

© Jens Mende, 2020
Kapitel:

1

Ach, wie sehr genoss Brumm diesen Moment! Er lag auf der großen Wiese und ließ sich den Pelz von der Sonne wärmen. Das kleine Eichhörnchen hatte sich in sein Bauchfell gekuschelt und schien eingeschlafen zu sein. Er atmete ganz vorsichtig, um seine liebe Kati nicht zu stören.
So ein schöner Sommertag, dachte der Bär zufrieden und blinzelte in den Himmel. Könnte es nicht immer so sein? Keine abenteuerlichen Reise zur Silbernen Tanne, keine Aufregung - einfach nur das Eichhörnchen in seiner Nähe und die Sonne auf dem Pelz?

Wenn Brumm so zurück dachte, dann waren für ihn immer jene Zeiten am schönsten, in denen so gar nichts passierte. Schon seine liebe Tante Bärnadette hatte gesagt, Aufregung ist nicht gut für den Magen. Und wie recht sie doch hatte! Er war noch ein kleiner Bär, als sich der Tante Spruch zum ersten Mal bestätigte.

Gemeinsam war er mit den anderen Tierkindern zum Rummelplatz am Waldrand gelaufen - oh, das war toll! Es gab Zuckerwatte und Lebkuchenherzen und überall roch es verführerisch nach Leckereien, dass der kleine Brumm sich immerzu das Schnäuzchen lecken musste.
Aber die allergrößte Sensation war das Karussell in der Mitte des Rummelplatzes. Sofort stürmten die Tierkinder los und balgten sich um die wenigen freien Plätze. Für Brumm war das eine Kleinigkeit - mit seinen kräftigen Tatzen bahnte er sich mühelos den Weg und setzte sich voller Vorfreude auf ein weißes Holzpferdchen und konnte es kaum erwarten, dass die wilde Fahrt begann.

Doch plötzlich hörte er eine laute, tiefe Stimme. Es war der Mann, dem das Karussell gehörte.
"Der Kleine da, der dicke, der darf nicht auf's Karussell, der ist zu schwer!"
Jetzt stand er direkt vor Brumm: "Los, runter! Du machst mir sonst mein Karussell kaputt!"
Mit hochrotem Kopf und gesenktem Blick rutschte der kleine Brumm von dem Holzpferdchen herunter. Am liebsten hätte er sich jetzt in der tiefsten Höhle der Welt verkrochen. Und das Gekicher der anderen Tierkinder dröhnte in seinen Ohren. Nein, Tante Bärnadette hatte Recht. Aufregung ist nicht gut für den Magen. Noch Tage nach diesem Erlebnis hatte ihm kein Honig geschmeckt!

Er verscheuchte die Erinnerung an jenen Tag in seiner Kindheit. Stattdessen betrachtete er den Himmel. Das machte er gern. Eine Wolke sah aus wie eine Torte mit Schlagsahne. Oh ja, dachte Brumm, sobald Kati aufwacht muss ich sie bitten, uns etwas Leckeres für das Kaffeetrinken zu backen.
Honigschnitten. Schokoladenplätzchen. Oder Erdbeerpudding! Voller Vorfreude lief ihm das Wasser im Mund zusammen, als plötzlich...

Kati richtete sich auf und spitzte die Ohren. "Hörst du das auch?", fragte sie Brumm und hüpfte aufgeregt zu dessen Kopf und drehte ihn in die Richtung, aus der sie das Geräusch gehört zu haben meinte.

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2

Der Bär lauschte.
In Gedanken war er noch bei all den Köstlichkeiten, so dass er sich gar nicht richtig konzentrieren konnte. Er hörte den Gesang der Vögel und das Summen der Bienen. Irgendwo in Richtung Waldrand zirpte eine Grille. Nein, da war nichts ungewöhnliches zu hören.
"Hast du bestimmt nur geträumt", sagte Brumm und legte sich wieder ins warme Gras. Er mochte lieber weiter von Pudding und Keksen träumen.
"Nein, hör doch!", widersprach Kati. Und jetzt hörte Brumm es auch. Es klang wie... wie ein... wie ein Möööööh? Und tatsächlich, in einiger Entfernung kam ein kleines Schaf auf sie zugelaufen. Als es den Bären im Gras liegen sah, blieb es abrupt stehen.

"Du musst keine Angst haben", beruhigte Kati das Schaf. "Das ist Brumm, der liebste Bär von allen Bären auf der ganzen Welt. Und ich bin Kati, das kleine Eichhörnchen," stellte sie sich und den Bären vor. "Und wer bist du?", wollte sie wissen.
"Meine Mama sagt immer Schafi zu mir, und wenn ich Dummheiten mache, ruft sie mich bei meinem richtigen Namen: Mae".
"Oh!", erwiderte Brumm. "Hallo Schafi!"
"Hallo Brumm", antwortete das kleine Schaf schüchtern und wich einen Schritt zurück. "Meine Mama sagt aber, vor Bären müssen wir uns verstecken. Und vor Wölfen auch."

"Das kann ich gut verstehen", stimmte Brumm dem Schaf zu, das nun erschrocken noch weiter zurück wich. "Nein, nein, vor mir musst du dich nicht verstecken", versicherte Brumm. "Aber Wölfe mag ich auch nicht", und zum Beweis erzählte er die Geschichte, wie er sich gemeinsam mit Hansi Hase gegen die drei Wölfe verteidigen musste, als sie letztes Jahr auf dem Weg zur Silbernen Tanne unterwegs waren.
"Das war vielleicht aufregend!", schloss er seine Geschichte. "Und wie kommst du hier her? Ich habe ein Tier wie dich noch nie gesehen", fragte er das kleine Schaf.

"Das weiß ich leider auch nicht", antwortete Mae betrübt. "Ich habe mit meiner Herde auf einer Wiese gegrast, dann habe ich einen Schmetterling beobachtet und bin ihm gefolgt. Irgendwo im Wald hab ich ihn dann aus den Augen verloren und wusste nicht mehr, in welche Richtung ich laufen muss, um zu meiner Mama zurückzukommen. Ich habe ganz laut gerufen und gerufen, aber niemand hat mich gehört. Und dann kam ich auf diese Wiese und habe euch getroffen."
"Ach du armes Ding", sagte das Eichhörnchen voller Mitgefühl. "Und jetzt suchst du deine Mama?"
"Ja", antwortete das kleine Schaf und sah Kati traurig an.

"Du bist bestimmt hungrig und müde", sagte der Bär.
"Nein, hungrig nicht. Hier wächst ja überall Gras und ich habe auch schon ein bisschen Sauerampfer gefunden. Den mag ich nämlich am liebsten, auch wenn wenn meine Mama dann immer mit mir schimpft. Aber ich habe großen Durst und bin dolle müde."
"Dann komm erst mal mit zu uns", schlug das kleine Eichhörnchen vor. "Wir haben erfrischende Himbeerlimonade und in Brumms großem Bett kannst du dich ausruhen. Und wir überlegen inzwischen, wie wir dich zu deiner Familie zurückbringen können, ja?"
Schafi nickte und wedelte freudig mit dem Schwanz.

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3

Nun war Schafi endlich in Brumms Bett eingeschlafen.
Kati hatte ihm ein großes Glas von der selbstgemachten Himbeerlimonade gegeben, die das kleine Schaf hastig trank, so einen Durst hatte es.
"Langsam", mahnte Kati fürsorglich. "Sonst bekommst du noch Bauchweh!" Und wer konnte schon besser wissen, wie schlimm dolles Bauchweh sein kann, als das kleine Eichhörnchen? Sie dachte an das vergangene Weihnachten, als Brumm und Hansi Hase auf einer abenteuerlichen Reise voller Gefahren die Zapfen der Silbernen Tanne besorgten, damit Dr. Uhu ihr daraus eine Medizin gegen ihre Bauchschmerzen zubereiten konnte. Und wie dankbar sie war, als sie wieder gesund war.

Nach dem Mae die Limonade ausgetrunken hatte, brachte Kati es ins Bett. Und damit das kleine Schaf besser einschlafen konnte, setzte sich der Bär an den Bettrand und erzählte eine Gute-Nacht-Geschichte, die er sich, während er langsam erzählte, ausdachte. Die Geschichte handelte von einem kleinen Schaf, das sich verlaufen hatte und im Wald ein kleines Eichhörnchen und einen Bären kennenlernte. Es hatte viel Spaß im Wald und fand viele neue Freunde, die ihm halfen, zu seiner Familie zurückzufinden und am Ende feierten alle ein großes Wiedersehensfest. Aber da war der kleine Mae schon eingeschlafen.

"Und was machen wir nun?", fragte Kati Brumm, als er leise hinter sich die Tür zum Schlafzimmer schloss und sich zu ihr in die Küche seiner Höhle setzte.
Brumm kratzte sich nachdenklich am Kopf. Wo sollten Kati und er die Suche beginnen? Er wusste zwar, dass es hinter dem Waldrand viele Wiesen gab, aber auf welcher davon könnten sie Schafis Familie finden? Und wie viel Proviant müssten sie einpacken, wenn sie doch gar nicht wussten, wie lange die Suche dauern könnte? Katis kleiner Vorratsbeutel wäre schnell gepackt. Sie brauchte ja nur ein paar Nüsse. Aber er? Fisch, Honig, Kuchen, Schokoladenpudding... Schwierige Sache, dachte der Bär. Und ein Schinken wäre auch nicht schlecht.

Kati sah Brumm an und wusste genau, was sich gerade im Kopf des Bären abspielte. "Kann es sein, dass du gerade die Vorräte planst, statt zu überlegen, wo wir Schafis Familie finden können?"
"Nein gar nicht", widersprach Brumm vehement. "Schokoladenpudding... ähm... wir müssen den Fuchs fragen. Der ist schlau, der weiß immer Rat", schlug der Bär hastig vor.

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4

"Genau! Das ist nämlich die Lösung", bekräftigte Brumm seinen Vorschlag. "Wir müssen den Fuchs fragen! Der weiß bestimmt, wie man so eine Suche nach Schafis Mama organisieren muss." Kati nickte zustimmend.

Brumm mochte den Weg zum Fuchs übrigens sehr. An der Biegung vor der großen Lichtung standen Himbeersträucher, von denen er so gern naschte. Und ein kleines Stück weiter wusste er einen Wildbienenstock. Oh, wie liebte er diesen Honig! Inzwischen hatte er auch seine Technik deutlich verbessert, um an den Honig zu gelangen, ohne zerstochen zu werden...
"Am besten, ich gehe gleich mal zu Fred", bekräftigte er seinen Vorschlag und das Wasser lief ihm schon im Munde zusammen.
"Das ist eine gute Idee", sagte Kati lächelnd. Bei der Gelegenheit kann Brumm Himbeeren und Honig naschen, dachte sie und schmunzelte dabei. "Dann lauf du jetzt schnell zum Fuchs und ich bleibe inzwischen hier, damit der kleine Mae nicht allein ist, wenn er aufwacht."

"Du hast überhaupt immer die besten Ideen", sagte der Bär voller Anerkennung zu seinem lieben Eichhörnchen. Vorsichtig umarmte Brumm seine Kati und machte sich auf den Weg zu Fred, dem Fuchs. Vergnügt brummte er vor sich hin und Kati konnte ihn noch ein gutes Weilchen hören.
Leise ging sie hinüber ins Schlafzimmer und überzeugte sich davon, dass das kleine Schaf friedlich schlief. Dann setzte sie sich in den Schaukelstuhl, den Prof. Rabe und Herr Uhu letztes Jahr zu Weihnachten aus ihrem Kobel in Brumms Höhle geräumt hatten.

Gemeinsam hatten die Tiere des Waldes damals entschieden, dass es besser für Kati sei, für eine Weile bei Brumm in dessen Höhle zu wohnen. Immerhin war sie nur mit knapper Not dem Angriff des Baummarders entkommen. Kati schauderte es beim Gedanken an jenen Moment, als der Marder dicht hinter ihr herjagte und sie sich nur mit letzter Mühe retten konnte. Nein, es war schon besser, vorerst nicht allein im Kobel zu sein. Denn wer würde es schon wagen, ein Eichhörnchen zu attackieren, dass bei einem Bären wohnt?
Kati griff nach einem Buch und begann zu lesen.

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5

Nachdenklich betrachtete der Fuchs die Postkarte, die er gerade in seinem Briefkasten gefunden hatte. Darauf war ein großer Eisberg inmitten eines saphirblauen Meeres zu sehen, auf dem Eisschollen trieben.
So ein schönes Bild, dachte Fred und drehte die Karte neugierig um. Sein Vetter Ragnar hatte ihm geschrieben und bat Fred um Hilfe.

"Fred, ich brauche deine Hilfe", hörte der Fuchs in diesem Moment die aufgeregte Stimme Brumms, der infolge einer ausgiebigen Zwischenmahlzeit, bestehend aus Himbeeren und Wildbienenhonig, seinen dicken Bauch streichelte und nach Luft rang.
"Dann stell dich am besten hinten an, mein pelziger Freund", antwortete Fred und deutete auf die Postkarte zwischen seinen Vorderpfoten. "Mein Vetter Ragnar bittet mich auch um Hilfe und möchte, dass ich ihn besuche."
"Ich wusste gar nicht, dass du einen Vetter hast", erwiderte der Bär überrascht. Da ist man nun schon so lange befreundet und weiß gar nicht viel voneinander, dachte Brumm verwundert.

"Wir Füchse haben Verwandte überall auf der Welt. Meine Mama hatte mir mal von den Füchsen erzählt, die am Nordpol wohnen; sie haben ein schneeweißes Fell. Dort lebt auch mein Vetter Ragnar. Und stell dir vor, es soll sogar einen Wüstenfuchs geben! Was auch immer das ist." Nachdenklich fuhr Fred fort: "Wenn ich mich nicht irre, müsstest du im Norden auch Verwandte haben."

Brumm schüttelte den Kopf. "Nicht das ich wüsste."
"Eisbären?", half der Fuchs nach.
"Eisbären?", wiederholte Brumm und schloss genießerisch die Augen. "Schokoladeneisbären, Erdbeereisbären, Vanilleeisbären..." murmelte er und schnalzte mit der Zunge. Das muss ein interessantes Land sein, dieser Norden, wo es anscheinend Bären aus Eis zu geben schien! Die Worte sprudelten nur so aus Brumms Mund, als er dem Fuchs beschrieb, wie er sich das Land am Nordpol vorstellte.

Fred unterbrach ihn lachend: "Nein Brumm, da liegst du völlig falsch. Es ist da nur sehr kalt und das ganze Jahr über liegt Schnee. Wie bei uns zu Weihnachten."
"Dann ist da jeden Tag Weihnachten?", fragte Brumm ungläubig. Das würde seiner Kati aber sehr gefallen! Dann besann er sich aber auf sein eigentliches Anliegen: "Bitte komm mit in meine Höhle, wir brauchen deinen Rat. Kati hat auch Himbeerlimonade gemacht!"

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6

"Ach Brumm, dafür brauchst du doch meine Hilfe nicht", sagte der Fuchs lächelnd. "Den Jahresvorrat der Himbeerlimonade trinkst du doch an einem Tag weg, wenn Kati nicht so gut aufpassen würde!"
"Nein", wehrte der Bär ab. "ich dachte doch nur, weil es heute so heiß ist und du vielleicht durstig sein wirst, wenn du mit zu meiner Höhle kommst. Du hättest dir dann eine Belohnung verdient, denn der Weg ist ja ziemlich anstrengend!"

"Ja klar", antworte der Fuchs lächelnd, "an den Brombeersträuchern vorbei und dann zum Wildbienenstock - da wächst das Bäuchlein quasi von ganz allein und mit dem dicken Bauch ist jeder Weg anstrengend!"
"Was soll ich denn machen?", fragte der Bär kleinlaut. "Wenn ich doch so gerne esse? Und Kati kocht eben auch so gut. Stell dir vor, gestern gab es Lachs in Sahnesoße und..."

"Brumm, was willst du?", unterbrach ihn Fred, denn er wusste genau, wenn er den Bären jetzt nicht stoppte, würde der ihm minutiös den Speiseplan der vergangenen Tage aufzählen.
"Also...", begann Brumm. Und dann erzählte er seinem Freund vom kleinen Mae, der sich verlaufen hatte. Und Kati und er hatten versprochen, ihm zu helfen.

"So so, ein kleines Schaf also", fasste Fred zusammen. "Und dafür braucht ihr meine Hilfe? Ich dachte, es wäre mal wieder eine Nusstorte gestohlen wurden. Also: Wie schwer kann es sein, eine Schafherde auf einer Wiese zu finden?"
"Es muss schon die richtige Schafherde sein", wandte Brumm ein.
"Stimmt", sagte der Fuchs nachdenklich. "Also gut, ich komme mit."

"Bestimmt müssen wir dann auch wieder eine Besprechung mit allen Tieren des Waldes auf der großen Wiese einberufen und uns danach in meiner Höhle treffen und die Suchaktion organisieren?", fragte Brumm.
"Gar keine schlechte Idee, mein pelziger Freund", antwortete Fred anerkennend. Und gemeinsam machten sie sich auf den Weg zu Brumms Höhle.

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7

In Windeseile hatten sich die Tiere zur Besprechung auf der großen Wiese eingefunden. Neugierig plapperten die Hasenkinder durcheinander, mehrfach von Hansi Hase ermahnt, doch endlich still zu sein, denn er wollte hören, was der Anlass für die Zusammenkunft sei.

Isabell Igel verfolgte mit aufmerksamer Miene das bunte Durcheinander, in Gedanken formulierte sie bereits einen ersten Stimmungsbericht für die Sonderausgabe der Waldzeitung.
Erika Elster erklärte mit stolz geschwellter Brust dem neben ihr auf einem Ast sitzenden Sebastian Spatz, dass ihr Neffe Engelbert aus der Stadt zu Besuch sei und er seiner Tante alle Ehre machte. "Stell dir nur vor, der Kleine stibitzt so schnell wie kein anderer die Kaffeelöffel aus dem Stadt Café - kein Zweifel, das hat er von mir!"

"Fang an", sagte Fred nun zu Brumm, der sich einige Male räusperte, aber der Lärm ebbte nicht ab. So begann er mit aufgeregter Stimme zu erzählen.
"Pssst! Leise!", rief da Opa Hirsch mit seiner tiefen Stimme und erschrocken schauten die Tiere ihn an. "Nicht mir müsst ihr zuhören, sondern Brumm", versuchte er die Aufmerksamkeit der Waldbewohner von sich abzulenken. Und tatsächlich richteten sich nun alle Blicke auf den Bären. Das machte Brumm noch nervöser.

"Es ist nämlich so...", begann er von neuem, "also wir lagen heute Nachmittag hier, die Kati und ich und die Sonne schien und... und auf einmal... also warum wir heute hier sind..." Hilflos schaute er den Fuchs an.
"Kann das denn so schwer sein, einfach zu erzählen was passiert ist und Suchtrupps zusammenzustellen?", flüsterte er dem Bären zu.

Da holte Brumm ganz tief Luft und begann zu erzählen. Von dem schönen Nachmittag auf der großen Wiese und dass ihnen ein kleines Schaf zugelaufen war, das seine Mama nun sehr vermisste und er die Tiere des Waldes nun bittet, ihm bei der Suche nach Schafis Mama zu helfen.

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8

Kaum hatte Brumm seine kleine Rede beendet, schwoll das Gemurmel der Tiere auf der großen Wiese wieder an.
"Na klar helfen wir dir", riefen Pieps und Pups, die Mäusezwillinge, die inzwischen schon richtig große Mäuse waren.
"Los, mir nach!" forderte Hansi Hase die in seiner Nähe stehenden Tiere auf und er gab sich Mühe, mit tiefer Stimme zu sprechen. Aufgeregt flatterte Erika Elster mit ihren Flügeln und Sebastian Spatz imitierte das Geräusch eines Funkspruchs, in dem er mit geschlossenem Schnabel sagte: "Hier Sebastian Spatz, Adlerauge, bitte melden!"

"Jetzt wartet doch erst mal!", rief der Fuchs energisch in das Gelächter der Tiere. "Wir können nicht wie die Hühner durch den Wald rennen und aufs Geradewohl mal hier, mal da suchen!"
"Was schlägst du stattdessen vor?", fragte Opa Hirsch.
"Wir bilden Suchtrupps. Immer vier, fünf Tiere", antwortete Fred. "Jeder Suchtrupp läuft in eine Himmelsrichtung. Die Luftaufklärung übernehmen Erika Elster und Sebastian Spatz. Ihr seht von da oben viel besser und könnt die Suchtrupps anleiten."

Voller Bewunderung schaute Brumm zum Fuchs. Der wusste in jeder Situation, was zu tun war! Alles was er sagte, klang immer irgendwie richtig. Meine Fresse, ist der klug! Liegt bestimmt an seiner Ernährung!
Wobei? Was aß Fred denn? Fisch? Honig? Nö! Brumm kratzte sich nachdenklich den Hinterkopf.

"Wo ist denn das kleine Schaf jetzt?", riss ihn Isabell Igel aus seinen Gedanken.
"Es wohnt erst mal bei mir in der Höhle, Kati kümmert sich ganz lieb um unseren Gast", antwortete der Bär. Und zog für einen Moment in Erwägung, seine Ernährung umzustellen.

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9

Kati saß mit Schafi auf Brumms großem Bett. Das Eichhörnchen hatte ein Fotoalbum mit Bildern aus ihrer Kindheit hervor geholt und erzählte zu jedem Foto eine kleine Geschichte.
"Hier hab ich mein erstes Nusseis bekommen, das war sehr lecker!"
Schafi hörte aufmerksam zu. Plötzlich zeigte es ganz aufgeregt auf ein anderes Foto, dass es besonders interessant fand. "Was machst du denn da?", wollte es von Kati wissen.
"Oh, da bin ich noch ganz klein und fahre auf einem Karussell. Das hat großen Spaß gemacht!" "Ich möchte auch Karussell fahren!", bettelte Mae und sah das Eichhörnchen mit seinen großen, schwarzen Augen an.

"Aber wir haben hier im Wald kein Karussell", sagte das kleine Eichhörnchen mit Bedauern in der Stimme.
"Dann gehen wir dahin, wo es ein Karussell gibt, ja? Ja ja ja ja ja?", bettelte Schafi.
"Ich weiß nicht, wo wir da hin gehen müssten", antwortete Kati und streichelte Mae am Ohr, das mochte er nämlich sehr.

In diesem Augenblick kam Brumm nach Hause und erzählte, dass am nächsten Tag die größte Suchaktion der Waldgeschichte beginnen werde. Er lobte Freds Umsichtigkeit und fand den Plan des Fuchses sehr genial.
"Siehst du, kleiner Schatz", sagte Kati mit viel Liebe in der Stimme zu Schafi, "bald werden wir deine Mama gefunden haben."
"Und dann kann ich Karussell fahren, ja?", freute sich das kleine Schaf.

"Aber jetzt ist erst mal Schlafenszeit", sagte Brumm, der beim Wort "Karussell" wieder sein nervöses Augenzucken bekam. Und er duldete auch keinen Widerspruch, als Mae gern noch weiter in Katis Fotoalbum blättern wollte.
Sie einigten sich schließlich auf eine Gute-Nacht-Geschichte, die Brumm erzählen sollte.

So setzte sich der Bär ans Bett und begann von jenem Tag vor zwei Jahren zu erzählen, als Brumm das kleine Eichhörnchen kennengelernt hatte. Aber Kati unterbrach ihn schnell: "Vielleicht erzählst du lieber von deiner Reise zur Silbernen Tanne, mein lieber Brumm? Das ist doch viel aufregender gewesen als der Tag, an dem du mich vor den Waldbienen retten musstest." Und lächelnd zwinkerte das Eichhörnchen dem Bären zu. Aber da war das kleine Schaf nach diesem anstrengendem Tag bereits eingeschlafen.

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10

Brumm und Kati schlichen sich auf Zehenspitzen aus dem Schlafzimmer. Jetzt bloß kein Geräusch machen, dachte Brumm und bumms! Da war es schon passiert! Der Bär war über das kleine Eichhörnchen gestolpert und stieß ungebremst gegen die Schlafzimmertür.
"Brumm!", ermahnte Kati den Bären, da hörten sie schon Schafis zartes Stimmchen: "Geschichte erzählen, Geschichte erzählen!"

"Also gut", sagte der Bär seufzend und setzte sich zu Schafi auf den Bettrand.
"Es war im vergangenen Jahr in der Weihnachtszeit, da ging es dem kleinen Eichhörnchen gar nicht gut. Es hatte dolle Bauchweh..."
"Ist das kleine Eichhörnchen mit einem Apfel von der bösen Königin vergiftet worden?", fragte das Schaf.
"Nein", antwortete Brumm. "In unserem Wald gibt es keine böse Königin." Wenn man von der Elster absehen möchte, ergänzte der Bär in Gedanken.

"Dann hat das Eichhörnchen etwas schlechtes gegessen und sich den Magen verdorben?"
"Nein, auch nicht. Wie kommst du denn auf so etwas?", fragte Brumm irritiert.
"Weil es ja einen Grund geben muss für das dolle Bauchweh. Meine Mama fragt mich auch immer alle möglichen Sachen, wenn ich Bauchweh habe. Meistens ist ihre erste Frage, ob ich wieder Sauerampfer gegessen habe."
Der Bär überlegte kurz. "Ich glaube, Kati hat in ihrem ganzen Leben noch nie Sauerampfer gegessen."
"Da hat sie aber was verpasst", sagte das kleine Schaf aus tiefster Überzeugung zu Brumm. Und zu Kati gewandt: "Da hast du aber wirklich was verpasst! Vielleicht hattest du gerade deshalb Bauchweh, weil du keinen Sauerampfer genascht hast?"

Jetzt musste Kati lachen. Dann erklärte sie dem Schaf geduldig, dass niemand die Ursache für ihre Krankheit wusste. Nicht Dr. Uhu, nicht Prof. Rabe - niemand. Und dass sich schließlich Hansi Hase und Brumm auf eine beschwerliche Reise aufmachten, um die Zapfen der Silbernen Tanne zu holen.

"Dr. Uhu machte dann daraus Medizin für mich und ich bin ganz schnell wieder gesund geworden", schloss Kati ihre Erklärung. "Stimmt's, Brumm?", wandte sie sich nun an den Bären, damit er die Geschichte aus seiner Sicht fortsetzen konnte. Doch der Bär war längst eingeschlafen. Gleichmäßig atmend, lag er, das Schaf eng an ihn angekuschelt im Bett und Kati überlegte für einen Moment, ob sie jemals ein friedvolleres Bild gesehen habe.

Dann löschte sie das Licht und legte sich ebenfalls schlafen.

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11

Bei Tagesanbruch verließ der Bär die Höhle.
Kati hatte ihm einen imposanten Vorrat eingepackt, damit er bei der Suche nach Schafis Mama nicht an Hunger litt. Bumm traf sich wie verabredet an der großen Eiche mit Sebastian Spatz, Hansi Hase und Fred dem Fuchs. Als Fred Brumms Vorratsbeutel sah, konnte er sich eines Lächelns nicht erwehren.

"Sag mal Bär, wie lange glaubst du, werden wir unterwegs sein? Ein Jahr? Zwei Jahre?", und er lachte lauthals los, weil der Bär so ein verdutztes Gesicht machte.
"Fred glaubt, dass du viel zu viel Essen eingepackt hast", half Hansi Hase Brumm auf die Sprünge.
"Ach so, na ja. Man kann ja nie wissen", antwortete der Bär vielsagend.

Es war vereinbart, dass sie bis zum frühen Nachmittag immer nach Norden laufen sollten, begleitet vom Spatz, der über den Wipfeln der Bäume Ausschau halten würde. Irgendwann müssten sie dann den Waldrand erreichen und bestenfalls auf der angrenzenden Wiese die Herde mit Schafis Mama finden. So bliebe noch genügend Zeit für den Heimweg, um vor Einbruch der Dunkelheit wieder zu Hause zu sein.

Die drei Freunde marschierten los. Gutgelaunt folgten sie dem Weg, der sich durch den Hochwald schlängelte. Über ihnen Sebastian, der von Zeit zu Zeit eine Beschreibung des vor ihnen liegenden Weges gab. Hansi Hase summte ein Kinderlied und Brumm fühlte sich an die Reise zur Silbernen Tanne erinnert. Da hatte ihn der Hase auch mit Liedern unterhalten, die er abends am Bett seiner Kinder sang.

Nun folgte der Weg einer Anhöhe.
Inzwischen waren sie schon fast drei Stunden unterwegs. Aber je höher die Sonne stieg, umso beschwerlicher wurden die Schritte und der Hase hatte bereits vor einer Weile aufgehört zu singen.

"Jetzt nicht schlapp machen, Freunde", versuchte der Fuchs zu motivieren.
"Lasst uns eine Pause machen", schlug der Bär vor, "ich habe Hunger!"
"Ich auch", antwortete der Hase.
So setzten sich die Freunde in den Schatten einer mächtigen Eiche und bedienten sich aus Brumms Reiseproviant. Selbst der Spatz konnte einige Krümel aufpicken.

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12

Kaum war die Rast beendet, drängte der Fuchs zum Aufbruch. Brumm wollte gern noch ein Mittagsschläfchen halten, aber er wurde von den Freunden überstimmt. Maulend verstaute Brumm seinen Proviant, dann liefen die Freunde immer weiter Richtung Norden, doch auch am Nachmittag hatten sie den Waldrand noch immer nicht erreicht. So begab sich Sebastian auf einen weiteren Erkundungsflug. Doch als er nach einiger Zeit zurückkehrte, hatte er keine Hoffnung machende Nachricht. Das Ende des Waldes sei noch mindestens einen Tagesmarsch entfernt.

Betrübt hielten die Freunde Rat. Dann schlug Hansi Hase vor, weiterzulaufen und bei Anbruch der Dunkelheit das Nachtlager aufzuschlagen.
"Wenn wir im Wald übernachten und morgen bei Tagesanbruch weiterlaufen, erreichen wir im Laufe des Tages den Waldrand und können nach Schafis Familie suchen. Vielleicht haben wir Glück", begründete der Hase seinen Vorschlag.
"Da ist was dran", stimmte der Fuchs nach einigem überlegen zu. "Aber leider ohne mich, Freunde. Ich muss heute noch zurück nach Hause."

"Wieso denn?", wollte Brumm wissen.
"Ich hatte euch doch erzählt, dass mich mein Vetter Ragnar um Hilfe gebeten hat. Seiner Tochter Patricia wurde der Schlitten gestohlen und ich soll den Dieb ausfindig machen. Doch Ragnar wohnt in einem Land weit oben im Norden. Dort liegt an jedem Tag des Jahres Schnee und es ist sehr kalt. Ich muss morgen meine Sachen packen, um wie vereinbart übermorgen aufzubrechen, denn die Reise ist sehr beschwerlich."

"Aber wir brauchen dich doch hier!", begehrte Brumm auf und es entspann sich eine lebhafte Diskussion. Die Suche nach Schafis Mama könne nur unter Freds fachmännischer Leitung gelingen, wandte der Hase ein und Brumm stimmte Hansis Argument zu. Und überhaupt fand Brumm, dass es ja wohl nichts wichtigeres geben könne, als die Mama eines kleinen verirrten Schafes wiederzufinden. Da müsse der gestohlene Schlitten von Vetter Ragnars Tochter hinten anstehen!

Schließlich kamen die Freunde überein: Fred hilft weiter bei der Suche nach Schafis Mama und anschließend wollten die Freunde gemeinsam so lange Karl Kranich, der ein erfahrener Pilot war, bestürmen, dass Fred mit dessen Flugzeug zum Nordpol geflogen wird.
"Das spart nämlich ordentlich Reisezeit", sagte der Hase mit Pathos in der Stimme.

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13

Immer wieder sah das Eichhörnchen auf die Uhr. Wo der Bär nur blieb?
Inzwischen war aus der Ungeduld ernste Sorge geworden.
Heute morgen war er bei Tagesanbruch aufgebrochen, um mit Hansi Hase, Fred und Sebastian zum nördlichen Waldrand zu laufen. Sie wussten, dass an der angrenzenden Wiese jedes Jahr im Sommer Schafe weideten. Vielleicht würden sie hier die Mama des kleinen Mae finden. Sie waren sich sicher, dass sie bis zum Abend wieder zurück sein würden. Aber nun neigte sich der Tag dem Ende und der Bär war noch immer nicht zurückgekehrt.

Voller Sorge lief Kati in Brumms Küche auf und ab. Dieses untätige Warten machte das Eichhörnchen noch verrückt! Anfangs hatte sie mit Mae am großen Tisch gesessen und mit Buntstiften, die Kati in all dem Krimskrams des Bären gefunden hatte, Bilder gemalt. Doch die Unruhe wuchs beständig und auch Schafi spürte, dass etwas nicht in Ordnung war.

Nun verließ das Eichhörnchen die Höhle und schaute in die Richtung, aus der sie den Bären erwartete. Angestrengt sah sie in die beginnende Dämmerung. Kein Brumm in Sicht! In der Ferne hörte sie ein Käuzchen rufen. Das Geräusch wirkte im fahlen Licht des zu Ende gehenden Tages unheimlich und ließ das kleine Eichhörnchen frösteln.

Wenn er nicht bald kommt, dachte Kati voller Sorge, werden wir einen Suchtrupp losschicken müssen, um den Suchtrupp zu suchen.
Bei dem Gedanken schauderte ihr. Dann müsste sie zur Eule gehen und um ihre Hilfe bitten. Die Eule sieht nachts besser als jeder andere hier im Wald bei Tag, dachte Kati. Aber die Eule war ihr immer sehr unheimlich. Ein Einzelgänger, grüßte nie und beteiligte sich auch nicht an den Waldfesten, die die Tiere manchmal zusammen feierten.

Plötzlich hörte Kati ein Geräusch - es kam schnell immer näher und näher. Kati erschrak und wollte gerade fliehen, da erkannte sie Sebastian Spatz.
"Hallo Kati", rief er noch in der Luft. Nach dem der Kleine gelandet war, berichtete er dem Eichhörnchen: "Ich soll dich von Brumm ganz lieb grüßen. Du musst dir keine Sorgen machen", sagte er noch ganz außer Atem vom anstrengenden Flug.
"Der Wald zieht sich in nördlicher Richtung viel weiter, als wir je gedacht hatten. Die Jungs übernachten im Wald und laufen morgen früh weiter. Das ist die einzige Möglichkeit, dass sie morgen die angrenzende Wiese erreichen und vielleicht spät abends wieder zu Hause sind."

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14

Jetzt war das Eichhörnchen doch sehr erleichtert!
Kati bedankte sich bei Sebastian fürs Bescheid sagen und ging beruhigt zurück in die Höhle. Schafi saß immer noch am Küchentisch und bemalte sich mit Brumms Buntstiften die Hufe.
"Ist Brumm immer noch nicht zurück?", fragte Mae ohne aufzusehen.

"Nein", antwortete Kati, "Brumm kommt heute auch nicht mehr nach Hause. Räum' auf, kleiner Schatz, gleich ist Schlafenszeit", sagte das Eichhörnchen und bereitete das Abendessen für sich und Schafi vor.

Als das kleine Schaf wenig später ins Bett musste, verlangte es eine Gute-Nacht-Geschichte. Am liebsten von Brumm, denn der Bär hatte versprochen, von seinen spannenden Abenteuern zu erzählen. Aber der Bär war nicht hier und deshalb war der Kummer groß.

Schafi war bockig: "Ohne eine Brumm-Geschichte schlafe ich nicht ein! Ich weiß auch überhaupt nicht, wie ich jemals ohne eine Brumm-Geschichte einschlafen konnte..." brummelte Mae altklug vor sich hin.
Jetzt musste Kati lächeln. Dann kam ihr eine Idee: "Ich setze mich zu dir ans Bett und wir blättern noch ein bisschen in meinen Fotoalben, ja? Das ist mindestens genau so gut wie eine Gutenacht-Geschichte von Brumm!"

"Oh ja!", freute sich das kleine Schaf. Und so kuschelten sich die beiden aneinander und schauten sich die Fotos aus Katis Kindheit an. Wieder betrachtete Mae das Bild, auf dem das kleine Eichhörnchen Karussell fuhr. "Ich möchte auch Karussell fahren!", begann Schafi wieder zu betteln. "Bitte, bitte, bitte!"

Kati dachte nach. Dann kam ihr ein Gedanke, zwar noch vage, aber vielleicht...: "Vielleicht gibt es eine Möglichkeit, dass du morgen Karussell fahren kannst", sagte sie und kraulte Mae am Ohr.
"Juhu!", jubelte das kleine Schaf. "Das wäre überhaupt das Allergrößte: Sauerampfer naschen und Karussellfahren!" Und mit einem Lächeln schlief Schafi endlich ein.

Zu selben Zeit bereiteten sich nahe des nördlichen Waldrandes der Fuchs, Brumm und Hansi Hase eine Schlafstätte. Sie wussten noch nicht, welch aufregende Nacht vor ihnen liegen würde.

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15

Die Freunde hatten sich ein Nachtlager gebaut und sich danach ausgiebig aus Brumms Vorräten bedient.
Der Bär sah das mit sorgenvoller Miene. Das Essen war für einen Tag und eine Person berechnet, dachte er bei sich. Nicht für drei hungrige Mäuler und wer weiß wie lange! Ich werde morgen ganz bestimmt verhungern!

Der Fuchs hatte Brumms Mienenspiel beobachtet. "Ach komm schon Bär, das Essen reicht auch morgen noch für uns drei", versuchte er Brumm zu beruhigen. Der Bär antwortete mit einem undefinierbaren "Brumm!"

Nun war es ganz dunkel geworden. Den Hasen in der Mitte, lagen die drei Freunde aneinander gekuschelt und versuchten einzuschlafen. Der anstrengende Marsch hatte sie sehr müde gemacht. Während Brumm bereits leise vor sich hin schnarchte, betrachtete Fred den Sternenhimmel, der zwischen den Baumkronen hindurch schien. Und er erkannte einige Sternbilder. Er sah den Großen und den Kleinen Fuchs, dort drüben der Springende Fuchs und direkt über ihm der Schlafende Fuchs.

"Schön", kommentierte Fred beeindruckt. Ganz in der Nähe war plötzlich ein Käuzchenruf zu hören.
Der Hase schauderte. "Ich weiß ja nicht, was daran schön sein soll", murmelte Hansi, als plötzlich neben ihnen ein Rascheln zu vernehmen war. Und das Rascheln kam näher, näher und war plötzlich ganz dicht vor ihnen.
Äste knackten, dann ein tiefes Grunzen, so unheimlich und laut, dass der Hase vor Angst und voller Panik die Flucht ergriff.
"Wölfe!!!", schrie Hansi und verschwand irgendwo im Dickicht des Waldes. Vom Angstschrei des Hasen wachte Brumm auf und sah, wie der Fuchs eng geduckt mit dem Bauch auf dem Waldboden lag und ängstlich in die Dunkelheit starrte.

"Was ist los?", fragte der Bär flüsternd den Fuchs.
"Ich weiß es nicht", antwortete Fred mit Angst in der Stimme. "Irgendetwas geht hier vor..."
Und plötzlich tauchten vor ihnen riesige schwarze Schatten auf. Wieder ein tiefes Grunzen und dann ging alles sehr schnell. Der Fuchs suchte sein Heil in der Flucht und auch Brumm fuhr wie vom Blitz getroffen auf und rettete sich in panischer Angst auf den mächtigen Ast einer Eiche. So schnell hatte Brumm noch nie einen Baum erklommen!

Mit pochendem Herzen umklammerte er den Ast. Die Beine eng angezogen, lauschte er dem unheimlichen Grunzen. Er blinzelte in die Finsternis und erkannte eine Rotte Wildschweine, die sich gerade um seinen Proviant balgte.

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16

"Oh nein!", entfuhr es dem Bären entsetzt.
Für eine Sekunde verstummte der Lärm unter ihm. Brumm hielt den Atem an. Dann setzte das Gerangel um seine Marschverpflegung wieder ein. Nach wenigen Minuten - Brumm kam es wie eine halbe Ewigkeit vor - zogen die Wildschweine weiter. Als der Bär sicher war, dass die Schwarzkittel verschwunden waren, ließ er sich vom Ast herunter und begab sich vorsichtig zu ihrem Lagerplatz.

Die ganzen Vorräte waren den grunzenden Räubern zum Opfer gefallen!
"Oh nein!", wiederholte sich der Bär mit kummervollem Gesicht. "Was soll nur werden?"
Plötzlich stand der Fuchs neben ihm, sein Fell war ganz struppig und von kleinen Ästen und altem Laub verschmutzt.
"Wildschweine?" konstatierte Fred fragend. Der Bär antwortete mit einem traurigen brummen. Dann suchten sie in der Dunkelheit nach dem Hasen und riefen leise seinen Namen. Doch von Hansi keine Spur!

"Der wird doch nicht...", flüsterte Fred.
"...von den Wildschweinen gefressen?", beendete Brumm.
"Der wird doch nicht über alle Berge sein und ist vielleicht in seiner Panik bis nach Hause gelaufen?", mutmaßte der Fuchs.
"Oder er hat sich vor lauter Angst verlaufen und findet jetzt nicht mehr zurück zu uns", befürchtete Brumm.
"Bitte nicht", murmelte der Fuchs.

Sie suchten die nähere Umgebung ab und riefen immer wieder leise Hansis Namen.
Endlich traute sich der Hase aus seinem Versteck. Leise schlich er sich an und stand urplötzlich stand neben Brumm und fragte: "Sind sie weg?"
Brumm erschrak fürchterlich. "Hase, du solltest eine Glocke um den Hals tragen!"
Jetzt musste der Fuchs lachen. "Sei unbesorgt", beruhigte Fred den Hasen. "Die sind erst mal satt, vor denen haben wir so schnell nichts zu befürchten."

Wenig später lagen die drei Freunde wieder eng aneinander gekuschelt, doch an Schlaf war nicht zu denken. Angespannt lauschten sie in die Dunkelheit, jederzeit gewahr, einem weiteren Angriff entgehen zu müssen.
Voller Sehnsucht dachte Brumm an das Bett in seiner Höhle. Wie bequem es doch war! Und so sicher! Nie würde sich ein Wildschein in die Nähe seiner Höhle wagen!

Ach wie gern wäre er jetzt zu Hause und schliefe - sein liebes Eichhörnchen auf dem Bauch - in seinem Bett. Und es war groß genug, dass auch der kleine Mae darin Platz fand. Ach überhaupt: Schafi. Wir wollten ja seine Mama finden, rief Brumm sich die Wichtigkeit ihrer Mission in Erinnerung. Dann schlief er endlich ein.

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17

So ein schöner Morgen, dachte Kati, als sie erwachte. Die Sonne schien zum Fenster herein, das Wetter war wie gemacht für ihr Vorhaben. Voller Vorfreude fiel ihr Blick auf Schafi, der neben ihr lag und noch tief zu schlafen schien. Mae atmete gleichmäßig und seine Gesichtszüge waren ganz entspannt.

Ach du kleiner Fratz, dachte Kati liebevoll. Hoffentlich finden wir ganz bald deine Mama. Sie wird sich bestimmt schon ganz doll Sorgen machen. Und das kleine Eichhörnchen dachte an ihren Brumm. Wie er wohl die Nacht da draußen verbracht hatte? Ob es ihm gut geht und das Essen auch reicht? In diesem Moment erwachte Schafi.

"Guten Morgen, liebes Eichhörnchen. Was machen wir heute? Karussell fahren?", plapperte er drauflos.
Da musste Kati lachen. "Lass uns erst mal aufstehen und frühstücken", schlug sie vor.

Das kleine Eichhörnchen war gerade dabei, das Frühstück vorzubereiten, als es an der Tür klopfte.
Erika Elster fragte, ob Kati während ihrer Abwesenheit auf ihren Neffen, den kleinen Engelbert, aufpassen könnte. "Weißt du, es war ja gar nicht geplant, dass ich heute noch einmal den Suchtrupp in Richtung Süden unterstützen muss. Ich hätte ja gewiss auch ganz anders zu tun als die Mutter des kleinen Schafs zu suchen! Aber was tut man nicht alles! Gestern kümmerte sich Prof. Uhu um den Kleinen, aber heute muss der Professor ja wieder an die Universität, das neue Semester vorbereiten. Und da dachte ich, mein Neffe wäre bei dir gut aufgehoben." Kati willigte ein und wünschte der Elster viel Erfolg und viele Grüße an ihren Suchtrupp.

Nach dem Frühstück ging Kati mit Schafi und dem kleinen Engelbert unter dem Vorwand, den schönen Morgen für einen Spaziergang nutzen zu wollen, an den Fluss zu Benni Biber. Der war gerade damit beschäftigt, den Damm vor seiner Burg zu verstärken, als er das Eichhörnchen mit ihrem kleinen Kindergarten am Ufer bemerkte. Er ließ sein Werkzeug liegen und schwamm ans Ufer.

"Hallo Benni", grüßte das Eichhörnchen, "ich habe eine Bitte", und sie hüpfte ganz nah an den Biber heran und flüsterte ihm etwas ins Ohr.
"Ho, ho!", lachte da der Biber. Das war eine Aufgabe ganz nach seinem Geschmack!

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Erst gestern hatte Gerda, seine Frau, ihn angewiesen, doch den Damm zu verstärken. Und eine neue Flurgarderobe wünschte sie sich auch. Eine Flurgarderobe! Als ob ein Biber ein Möbeltischler wäre! Manchmal glaubte Benni, am Bore-Out-Syndrom erkrankt zu sein. Er fühlte sich ständig unterfordert!

"Bau doch mal einen Schuhschrank! Oder eine größere Hutablage!"
Ständig lag ihm Gerda mit ihren Wünschen im Ohr. Wenn es doch wenigstens etwas herausforderndes wäre! Etwas, dass ihn in seinem Können ganz forderte! Manchmal langweilte sich der Biber schon sehr, wenn er wie jeden Tag den Damm verstärkte oder an einer Fußbank für die Kleinen werkelte.

Aber Katis Bitte war da schon von einem ganz anderen Kaliber. Sofort sammelte er sein Werkzeug ein und begleitete Kati zur Höhle des Bären. Beim Weggehen rief er seiner Frau noch zu, "ich bin erst mal weg, warte nicht mit dem Essen auf mich!"

Auf dem Weg zur Bärenhöhle tuschelten Kati und Benni unentwegt. Das kam Schafi merkwürdig vor. "Was redet ihr denn da?", wollte es wissen. Aber das Eichhörnchen lächelte nur vielsagend und flüsterte dann weiter mit dem Biber. Der schien sich sehr zu freuen und nickte zustimmend.

Kaum bei Brumms Höhle angekommen, suchte er kräftige Äste, trug sie zusammen und fällte einen Baum, aus dem er, wie er sagte, "die Basis zimmern" wollte. Und so sägte und hobelte er den halben Tag; wies Schafi an, ihm hier zu helfen, bat den kleinen Engelbert, dort mit anzufassen und dann kam auch noch Opa Hirsch hinzu, der sofort erkannte, was der Biber da baute und half ebenfalls mit.

Nach dem Mittagessen - es gab für alle eine riesige Portion Eierkuchen - legte Kati Schafi und den kleinen Engelbert zur Mittagsruhe in Brumms großes Bett.
"Träumt schön - und wenn ihr ausgeschlafen habt, ist die Überraschung fertig", versprach sie und deckte die beiden fürsorglich zu. Dann hüpfte sie wieder hinaus und half Benni und Opa Hirsch.

Am frühen Nachmittag legte der Biber dann sein Werkzeug zur Seite und betrachtete prüfend sein Werk. "Alle Achtung!", sagte Opa Hirsch anerkennend. "Das hätte ich nicht besser hingekriegt!"
Kati klatschte vor Begeisterung mit ihren Pfötchen. "Warte, das wird eine Freude!"
Behende hüpfte sie in Brumms Höhle und kam wenig später mit Schafi und Engelbert zurück.

Das kleine Schaf war noch ein wenig schlaftrunken, doch dann erkannte es, was da vor des Bären Höhle stand: Ein Karussell! Und es war mindestens genau so schön wie das in Katis Fotoalbum!

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Am nördlichen Waldrang ging die Sonne auf, doch die drei Freunde waren bereits wieder auf den Beinen. Lieber ganz schnell weg von hier! Nicht, dass die Wildschweine noch einmal wiederkämen! Und da von Brumms Proviant nichts mehr übrig geblieben war, malten sie sich lieber nicht aus, wer dann als Mahlzeit für die Schwarzkittel herhalten müsste...

Sie waren inzwischen schon geraume Zeit unterwegs, als Sebastian Spatz sie einholte. Er richtete die Grüße von zu Hause aus und betrachtete fragend Freds zerzaustes Fell. Bevor der etwas sagen konnte, sprudelte es aus Hansi Hase heraus: "Du glaubst ja nicht, was hier heute Nacht los war! Stell dir vor, wir mussten gegen ganz viele Wildschweine kämpfen!"
Mit großen Augen und offenem Schnabel hörte der kleine Spatz zu.
"Na ja, es geht uns soweit gut", sagte der Hase. "Aber Brumms Reiseproviant hat es leider nicht überlebt."
"Seid ihr verletzt?", wollte Sebastian wissen, doch der Fuchs winkte ab. "Sieh bitte nach, wie weit es noch bis zum Waldrand ist", bat er den Spatz.

So flog Sebastian voraus und kam wenig später zurück. "Ihr werdet es nicht glauben, aber der Waldrand ist gar nicht mehr weit und dahinter befindet sich eine große Wiese, auf der eine Schafherde grast!"
Was für eine tolle Nachricht! Nun liefen die Freunde so schnell sie nur konnten. Trotz unruhiger Nacht, die ihnen noch sehr anhing. Trotz hungriger Mägen.

Dann endlich erreichten sie den Waldrand und tatsächlich: Auf der Wiese weideten Schafe.
"Das sind aber viele", staunte der Hase.
"Bestimmt hundert Trilliarden", schätzte Brumm. Keine Ahnung, wo er das her hatte.
Fred schüttelte nur mit dem Kopf und sprach eins der Schafe an: "Hallo, wir suchen die Mama eines kleinen Schafes namens Mae, das sich verlaufen hat und nun bei uns im Wald zur Pflege wohnt."

Die Neuigkeit verbreitete sich in Windeseile auf der Wiese. Ein Mähen und Blöken machte die Runde, dann lief eins der Schafe zu den Freunden und stellte sich vor: "Ich bin Maes Mama. Mein Kleiner ist bei euch? Geht es ihm gut?"
Brumm konnte das Schaf beruhigen. Er erzählte, wie liebevoll sich das kleine Eichhörnchen um Schafi kümmerte und dass es sogar im großen Bett des Bären schlafen durfte.

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20

Voller Erleichterung schloss sich Maes Mama den drei Freunden an und gemeinsam machten sie sich auf den weiten Rückweg zu Brumms Höhle. Aber je höher die Sonne stieg, um so lauter knurrten ihre Mägen. Brumm schlug eine Rast vor, aber Fred mahnte zur Eile: "Der Weg bis nach Hause ist noch weit. Jedes Stück, dass wir jetzt noch schaffen, müssen wir nachher nicht mehr laufen."
So sehr Brumm auch darüber nachdachte, er verstand den Sinn in Freds Worten nicht. Aber bestimmt war es wieder etwas sehr kluges, was der Fuchs da gesagt hatte.

Also marschierten sie weiter. Doch nach einer Stunde blieb Hansi Hase plötzlich stehen und verlangte kategorisch eine Pause. Fred bot an, dass Brumm ja den Hasen ein Stück tragen könne. Doch der Bär protestierte und ließ sich ins Gras fallen: "Keinen Meter gehe ich noch, wenn ich nicht vorher etwas zu essen bekomme! Mein Bauch ist schon ganz flach, seht nur!" Und er jammerte, dass er bestimmt bald vor Entkräftung nicht mehr weiterlaufen könne und selber getragen werde müsse.

Schafis Mama hatte unterdessen begonnen, am Waldboden zu grasen. "Lecker, ganz saftig!", rief sie.
Das brachte Brumm auf eine Idee. Er schnüffelte ein wenig am Waldgras, prüfte kurz mit seiner Zunge den Geschmack und biss dann herzhaft zu. Hm, dachte er beim Kauen. Schmeckt nach gar nichts. Vielleicht nach grün. Vermischt mit Wasser.

Maes Mama sah dem Bären amüsiert zu.
Der nahm ein zweites und ein drittes Mal vom Waldgras. Wird nicht besser, dachte der Bär und überlegte, wie viel er wohl vom Gras essen müsste, um satt zu werden. Und vor seinem geistigen Auge sah er eine Wiese, die von der Erde bis zum Mond reichte. Und wieder zurück. In sein Schicksal ergeben graste der Bär an einer anderen Stelle weiter.

Und plötzlich... was war das? Hm... wow! Brumms Geschmacksknospen begannen Samba zu tanzen. Die Bäume vor seinen Augen verfärbten sich. Von grün zu einem sanften blau, dann gelb bis orange. Unvermittelt begann der Waldboden unter seinen Pfoten zu floureszieren. Auch das Fell des Fuchses schien plötzlich eine andere Farbe zu haben.

Das ist aber eine leckere Grassorte, dachte der Bär und und summte dabei eine Melodie, die ihm gerade eingefallen war. Er stopfte sich von dem Grünzeug so viel er nur konnte in seinen Mund.
"Nein Brumm, nicht", rief da Maes Mama. "Das ist Sauerampfer! Den darfst du nicht essen!"
Doch Brumm sah nur kurz auf, lächelte versonnen und aß dann weiter vom Sauerampfer.
Aus Samba wurde Rock'n Roll.

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21

Am nächsten Morgen: "Wenn das so weiter geht, werden wir noch anbauen müssen!", sagte Kati lächelnd und beobachtete das bunte Treiben.
Vor Brumms Höhle tummelten sich die Kinder der Waldbewohner und wechselten sich beim Karussell fahren ab. Opa Hirsch achtete darauf, dass die Kleinen nicht in Streit gerieten beim Kampf um einen Platz auf des Waldes neuester Attraktion. Frau Hase schenkte Holunderlimonade aus; das kleine Eichhörnchen reichte selbstgebackene Haselnusskekse.

Zur selben Zeit einige Kilometer weiter nördlich: Ratlos sahen sich Fred und Hansi Hase an. Sie hatten unfreiwillig eine weitere Nacht im Wald verbringen müssen. Abwechselnd hielten sie Wache um gewarnt zu sein, falls die wilden Bestien zurückkehrten. Nun drängte der Fuchs zum Aufbruch, doch Brumm war einfach nicht wach zu bekommen! Er schlief seit gestern Nachmittag ohne Unterbrechung tief und fest. Was sie auch versuchten, der Bär wurde nicht wach und dabei stand die Sonne bereits hoch am Himmel.

Es war aber auch zum verrückt werden! Brumm hatte gestern entgegen Maes Mamas Warnung noch eine ordentliche Portion von dem leckeren Gras gefressen, dann legte er sich auf den Rücken und rief immer wieder beseelt: "Halleluja!"
Schließlich war er eingeschlafen.
Anfangs machten sich die Freunde Sorgen um Brumm, aber je näher der Abend rückte, wuchs die Sorge vor der Nacht. Und dann wurde es dunkel...

Sie teilten sich in die Wache und waren heilfroh, als die aufgehende Sonne den ersten hellen Streifen an den Himmel zauberte.
Fred wollte unbedingt heute Abend wieder zu Hause sein, aber der Aufbruch scheiterte an Brumm und so langsam wurde der Fuchs ungeduldig. "Dann lassen wir ihn eben hier liegen. Irgendwann wird er schon ausgeschlafen haben und dann treibt ihn der Hunger doch sowieso nach Hause."

Hansi Hase schüttelte vehement den Kopf. "Nein! Wir lassen Brumm hier nicht alleine zurück! Was, wenn die wilden Bestien zurückkommen?"
Hansi hatte beschlossen, nicht mehr Wildschweine zu sagen, sondern wilde Bestien. Das klang viel gefährlicher und bezeichnete das Verhalten der Provianträuber zudem auch genauer!
"Aber wir könnten schon viel weiter sein!", setzte Fred erneut an. "Ich will auf gar keinen Fall noch eine weitere Nacht hier draußen verbringen. Ich vermisse meinen Morgenmantel und mein gefliestes Badezimmer!", fügte der Fuchs hinzu. Er schnüffelte an sich und verdrehte die Augen: "Ich stinke!"
Jetzt musste der Hase lachen.
"Und du stinkst auch!", warf Fred dem Hasen an den Kopf. "Außerdem habe ich noch einiges vorzubereiten für meine Abreise. Ich bin eh schon viel zu spät dran!"

"Ich weiß, du musst zu deinem Vetter Ragnar", erinnerte sich der Hase. "Aber wir können dir auch beim Packen helfen, das spart Zeit. Und wenn wir es arrangieren, dass dich Karl Kranich zum Nordpol fliegt, musst du dich jetzt nicht so unter Druck setzen", versuchte Hansi den Fuchs zu beruhigen.

"Darf ich auch mal was sagen?", wandte sich Maes Mama an die beiden. "Ich glaube, es liegt am Sauerampfer."

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22

"Was liegt am Sauerampfer?" fragte der Hase irritiert und schaute Maes Mama an.
"Dass wir Brumm nicht wach bekommen", antwortete das Schaf. "Ich glaube, es liegt am Sauerampfer. Brumm hatte gestern einfach zuviel davon gegessen, ich kenne das von meinem Kleinen. Immer, wenn er Sauerampfer isst, ist er danach so komisch und schläft ganz tief und fest. Ich piekse und stupse ihn dann solange in den Bauch, bis er aufwacht."

"Gute Idee!", stimmte der Fuchs begeistert zu. "Los, alle Mann den Bären in den Bauch stupsen!"
Und so hockten sie sich über den schlafenden Bären und pieksten und stupsten Brumm abwechselnd in sein flauschiges Bäuchlein.
Unwillig brummte dieser vor sich hin. - Was ist das? Träge kam der Bär zu sich. Er hatte schreckliches Kopfweh. Und in der Bauchgegend fühlte es sich an, als übten 1.000 Igel einen eingesprungenen Doppelaxel. Synchron.

Brumm versuchte die Stacheltiere mit seinen Pfoten abzuwehren, aber es gelang ihm nicht. Als er schließlich die Augen öffnete, knetete Hansi Hase seinen Bauch und der Fuchs rief: "Hallelujah, der Bär ist erwacht!"
Fragend sah Brumm den Hasen an: "Was machst du da auf meinem Bauch?"
"Ähm... nichts", antwortete Hansi uns sprang behende ins Gras.

Es dauerte noch geraume Zeit, bis Brumm auf den Beinen war, doch dann konnten sie endlich die letzte Etappe ihrer Mission in Angriff nehmen. Sie liefen und liefen, so schnell sie ihre Beine trugen. Sie liefen den ganzen Tag, sie trotzten dem Hunger, sie ignorierten den Durst, denn sie wussten, wenn sie erst wieder zu Hause wären, könnten sie nach Herzenslust essen und trinken und sich ausruhen.

"Ist es noch weit?", wollte Schafis Mama wissen. Sie war schon sehr erschöpft vom anstrengenden Marsch, doch die Freude, bald wieder ihren kleinen Mae umarmen zu können, lies sie immer weiter laufen.
"Nein, jetzt ist es nicht mehr weit. Wir sind gleich da", antwortete Brumm. Und aus der Ferne hörten sie ein fröhliches Jauchzen und eine aufgeregte Stimme rief: "Schneller! Noch viel schneller!"

Und Schafis Mama kannte diese Stimme! Das war doch ihr kleiner Mae! Nun war alle Müdigkeit vergessen. Sie rannte los und erreichte in Windeseile die Höhle des Bären. Brumm hatte große Mühe, ihr zu folgen.

"Kinder, jetzt macht aber mal eine Pause!", rief da gerade das kleine Eichhörnchen. "Euch wird sonst noch ganz schwindelig!"
Mae hatte schon ganz rote Bäckchen und auch Opa Hirsch, der das Karussell unentwegt anschob, war schon ganz außer Puste. Schafi sprang vom Karussell und wollte sich gerade ins Gras fallen lassen, da glaubte er seinen Augen nicht zu trauen: "Mama?"
"Schafi!"

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23

Ach, war die Freude groß!
Schafis Mama wollte ihren kleinen Ausreißer gar nicht mehr aus den Armen lassen, so glücklich war sie! Und wie sehr hatte sie ihren Mae vermisst! Aber jetzt war alles gut. Sie war Kati sehr dankbar, dass sie den Kleinen so liebevoll versorgt hatte, bis Brumm mit seinen Freunden sie auf der Wiese fand und zu ihrem Mae brachte. Nun feierten die Waldbewohner das Wiedersehen mit einem großen Fest.

Brumm machte sich über das leckere Buffet her und brummte vergnügt vor sich hin, während er wieder und wieder seinen Teller füllte. Kati hingegen war schon ein bisschen beschwipst von Frau Hases selbstgemachtem Heidelbeerlikör. Immerhin hatte das kleine Eichhörnchen schon ein halbes Glas davon getrunken!

Mae tanzte mit den anderen Tierkindern und war schon ganz außer Atem. Seine Mama wollte ihn gerade ins Bett bringen, denn morgen wartete die beschwerliche Reise zurück zur Herde am nördlichen Waldrand und da müsse der Kleine ausgeruht sein.
Da hatte Schafi eine Idee: "Mama? Können wir nicht hier bleiben? Hier ist es doch viel lustiger. Nicht so langweilig wie bei uns auf der Wiese und den ganzen Tag immer nur mäh und mäh und mäh!"

"Aber du musst doch nach den Ferien wieder in die Schule gehen!", entgegnete Schafis Mama.
"Er kann auch hier zur Schule gehen!", wandte da Brumm ein, der das Gespräch mit angehört hatte.
Schafis Mama zögerte. "Ich weiß nicht, das will gut überlegt sein. Und außerdem, wo sollen wir denn wohnen?"
"Nun, da hätte ich schon eine Idee", rief da das kleine Eichhörnchen beschwipst. "Ich gehe gleich morgen zu Benni Biber, aber erst will ich noch vom dem leckeren Heidelbeerlikör... Heidelbeerlikör ist ja so gesund!"

Und am nächsten Morgen erlaubte Schafis Mama schließlich, dass sie die Sommerferien bei Brumm und Kati im Wald verbringen werden.
"Auf Probe", wie Maes Mama betonte.
Benni Biber werkelte daraufhin den ganzen Tag direkt gegenüber von Brumms Höhle. Er wuchs geradezu über sich hinaus!

Als er fertig war, betrachtete er stolz sein Werk.
"Was ist das?", fragte Hansi Hase.
"Das ist unser neues Zuhause. Wir nennen es Stall", antwortete Schafis Mama voller Freude über ihr neues Heim.

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24

Schafi hatte mit seiner Mama die schönsten Sommerferien seines Lebens verbracht. Als die Schule wieder begann, war es beschlossene Sache: Schafi würde von nun an gemeinsam mit den anderen Tierkindern die Waldschule besuchen.

Und auch Schafis Mama hatte sich schnell in ihrer neuen Umgebung eingelebt. Sie mochte das saftige Waldgras auch viel lieber als das struppige Zeug auf der Wiese. Außerdem erfreuten sich die kuscheligen Pullover, die sie für die anderen Tiere gestrickt hatte, großer Beliebtheit.
Gerade, als sich der Herbst mit seinen Stürmen ankündigte, freuten sich die Tiere sehr über die wärmenden Teile. Vor allem Frau Hase, die ständig fror, meinte, es sei ein Geschenk des Himmels, das Frau Schaf mit ihrem Kleinen jetzt mit bei ihnen im Wald wohnte.

Und dann ebbten die Herbststürme ab und über Nacht hielt der Winter Einzug. Die Bäume trugen weiße Mützen und der Wind ließ die Schneeflocken wild miteinander tanzen.
Hansi Hase, der noch nicht einschlafen konnte, beobachtete, eingehüllt in seine schöne neue Schafswolldecke, den Flockenwirbel vor dem Fenster und freute sich auf die Schneeballschlacht, die er gleich am nächsten Morgen mit den Kindern veranstalten wollte. Die Freude darauf wärmte sein Herz. Lächeln legte er sich ins Bett und war wenige Augenblicke später eingeschlafen.

Als das kleine Eichhörnchen an diesem Morgen erwachte, sah es aus dem Fenster und bemerkte erfreut, dass Schafis Stall eine weiße Haube wie aus Puderzucker trug. Juhu, freute sich Kati! Schnee! Und genau zu Weihnachten! Das wird ein schönes Fest! Wir werden mit Schafi Schlitten fahren und einen Schneemann bauen und überhaupt den schönsten Winter aller Zeiten haben!

Jetzt aber raus aus den Federn, es gab noch viel zu tun! Schließlich wollten Kati und Brumm dieses Weihnachten gemeinsam mit Schafi und dessen Mama feiern.
Sie weckte Brumm mit einem Kuss und bereitete das Frühstück vor. Brumm wollte noch nicht aufstehen, aber dann roch er den leckeren Weihnachtstollen, den Kati für ihn gebacken hatte, und schwupps saß der Bär am Frühstückstisch.
Nach dem Frühstück schmückten Kati und Brumm den Weihnachtsbaum, den der Bär gestern noch mit Schafi und Benni Biber aus dem Wald geholt hatte.

Es war ein schöner Baum geworden!
Liebevoll umarmte Brumm sein kleines liebes Eichhörnchen und gab ihm einen dicken Kuss. Gleich würde er Schafi und dessen Mama zur gemeinsamen Weihnachtsfeier in seine Höhle holen. Und voller Vorfreude tanzte er wieder seinen ganz persönlichen Bärenfreudentanz, und wie wir inzwischen wissen, tat er das nur, wenn er außergewöhnlich glücklich war.

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